FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 FABRIKARBEITERINNEN / CLAUDIA HEEB-FLECK schaftlichen Krise auf schwache Minderheiten, wie eben z.B. Ausländerinnen, abzuwälzen, wurden in Liechtenstein in allen Bereichen - in der Industrie, im Baugewerbe144 und im Dienstleistungssektor145 - erhoben. Auch in den umliegenden Ländern stell- ten diese Tendenzen in der Weltwirtschaftskrise eine allgemeine Erscheinung dar. Die Schweiz senkte ihren Ausländeranteil drastisch,146 österrei- chische Arbeitskräfte forderten Massnahmen ge- gen Ausländerinnen und die Bevorzugung der Arbeiterinnen aus dem eigenen Bundesland.147 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Arbeitsmarktsituation in der Zwischenkriegszeit für Fabrikarbeiterinnen in dreierlei LIinsicht ver- schlechterte: Einmal durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die es der liechtensteinischen Industrie bis zum Zweiten Weltkrieg nicht ermög- lichten, sich vom industriellen Zusammenbruch des Ersten Weltkrieges zu erholen; dann durch die fast ausschliessliche Präsenz der Fabrikarbeiterin- nen in der krisengeschüttelten Textilindustrie; und nicht zuletzt durch die Tendenz, in wirtschaftlichen Krisenzeiten «Randerwerbsgruppen» wie Auslän- derinnen oder Frauen - die, obwohl zahlenmässig bei weitem keine Randerwerbsgruppe, als solche galten - als erste vom Arbeitsmarkt zu verdrängen. 130) Schnetzler. S. 78. 131) 60 Jahre LAV. 132) Ein von 1934 erhaltenes Arbeitslosenverzeichnis führt in Trie- senberg 84, in Eschen 41, in Schellenberg 26. in Uuggell 67, in Schaan 108, in Balzers 120, in Triesen 99. in Vaduz 37, in Mauren 19, in Gamprin 52 und in Planken 17 ganz oder teilweise arbeitslose Männer auf (LLA. 1934, RF/147 Nr. 352). Notstandsarbeiten für Männer wurden in den dreissiger Jahren jähr- lich zwischen 1000 und 3000 vermittelt. Vgl. die entsprechenden RBe. Im RB 1925 steht, dass die Wirtschaftskammer jeden Letzten des Monats eine Statistik des liechtensteinischen Arbeitsmarktes be- züglich der Zahl der Arbeitssuchenden, der erfolgten Vermittlungen und offenen Stellen nach Bern schicke. Diesbezügliche Anfragen beim Eidg. Stat. Amt und beim BfGA blieben ergebnislos. 133) Dies spiegelt sich deutlich in den RBen und in den Dokumenten des LAV. Die Arbeitslosigkeit der Frauen war kein Thema. Das Problem der Arbeitslosigkeit wurde primär mit (verheirateten) Männern, vor allem den vielen arbeitslosen Handwerkern, assoziiert. Hier ist an-zufügen, 
dass auch die heutigen Statistiken ein verzerrtes Bild der weiblichen Arbeitslosigkeit geben, da sich viele Frauen, die in den Haushalt überwechseln oder zurückkehren, nicht als arbeitslos melden. 134) LLA. 1931, RF/124 Nr 38, LLA, 1938, RF/184 Nr. 165, LAV, Dokumente 1935-40. Graphik 1: Teilweise vollzog sich der Abbau von Arbeitskräften - wie es das Unternehmen bezeichnete - auf «natürlichem Weg», durch Heirat und Todesfälle. LLA, 1931, RF/124 Nr. 38. 135) LLA, 1929, RE/5846 z.Z. 5775. 136) LLA, 1931, RF/124 Nr. 38. 137) Bei Entlassungen galt der Grundsatz, dass die Stellen der zuletzt in die Fabrik Eingetreteneu zuerst abgebaut wurden (LLA, 1931, RF/124 Nr. 38). 138) Die Gemeinde Jriesen - Standort der Weberei Jenny, Spoerry & Cie - forderte die gleictnnässige Verteilung des Abbaus auf Triesen und die umliegenden Gemeinden Balzers und Tricsenberg. LLA, 1931. RF/124, Nr. 38. 139) LLA. 1931. RF/124 Nr. 38. Schreiben der Regierung an fünf bei Jenny, Spoerry & Cie entlassene Frauen, 18. 11. 1931, S. 2. 140) LLA, 1931, RF/124 Nr. 38, Schreiben vom 18. 11. 1931. Vgl.: S. 47. 141) LLA, 1931, RF/124 Nr. 38. LLA, 1929, RE/5846 z.Z. 5775. LLA, 1938, RF/1S4 Nr. 165. LAV, Dokumente, 1935-40, Schreiben von Jenny. Spoerry & Cie an die Regierung vom 14. 10. 1938. 142) Die einzigen konkreten Zahlenangaben finden sich im RB von 1934: Fabrikarbeiterschaft Jenny, Spoerry & Cie, Vaduz und Triesen Total Inl. Ausl. Frauen Männer J'otal In 1. Ausl. Total Inl. Ausl. 378 264 114 156 115 41 94 51 43 100% 70% 30% 100% 74% 26% 100% 54% 46% Nach Angaben von Jenny, Spoerry & Cie waren auch 1938 noch ein Drittel der Belegschaft Ausländerinnen (LLA, 1938, RF/184 Nr. 165). Der bedeutend höhere Ausländeranteil bei den Männern hängt da- mit zusammen, dass die qualifizierten Arbeiten im Betrieb vorwie- gend von Männern ausgeübt wurden, es aber an inländischen, quali- fizierten Kräften weitgehend mangelte. 143) LLA, 1931, RF/124 Nr. 38. Schreiben der Gemeindevorstehung Balzers an die Fürstl. Regierung vom 13.11.1931. 144) 1930 z.B. demonstrierten in Schaan liechtensteinische Bau- arbeiter für die Entlassung der ausländischen Arbeitskräfte. Matt, S. 79. 145) S. 23. (Wobei liier die Forderungen weniger von seiteil der Arbeitnehmerlnnen als von der Regierung selber gestellt wurden.) 146) Geschichte der Schweiz und der Schweizer, S.113 Vgl. auch S. 23. 147) Stiefel, S. 195. 45
        

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