An die Adresse von Beck und Ritter wurde der Vor- wurf gerichtet, sie hätten die Sitzung auf 10 Uhr morgens anberaumt, die Abgeordneten dann aber auf 9 Uhr zu einer dringenden Besprechung einge- laden. Dieser «advokatische Kniff» sei aber von Peter Büchel und einigen anderen erkannt wor- den.92 Den von den «Oberrheinischen Nachrich- ten» zusammengerufenen Sympathisanten93 wurde eine Gegengruppe gegenübergestellt. Schon am Abend vorher war im Unterland Alarm gegeben worden, und am Morgen des 2. Dezember versam- melten sich 300 bis 400 Mann in Bendern beim «Deutschen Rhein»; diese wählten «ernste ruhige Männer» zu ihren Anführern und bekundeten dem Fürsten aufrichtige Treue, gegenüber der «sich selbst aufgeworfenen Regierung» aber Miss- trauen.94 Die «Oberrheinischen Nachrichten» hiel- ten allerdings vorwurfsvoll fest, die Unterländer seien nachts zusammengetrommelt worden, und «auf dem Riet oben» habe man sie schwören las- sen, dass sie die «Oberrheinischen Nachrichten» fürderhin nicht mehr abonnieren würden.95 Den Unterländer Abgeordneten sei auch vor dem Ab- marsch mitgeteilt worden, sie sollten sich Brett- chen zum Scheibenschiessen auf den Rücken bin- den, falls sie beabsichtigten, zu den Oberländer Ab- geordneten zu halten.96 Die Unterländer machten sich also auf den Weg nach Vaduz, und zwar in «musterhafter Ordnung und zum unbedingten Gehorsam gemahnt»,97 aber auch entschlossen im Fall von Angriffen. In Vaduz angekommen, kam es zu Tätlichkeiten gegenüber einem Ausschussmitglied der Unterländer. Wegen der Jungmannschaften von Balzers und Triesen und Triesenberg sei es nicht möglich gewesen, mit den Ausschüssen der Oberländer in Verhandlung zu treten. Nur dem Eingreifen von besonnenen Vertretern der politischen Gegner, Anton Walser und Stefan Ritter, sei es zu verdanken gewesen, dass ein Blutvergiessen habe verhindert werden können. Das «Volksblatt» schildert, wie die Gegner im Regierungsgebäude «sprühend und brüllend» den geordneten Aufzug der Unterländer betrachtet hätten, wie aus einigen der Alkohol wie rasend gesprochen habe. Agent David Bühler berichtete, 
einer der Balzner habe vor Wut aus den Zähnen ge- blutet, da er offenbar zu stark darauf gebissen habe. Andere hätten gerufen: «Was brauchen wir einen Fürsten!», und einer soll geschrien haben: «Heraus mit den blauen Bohnen!» Aber, so das «Volksblatt»: «Es nutzte nichts, ruhig steht das Unterland».98 Allgemein hielt das «Volksblatt» fest, dass die Beck'schen Anhänger sich aus Krakeelern und Milchgesichtern zusammensetzten und die Unter- länder ernste, ruhige Männer stellten.99 Nach diesem eindrücklichen Ereignis, das doch ge- zeigt hatte, dass sich erheblicher Widerstand gegen die provisorische Regierung anzubahnen begann, war der leicht revolutionär angehauchten Reform- bewegung der Schwung genommen und ihre Bah- nen führten wieder in die vertraute Umgebung der Gesetzlichkeit zurück. 210
        

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