HISTORISCHER VEREIN FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN 1993 Archäologie: Tätigkeitsbericht 1993 Im Berichtsjahr waren 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - z.T. temporär - für die Archäologie tätig; zwölf davon hatten einen Arbeitsvertrag mit dem Historischen Verein und wurden im Stunden- lohn entschädigt, drei waren von der Fürstlichen Regierung angestellt. GRABUNGEN, BAUÜBERWACHUNG UND DENKMALSCHUTZ Sämtliche eingegangenen Baugesuche wurden - wie in den Vorjahren - überprüft und die Baustel- len während der Aushubarbeiten beobachtet. Bei interessanten geologischen Schichtabfolgen sind die Baugrubenprofile dokumentiert worden. Aus- ser einer Kalkgrube «Im Lett» in Vaduz konnten im Berichtsjahr keine archäologischen Befunde festge- stellt werden. Zu bekannten, vor allem prähistorischen Fundstel- len sind Kontrollgänge durchgeführt worden. Wie- derum mussten Spuren von Raubgräbern zur Kenntnis genommen werden. Obwohl der Antrag zur Finanzierung einer zweiten Grabungsetappe der St.Florinskapelle in Vaduz be- reits im Herbst 1992 eingereicht worden war, konnten - verzögert v.a. durch die Neuwahlen des Landtages - die Arbeiten erst im September 1993 in Angriff genommen werden, so dass die Unter- suchungen im Berichtsjahr nicht mehr zum Ab- schluss gebracht werden konnten. Über die bisherigen Ergebnisse können dem Be- richt von Grabungsleiter Hansjörg Frommelt fol- gende Angaben entnommen werden: «Die 1992 freigelegten Befunde konnten im Jahr 1993 ergänzt und wesentlich neu interpretiert werden. Anfang des 16. Jahrhunderts ist die Florinskapelle - entge- gen früheren Annahmen, die von einer Erweiterung im Chorbereich ausgingen - mit grosser Sicherheit gänzlich neu erbaut worden. Von deren Vorgänger- bau lassen sich nur wenige Fundamentreste nach- weisen, welche auf einen Bau mit rechteckigem Chorabschluss und auf einen «kryptaähnlichen» Raum, der wahrscheinlich bereits im ersten Jahr- tausend bestanden haben könnte, schliessen las-sen. 
Dieser Raum ist mit Sicherheit durch ein Feuer stark beschädigt, wahrscheinlich anschliessend wieder hergestellt und noch beim Neubau der Ka- pelle im 16. Jahrhundert respektiert und beibe- lassen worden. Ausmass, Alter und Funktion kön- nen zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher definiert werden. Es besteht die Möglichkeit, dass sich in die- sem Raum auch die Grafengruft befunden haben könnte. Auf der gesamten Grabungsfläche sind auch im Berichtsjahr 1993 Bestattungen freigelegt worden. Die anthropologische Bearbeitung der Ge- beine übernahmen wiederum PD Dr. H. U. Etter und in seiner Vertretung Frau Marianne Lörcher. Die Befunde sind mit Kantonsarchäologe Urs Clava- detscher aus Chur diskutiert worden.» Dank freundlichem Hinweis von Herrn Dr. med. Rudolf Rheinberger aus Vaduz konnten im Familienarchiv Abb. 1: Vaduz, Notgra- bung Florinsgasse. Grab 36 nach der Freilegung im November 1992. Die anthropologische Auswer- tung des Befundes im Berichtsjahr hat ergeben, dass es sich bei den Gebei- nen um die Überreste einer sechzig bis siebzig Jahre alten Frau handelt. Die Deformationen der Halswirbelsäule weisen auf Strangulation als Todesursache hin. 359
        

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