ausgezeichnet. Wie sein Lehrer Rheinberger wid- mete auch er sich dem Unterricht; von 1894 bis zu seinem Tode im Jahre 1919 hatte er eine Professur für Musik an der Yale University inne. 1894 verlieh ihm Yale den Grad eines Magisters ehrenhalber, und 1902 erhielt er ein Ehrendoktorat der Cam- bridge University. Auch Parkers Münchner Klassenkameraden ver- suchten, das bei Rheinberger Gelernte in ihrer amerikanischen Heimat umzusetzen. Whiting war zusammen mit Chadwick und Parker ein wichtiges Mitglied jener Komponistengruppe, die als «Second New England School» bekannt ist. - Arens hatte zwar als Komponist wie auch als Dirigent nur mas- sige Erfolge; er unternahm jedoch in den frühen 1890er Jahren Europatourneen, in deren Musik- programmen amerikanische Kompositionen den Vorrang hatten, und im Jahre 1900 richtete er in den USA die «Volks-Symphonie-Konzerte» ein, welche der weniger bemittelten Bevölkerung gute Musik zu einem geringen Preis zugänglich machen sollten. Huss trat als Solo-Pianist zusammen mit Amerikas führenden Orchestern auf, und auch seine Kompo- sitionen waren ziemlich erfolgreich. - Haie hatte mehrere Stellen als Organist inne, be- kannter wurde er jedoch als Musikschriftsteller. Seine scharfzüngigen und gedankenreichen Artikel beeinflussten die musikästhetischen Auffassungen einer ganzen Generation amerikanischer Musik- hörer. - Weld war als Dirigent in New York und London tätig. - White konnte auf eine erfolgreiche Karriere als Organist in New York zurückblicken und ver- brachte seine letzten Lebensjahre in München. - Whitney war als Gesangslehrer in Boston tätig. - Parkhurst war unabhängig von seinen musikali- schen Aktivitäten wohlhabend; er komponierte und schrieb eher zum Zeitvertreib und veröffentlichte neben seinen musikalischen Arbeiten auch Werke über Botanik und Ornithologie. Dass so viele talentierte Amerikaner sich gleich- zeitig an der Königlichen Musikschule in München immatrikulierten, um bei Rheinberger zu studie- ren, sollte sich in späterer Zeit zwar nicht mehr 
wiederholen, jedoch veranlasste der Einfluss Chadwicks und Parkers immer wieder angehende amerikanische Musiker dazu, sich bis zu Rhein- bergers Pensionierung im Jahre 1901 ihr hand- werkliches Rüstzeug in München zu holen. Unter seinen späteren Studenten befanden sich die Komponisten Sidney Homer (1864-1953), Frede- rick Field Bullard (1864-1904), Frederick She- pherd Converse (1871-1940) und Percy Lee Ather- ton (1871-1944); ausserdem studierten die Leh- rer Walter Raymond Spalding (1865-1962) von der LIarvard University, Arthur Fickenscher (1871-1954) von der University of Virginia, John Wallace Goodrich (1871-1952) vom New England Conservatory und Arne Oldberg (1874-1962) von der Northwestern University in München. Louis Elson schrieb 1904, dass der Einfluss Rhein- bergers auf die amerikanische Musik denjenigen anderer europäischer Lehrer weit übertreffe.19 Wenn man Rheinbergers Lehrweise seinen ästheti- schen Idealen gegenüberstellt, stösst man auf ein Paradox des Kompositionslehrers. Das Problem, das selbstverständlich auch bei anderen Komposi- tionslehrern festgestellt werden kann, beschrieb ein Referent eines Prüfungskonzertes am Leipziger Konservatorium im Jahre 1872: «Was die Schule lehren kann, gute effectvolle In- strumentation, Form, thematische Arbeiten etc., war überall, natürlich in dem einen Werk mehr, im anderen weniger, ersichtlich; nicht zu finden war dagegen irgendwie selbständigere Entfaltung einer reicheren Tonphantasie. Sollte die Thalsache wirk- lich wahr sein, dass innerhalb hundert Jahren wohl dreihundert Virtuosen geboren werden, aber nur zehn bedeutende Componisten? Die letzte Prü- fung rief uns diese Beobachtung unwillkürlich ins Gedächtniss.»20 Ein Kompositionslehrer kann wohl die Anfangs- gründe der musikalischen Gestaltung lehren, nicht aber Kreativität und Vorstellungskraft, das grösste Gut eines Komponisten. Diese Qualitäten müssen beim Musikstudenten von Anfang an vorhanden sein; der Lehrer kann nur ihr Wachstum fördern. Die doppelte Rolle, Grundlagen zu vermitteln und 328
        

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