ZWEI POLLENANALYSEN ANNA MERZ ET AL. RESULTATE D. ISKANDAR, L. VAN DER PLAETSEN, C. ORCEL, A. CURA Im folgenden sollen die beiden Pollenprofile einge- hend besprochen werden. Die Pollendiagramme befinden sich auf Einzelblättern und sind diesem Band beigelegt. Der Text beider Profile stammt aus der Dokumentation des «Laboratoire Romand de Dendrochronologie / Archeolabs» und wurde von A. Merz aus dem Französischen übersetzt. JUDENMAHD, ESCHEN4 Das Profil vom Judenmahd wurde auf Grund der Pollenfunde in sieben Phasen unterteilt. Die Be- sprechung beginnt mit den untersten Proben. Phase 1 (Probe 75-66) - Baumpollen dominieren, speziell Pinus (Kiefer). - Ziemlich hoher Anteil an Eichenmischwald, Abies (Tanne), Corylus (Hasel) und Alnus (Erle). - Cyperaceae (Riedgräser) sind gut vertreten. - Phragmites (Schilf) ist in Probe 69 und 68 von Be- deutung. - Gramineae (Süssgräser) sind schwach vertreten. Während dieser Phase sieht die Landschaft folgen- dermassen aus: Eine feuchte Ebene wird haupt- sächlich von einem Erlenwald besetzt. Unter den Bäumen wachsen Cyperaceae (Riedgräser, das heisst Pflanzen, die im allgemeinen feuchten Boden lieben). Auch die Präsenz von Phragmites (Schilf) zeugt von einem feuchten Boden. An den Hängen breiten sich wahrscheinlich Bu- chen und Eichenmischwald aus; letzterer besteht hauptsächlich aus Eichen, Linden und Ulmen (Bäu- me auf ziemlich trockenem Substrat) und ist ver- mutlich von Haselnusssträuchern, die viel Licht benötigen, umgeben. Weiter oben wachsen Tannen und vor allem Kie- fern. 
Phase 2 (Probe 65-60) - Die Baumpollenkurve fällt stark ab. - Pinus (Kiefer), Abies (Tanne), Alnus (Erle) und Corylus (Hasel) ziehen sich leicht zurück. - Cyperaceae (Riedgräser) nehmen stark zu. - Der Eichenmischwald ist durchschnittlich vertre- ten. - Gramineae (Süssgräser) sind deutlich vorhanden. - Phragmites (Schilf) wird selten. Für die Abnahme der Baumpollen und das üppige Auftreten der Cyperaceae (Riedgräser) gibt es zwei Erklärungen: Entweder war der Rückgang des Wal- des natürlich bedingt, oder es zeigt sich der Einfluss des Menschen. Die zweite Möglichkeit muss mit Vorsicht betrachtet werden, denn das 
14C-Datum aus diesem Niveau verweist ins 7. Jahrtausend vor Christus5, das heisst in die mesolithische Zeit (in die Epoche vor den ersten Bauern, Anm. der Übers.). Während dieser Zeit gab es kaum Rodungen. Dieser Rückgang des Waldes hat in der Ebene wahr- scheinlich die Ausbreitung derjenigen Cyperaceae, die den feuchten Boden bevorzugen, begünstigt wie an den Hängen die Entwicklung derjenigen Cypera- ceae, die auf relativ trockenem Substrat wachsen. 1) D. Iskandar (Bearbeitung der Pollen), L. Marambat, C. Orcel, L. Van Der Plaetscn, A. Cura. An dieser Stelle möchte ich auch Herrn Hurni für die Zusammenarbeit danken. Grosser Dank gilt auch den Mitarbeitern der Naturkundlichen Sammlung des Fürstentums Liechtenstein für die Klärung botanischer Probleme. 2) Der Torfabbau wurde nach dem 2. Weltkrieg im Laufe der Zeit aufgegeben. 1979 wurde das Riet auf dem Gebiet des Fürstentums Liechtenstein unter Schutz gestellt. 3) Die Bohrgestänge bestehen aus langen dünnen Röhren, die von Hand in den Torfboden gedreht werden müssen. Im Innern bleibt der sogenannte Bohrkern haften, der im Labor herausgelöst und auf Pollen hin untersucht wird. 4) Koordinaten: 758,350.0/230,030.0. Untersuchungsprotokoll: Archeolabs rcf. ARC 9/R896P+C. 5) Die Radiocarbon-Methode liefert eine absolute Datierung und kann für organische Materialien angewandt werden. Dabei wird der Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops 
14C gemessen. 261
        

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