EINE BESTÄTIGUNG VON GOETHES AUFENTHALT IN VADUZ 1788 / GRAHAM MARTIN Üblicherweise wird Hans Wahl als Entdecker der Wahrheit über Johann Wolfgang von Goethes Nächtigung in Vaduz gefeiert. In seinem Beitrag «Zu Goethes Rückreise von Rom nach Weimar», der 1943 erschien,1 befasste er sich mit dem aus- führlichen Ausgabenbuch der betreffenden Reise, das von Goethes Reisebegleiter, dem Musiker Chri- stoph Kayser, geführt wurde. Es steht fest, dass Goethes Aufenthalt in Liechtenstein in keinem Zusammenhang mit einer seiner Schweizerreisen steht, wie man ursprünglich hätte vermuten kön- nen - bei diesen Gelegenheiten war er nie im Rheintal -, sondern er fand bei der Heimfahrt von der grossen Italienreise statt. Ende Mai 1788 ver- liess Goethe Norditalien beim Corner See und Chia- venna, fuhr über den Splügenpass, machte im Dorf Splügen halt, dann in Chur; anschliessend muss er über die Luziensteig gefahren sein, denn seine nächste Station war Vaduz, wo er die Nacht zum l.Juni verbrachte; weiter ging es über eine kurze Strecke in Österreich bis zum Dorf Fussach am Bodensee.2 Da dieser Aufsatz in einer germanistischen Fach- zeitschrift - und noch vor dem Ende des letzten Weltkriegs erschien, erweckte er wohl kaum die Aufmerksamkeit der Gelehrten in Liechtenstein. Dem Liechtenstein-Kenner Erwin Poeschel verdan- ken wohl die meisten Liechtensteiner die Nach- richt, dass Goethe sich tatsächlich in Vaduz auf- hielt. Poeschel veröffentlichte ein paar Jahre später im in Liechtenstein besser 
bekannten Bodensee- buch einen Beitrag, in dem er Goethes Reise durch Graubünden eingehend beschriebt Dabei basierte 
«Porträt J.W. Goethe im Alter von 42 Jahren», nach einer Kreidezeich- nung von Johann Heinrich LIPS, Kupferstecher und Maler, *29.4.1758 in Kloten (Zürich), 15.5.1817 in Zürich. 1) Hans Wahl. In: Goethe. Viermonatsschrift der Goethe-Gesellschaft 8 (1943), S. 149-159. 2) Ebda, S. 157. 3) Erwin Poeschel: Goethes Reise durch Graubünden. In: Das Bo- denseebuch 1948/49, S. 40-45. (Auch in: Erwin Poeschel: Zur Kunst- und Kulturgeschichte Graubündens. Ausgewählte Aufsätze. Zürich, 1967, S. 65-70). Nicht lange nach dem ersten Erscheinen dieses Beitrags im «Bodenseebuch» wurde Poeschels Werk «Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein» veröffentlicht (Basel, 1950). in dem er bewies, dass er sich im ganzen Land Liech- tenstein ausserordentlich gut auskannte. 339
        

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