FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 FABRIKARBEITERINNEN / CLAUDIA HEEB-FLECK und Gastwirtschaft, leichteren Erfass- und Regel- barkeit der Fabrikarbeit. Inwieweit die gesetz- lichen Bestimmungen in der Arbeitswelt zum Tra- gen kamen, inwieweit sie den Arbeitnehmerinnen wirksamen Schutz boten, soll das nächste Kapitel beleuchten. ARBEITSBEDINGUNGEN IN DER FABRIK166 ARBEITSZEIT J.H. Sommer stellt in seiner Dissertation fest, dass in der Schweiz in der Krise der zwanziger und dreissiger Jahre die Ablehnung der Lex Schulthess, die die 54-Stunden-Woche in Krisenzeiten einfüh- ren wollte, durch eine grosszügige Praxis der Son- derbewilligungen kaum respektiert wurde.167 Die Bewilligungspraxis für liechtensteinische Unter- nehmungen in der Zwischenkriegszeit ist hierfür beredter Ausdruck: In den beiden Textilbetrieben von Jenny, Spoerry & Cie wurde zu Beginn der zwanziger Jahre wegen der Absatzkrise168 teils sogar weniger als 48 Stunden pro Woche gearbei- tet - so z.B. 1923, 1926 und 1928.169 Aber schon 1927 erhielt das Unternehmen Jenny, Spoerry & Cie für ungefähr 300 und 1928 für zirka 160 Arbeiterinnen die Bewilligung zur 52-Stunden- Woche.170 Zwischen 30 und 60 Personen arbeite- ten von 1928 bis 1931 - hauptsächlich im Vaduzer Betrieb - Schicht.171 In den Jahren von 1933 bis 1937 erteilte das BIGA Jenny, Spoerry & Cie Vaduz praktisch durchgehend die Bewilligung für die 52-Stunden-Woche in der Ringspinnabteilung. Dies betraf ungefähr 30 bis 50 Arbeiterinnen, vorwie- gend Frauen.172 1937, 1938 und 1939 arbeiteten wiederum Teile der Belegschaft Schicht,173 1 9 3 7 und 1939 war daneben für einen Teil der Arbeiter- 148) LGB1, 1924 Nr. 11, Einführungsgesetz zum Zollvertrag mit der Schweiz vom 29. 3. 1923, erlassen am 13. 5. 1924, Art. 89f. 149) LGB1, 1934, Nr. 11, 30. 11. 1934, das ein Verzeichnis der für Liechtenstein gültigen bundesrechtlichen Erlasse enthält. 
150) BG betr. die Arbeitszeit in den Fabriken, 27. Juni 1919, Art. 40. 151) BG, 27. Juni 1919, Art. 41 u. 47. Verordnung über den Vollzug des BG betr. die Arbeit in den Fabriken, 3. Oktober 1919, Art. 136 und 137. 152) BG, 17. Juni 1919, Art. 41. 153) BG, 17. Juni 1919, Art. 44 und z.B. LLA, 1937, RF/172 Nr. 391. 154) LGBI, 1924 Nr.ll, Art. 94. 155) Verordnung, 3. 10. 1919, Art. 150. 156) Verordnung, 3. 10. 1919, Art. 145f, Art. 146g, Art. 159h. 157) LGBI, 1924 Nr. 11, Art. 94. Oberste Kontrolle übte in Liechten- stein die Regierung aus. Beschwerden vom Arbeitsamt und von der Wirtschaftskammer wurden an die Regierung weitergeleitet, die dann die jeweiligen Betriebe zur Rechenschaft zog. 158) Verordnung, 3. 10. 1919, Art. 159f. 159) Verordnung, 3. 10. 1919, III. Beschäftigung von weiblichen Per- sonen, Art. 183. 160) Verordnung, 3. 10. 1919, Art. 185. In Art. 186 werden die Fabriken zur Erstellung von Wöchnerinnen- verzeichnissen verpflichtet. 161) LGBI, 1924 Nr. 11, Art. 89. 162) Liechtenstein war dem Kreis IV des eidg. Fabrikinspektorates zugeteilt. Vgl.: z.B. LLA, 1926, RE/2725 z.Z. 753. 163) Gewerbeordnung 1915, §§ 70 und 71. 164) Hoch, S. 62. 165) Hoch, S. 66. 166) Ich werde mich in den folgenden Kapiteln weitgehend auf die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, respektive den zwei Textilbetrieben Jenny, Spoerry & Cie beschränken. Dies ergibt sich aufgrund der Quellenlage und rechtfertigt sich mit der überragenden Bedeutung dieser beiden Betriebe. 167) Sommer, S. 140. 168) Vgl. z.B. LLA, 1928, RE/4480 z.Z. 146, Schreiben von Jenny, Spoerry 8i Cie an die Fürstliche Regierung. 169) 1923. S. 17; LLA, 1926, RE/2725 z.Z. 753; LLA, 192S, RE/4480 z.Z. 146. 170) LLA, 1927, RE/2464 z.Z. 14; LLA, 1927, RE/3302 z.Z. 14; LLA, 1928, RE/552. 171) LLA. 1928, RE/698 z.Z. 146; LLA, 1929, RE/6633 z.Z. 146; LLA, 1930, RF/1041. 172) LLA, 1933, RF/132; LLA, 1934, RF/146 Nr. 271 u. 148 Nr. 114; LLA, 1935, IiF/150 Nr. 275; LLA, 1936, RF/161 Nr. 77 u. 164 Nr. 207; LLA, 1937, RF/169 Nr. 329. 173) HA. 1937, RF/169 Nr. 329; LLA, 1937, RF/170 Nr. 58; LLA, 1938. RF/178 Nr. 364; LLA, 1939, RF/182 Nr. 79. 47
        

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