Fabrikarbeiterinnen vermittelt wurde.106 Für un- seren Zusammenhang liefert die Aussage der Wirt- schaftskammer, dass in den Mitteilungen die «nach unserem Ermessen interessierenden vakanten Stellen» publiziert würden, ein weiteres Mosaik- steinchen.107 Auch wenn Faktoren wie die im Vergleich zur In- dustrie geringere Auswirkung der Wirtschaftskrise oder die einfachere und darum häufiger direkte108 Arbeitssuche in der Industrie sicherlich eine Rolle gespielt haben, so erklären sie die einseitige Aus- richtung der Arbeitsmarktpolitik nur teilweise. Arbeitsmarktpolitische Erwägungen zugunsten männlicher Arbeitnehmer wie vor allem Wertvor- stellungen über geeignete Berufe für Frauen109 waren hierfür mit ausschlaggebend. 
ARBEITSVERHÄLTNISSE DER FABRIKARBEITERINNEN STATUS DER FABRIKARBEITERIN Wie schon im ersten Kapitel ausgeführt, war es üb- lich, Frauen auch im ausserhäuslichen Erwerbs- bereich über die Familie zu definieren und mit Be- rufsbezeichnungen wie «Mädchen» oder «Tochter» den dem Beruf zugesprochenen Übergangscharak- ter zu symbolisieren. Joris und Witzig zeigen für die Schweiz auf, dass sich diese «ewigen Töchterberufe» vorwiegend im Dienstleistungssektor fanden: im haus- und gast- wirtschaftlichen Bereich, im Verkauf, im Erzie- hungs-, Sozial- und Gesundheitswesen.110 Anders stand dagegen die Fabrikarbeiterin da. Ihre Arbeit wurde als solche bezeichnet, galt aber nach Joris/Witzig im gesellschaftlichen Bewusst- sein nicht als Beruf, sondern als Ausweg aus dem Elend, als Provisorium, solange die Familie auf zusätzlichen Verdienst der Frauen angewiesen war.111 In Liechtenstein wurde die Fabrikarbeit der Frauen anscheinend so stark mit provisorischer Tätigkeit junger, lediger Frauen aus armen Verhält- nissen assoziiert, dass auch die Fabrikarbeiterin- nen als Fahrikmädchen bezeichnet wurden.112 In bezug auf die Charakterisierung als Mädchen- beruf lässt sich also der Status der Fabrikarbeiterin in Liechtenstein mit dem des Dienstmädchens oder der Serviertochter vergleichen. Ansonsten stand die Tätigkeit als Dienstmädchen aber in der Zwi- schenkriegszeit aUgemein in «höherem» Ansehen als die der Fabrikarbeiterin. So bevorzugten WS. und O.W. die Arbeit als Dienst- mädchen oder als «Bauerntochter», weil sie die Fabrikarbeit mit der Vorstellung des Eingesperrt- seins verbanden. J.J. gab an, dass ihre Eltern sich für die Eröffnung eines Ladens entschieden, damit sie und ihre Schwester nicht in die Fabrik mussten. Hingegen hätte eine Dienststelle auf einem grösse- ren Bauernhof in der Schweiz für J.J. eine Alterna- tive zur Ladentätigkeit dargestellt. WS. wehrte sich dagegen, in die Fabrik zu gehen, verzichtete aber 34
        

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