MÜNZFUNDE VOM LUTZAGÜETLI / GEMEINDE GAMPRIN HANSJÖRG BREM standegekommen ist lässt sich damit alleine aller- dings nur schlecht argumentieren. Besonders interessant - und immer wieder Anlass für Spekulationen - ist das Ende der Münzreihe auf dem Lutzagüetli. Die Menge der Münzen endet mit Antoninianen der frühen Regierungsjahre der Kai- ser Maiximianus und Diocletianus vor deren Re- form der Währung 294 n.Chr. - 296 n.Chr., also in den Jahren um 290 n.Chr. Danach gibt es vom Lutzagüetli nur noch zwei Münzen des 4. Jhs. Man könnte nun eine Vielzahl von möglichen Deutungen anstellen - sicher scheint, dass die Aktivitäten im 4. Jh. n.Chr. nicht mehr viel Geld hinterlassen haben. DIE MÜNZEN Obwohl im ersten Artikel eine ausführlichere Wür- digung aus numismatischer Sicht angekündigt wor- den ist, soll hier nur auf wenige Punkte hingewie- sen werden. Die Masse der Münzen besteht aus den jeweils in den Prägezeiten am häufigsten ver- wendeten Nominalen: Im ersten, zweiten und früheren dritten Jahrhundert waren dies Messing- (Sesterzen) oder Kupfermünzen (Asse). Im späte- ren dritten Jahrhundert wurden diese im Geldum- lauf immer mehr durch abgewertete Silbermünzen ersetzt. Diese Doppeldenare, sog. Antoniniane, ent- hielten seit etwa 250 n.Chr. nur noch sehr wenig Silber, das zum Teil (und auf einigen Fundstücken vom Lutzagüetli noch erkennbar) mittels techni- scher Verfahren vor der Prägung auf der Ober- fläche der Schrötlinge angereichert worden ist. Im Unterschied aber zu Fundpunkten in der Nord- westschweiz oder auch Bregenz8 befinden sich un- ter unseren Münzen keine offensichtlichen Produk- te «inoffizieller» Münzstätten, die meist als Imita- tionen angesprochen werden und in den siebziger Jahren des 3. Jhs. n.Chr. in den westlichen Teilen des römischen Reiches in Massen verwendet worden sind. Ein für das Lutzagüetli ausser- gewöhnliches Stück ist der Denar von Augustus, der aber zu einer anderswo in Funden häufigen Serie gehört und auch zur anderen Münze des 1. Jhs. vom Lutzagüetli passt. 
Interessant ist noch ein Blick auf die Herstellungs- orte der Münzen. Mit den Sicherheitsproblemen des 3. Jhs. n.Chr. begannen die römischen Kaiser wieder vermehrt an verschiedenen Orten im Reich zu prägen. Die Herstellungsorte bzw. Ateliers («Of- fizinen») wurden auf den Münzen meist mit Buch- staben, Buchstaben und/oder Zeichenkombinatio- nen angegeben, so dass die Herkunft der Stücke festgestellt werden kann. Obwohl wenige übergrei- fende Studien bestehen, ist gerade unser Gebiet interessant, wo deutlich wird, dass das auf dem Lutzagüetli verlorene oder aber versteckte Geld vor allem aus dem Süden stammt. Zusammen mit der Tatsache, dass Prägungen der gallischen Gegenkai- ser fehlen, müssen wir annehmen, dass der Münz- umlauf im Rheintal im 3. Jh. n.Chr. stark gegen Ita- lien hin orientiert war9. AUSBLICK Mit dem vorliegenden Artikel sind die bis anhin gefundenen Münzen vom Lutzagüetli, die sich im Besitz des Landes Liechtenstein befinden, publi- ziert und der weiteren Beschäftigung zugänglich gemacht worden. Damit kann weiteres Material zu einer immer noch beträchtliche Unsicherheiten aufweisenden Geschichte der Münzprägung der Zeit zwischen 250 und 290 geliefert werden. Nicht zu lösen ist anhand der Münzen alleine, wie diese zu interpretieren sind - Spekulationen sind wieder- holt versucht worden10 - doch scheint uns korrek- 6) Overbeck 1982, S. 204-207. 7) Hedinger, Bettina: Münzen. In: Bauer, Irmgard u.a. Üetliberg, Uto-Kulm, Ausgrabungen 1980-1989. (Berichte der Zürcher Denk- malpflege, Archäologische Monographien Bd. 9) Zürich, 1991. S. 194-204. 8) Overbeck 1982, S. 243. 9) Overbeck 1982, S. 243. 10) Als jüngstes Beispiel dafür: Inhelder, Hans Rudolph: Die Burgen, Befestigungen und Ansitze Unterrätiens. Werdenberger Jahrbuch, Bd. 7 (1994) S. 46: «Während der Alamanneneinfälle von 259 und 260 wurde der Lutzengüetlekopf als wehrhafte Zufluchtsstätte ausgebaut. Wahrscheinlich 288, während eines Alamanneneinfalls, wurde sie aber durch Brand zerstört.» 223
        

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