FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 EINFÜHRUNG / CLAUDIA HEEB-FLECK Gesundheitspflege: ... Erste-Hilfe-Leistung bei Un- glücksfällen. Krankenpflege. Heimische Heilkräu- ter. Hausapotheke. Arbeit und Erholung.»39 Neben der Eingrenzung des weiblichen Berufs- spektrums auf den Beruf der Hausfrau, Bäuerin und Mutter unter fast völliger Ausblendung ande- rer Berufs- und Lebensmöglichkeiten wurde in der Mädchenfortbildungsschule - vor allem im Ver- gleich zum Lehrplan der Knaben - der Vermittlung kleinbürgerlicher Werte wie «Familienglück» und «geborgenes Heim» sehr viel Platz eingeräumt. Die Vorstellungen über eine weibliche Normalbio- graphie und das bürgerliche Verständnis von «weiblichem Wesen» und «Familienglück» be- stimm(t)en die Frauenarbeit aber nicht nur im häuslichen, sondern auch im ausserhäuslichen Arbeitsbereich.40 Dort nämlich liess diese Orientierung am Leit- und Normbild der Hausfrau ein typisch weibliches Be- rufsspektrum entstehen, das Tätigkeiten im haus- wirtschaftlichen Bereich und, gewissermassen als Verlängerung derselben, solche im Textil-, Beklei- dungs- und Ernährungsgewerbe umfasste. Im Ein- klang mit diesem «weiblichen Arbeitsfeld» kamen in der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in Liechtenstein mit etlicher Verzögerung erst gegen Mitte des Jahrhunderts, die Sozial- und Pflegebe- rufe und die modernen Büroberufe hinzu. Ferner brachte und bringt es die Orientierung am bürgerlichen Frauenbild meist heute noch mit sich, dass Frauen den ausserhäuslichen Beruf nur als Übergangsphase bis zu ihrem «eigentlichen» Beruf als Hausfrau, Mutter und Gattin betrachten. Dieser der Frauenlohnarbeit zugesprochene Übergangs- charakter bewirkte zum einen, dass eine Berufs- ausbildung für Frauen als nicht notwendig oder mindestens nebensächlich angesehen wurde, zum anderen, dass für die «Berufswahl» die Langzeit- perspektive kaum eine Rolle spielte. Typisch weib- liches Berufsspektrum, Übergangscharakter und somit fehlende Langzeitperspektive als bestim- mende Faktoren der Frauenlohnarbeit führten und führen immer noch zur grundsätzlichen Minderbe- wertung der ausserhäuslichen Erwerbsarbeit der Frau, die sich hauptsächlich in niedrigen Löhnen 
und untergeordneten Positionen ausdrückt. In der Zwischenkriegszeit waren diese Charakteristika der Frauenlohnarbeit in Liechtenstein noch sehr lebendig. Weibliche Lohnarbeit war eine wirt- schaftliche Notwendigkeit und wurde fast nur unter diesem Blickwinkel gesehen. In den meisten Fami- lien «gingen» Töchter nach der Schule so rasch wie möglich als un- oder angelernte Arbeitskräfte «ver- dienen», um so einen Beitrag zum Unterhalt der Familie zu leisten. Dabei beschränkten sich ihre Auswahlmöglichkeiten auf die Fabrikarbeit, den Hausdienst und das Gastgewerbe. Zwar wurde in der Zwischenkriegszeit in den Re- chenschaftsberichten und in den Zeitungen immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig gerade in Krisenzeiten eine Berufsausbildung sei und die El- tern wurden aufgefordert, ihren Kindern eine Aus- bildung zukommen zu lassen, doch in den allermei- sten Fällen zeigt sich im Verlauf der Ausführungen, dass mit Kindern nur Knaben gemeint waren und sich somit die Bestrebungen für eine verbesserte Ausbildungssituation fast ausschliesslich auf Kna- ben konzentrierten.41 Für Mädchen stellte in der 32) Vgl. z. B.: LVolksblatt, «Für Familie und Haus», 1926, Nr. 88, «Hausfrau, Gattin und Mutter»; 1927, Nr. 7, «Mein Heim»; 1934, Nr. 72, «Gebt mir Mütter». (1926 hiess die Beilage: «Für Familie, Haus und Hof», ab 1927 dann: «Für Familie und Haus».) 33) LVolksblatt, 1934, Nr. 66, «Landes-Ausstellung». 34) LVolksblatt, «Für Familie und Haus», Nr. 119, «Die Frauentagung». 35) LN, 1935, Nr.39, «Triesenberg - Nachruf». .36) Vgl. z.B.: Schweizerische Elternzeitschrift, 1923-1939 oder Schriften von Frau A. Hoffmann wie «Mutter, allen mütterlichen Herzen gewidmet», 1920, «Glück im Heim, Ein Führer zu rechtem Familienleben», 1925. Zur Rückbindung vgl. auch: Bericht der eidg. Kommission für Frauenfragen und Lisa Berrisch. 37) LLA, 1931, RF /II3, Nr. 32. 38) LLA, 1931, RF7113, Nr. 32. Abschnitt B.3. 39) LLA, 1931, RF/113, Nr. 32, Abschnitt B.4. 40) Vgl. zum Folgenden: Joris/Witzig, Frauengeschichte(n), S.lSff; Müller/Willms/Handl, S. 111 ff.; Beck-Gernsheim, Der geschlechtsspe- zifische Arbeitsmarkt Hausen, S. 16. (Die mit dem «(t)» angedeutete Aktualität gilt auch für das Folgende.) 41) LVolksblatt, 1934. Nr. 37, «Ins Leben hinaus!». - LN, 1926, Nr. 27. «Die Frage der Berufsberatung in Liechtenstein». 21
        

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