ein «Erlass im höchsten Auftrage»77 an den provi- sorischen Vollzugsausschuss kundgegeben. Darin wurde bestimmt, dass von Imhof zwar in Gnaden entlassen worden sei, er aber bis zur Neubesetzung des Landesverweserpostens die «Regierungsge- schäfte unter Mitwirkung des vom Landtag gewähl- ten Vollzugsausschusses provisorisch fortführen» werde.78 Gleichzeitig Hess Fürst Johann ankündi- gen, dass er geneigt sei, «die Wünsche des Land- tages bezüglich des Ausbaues der Verfassung im Sinne einer Erweiterung der Volksrechte entgegen- zunehmen.»7,) Die Absicht war wohl die, dem nicht verfassungs- konformen Vorgang der Wahl des Vollzugsaus- schusses keine fürstliche Sanktion erteilen zu wol- len und die gespannte Stimmung in Liechtenstein - man muss die Vorgänge in Österreich und in Euro- pa insgesamt bedenken - nicht durch eine unnach- giebige Haltung allzu sehr zu reizen. Die getroffene Entscheidung war aber gerade für Martin Ritter unannehmbar, und er zeigte in die- sem Moment den stärksten Widerspruchsgeist in der Krise insgesamt. Er teilte Imhof mit, dass er nicht bereit sei, die Stelle, an welcher er durch den Willen des Landtags stehe, zu verlassen.80 Er wollte Kundmachung im «Liech- tensteiner Volksblatt» vom 29. November 1918 
die «Entscheidung aus Wien» nicht akzeptieren, und ausserdem war er der Überzeugung, dass die Stimmung im Land ein «In-den-Winkelstellen des Vollzugsausschusses» nicht dulden würde und «schwere Ruhestörungen und Ausschreitungen» zur Folge haben könnte.81 «Ein Zurück gibt es nicht», wiederholte Ritter seine Aussage im Land- tag: «Auf dem einmal eingenommenen Platze, komme was da wolle auszuharren, ist Ehren- sache.»82 Imhof erhob schriftlichen Protest gegen das Vorge- hen Ritters und lehnte die Verantwortung für die Folgen ab. Von der Weigerung Ritters, die Amts- übergabe zu vollziehen, machte von Imhof dem Fürsten gleichentags Mitteilung.83 Die Lage spitzte sich zu. In verschiedenen Gemein- den traten Martin Ritter und Wilhelm Beck als Red- ner auf, um für ihre Sache Stimmung zu machen. In Mauren, wo Ritter und Beck am 25. November eine Versammlung einberufen hatten, kam es zu deutlichen Unmutsäusserungen gegen die Redner. Pfui-Rufe, Ausdrücke wie «Lausbuben», «holt sie heraus» und «unzweideutiges Klirren mit den ei- sernen Turnerstäben» Hessen an Klarheit nichts zu wünschen übrig.84 fttint>mad)ttif0. SBie üon ber fürftl. Regierung erhoben würbe, bürfte ftdj baä au3 ber ©djaeij ju bejiebenbe SDiebj bis mtnbeftenS auf 4 granfen, wenn nidjt l)öljet fteHett. Set betn gegenwärtigen granfenfur« (für bie Ärone befommt man Ijeute in ber ©djmetj 27 SRp. unb e8 fann nodj weniger werben) fommt foljm baS % ÜKeljl auf 16—17, euentuett auf 20 fronen. @3 werben baljer alle öefifcer öon SReljl unb ©c treibe in iljrem eigenften Sntereffe gut tun, feine SebenSmittel meljr an $rembe ju »erlaufen, ba e8 ifjnen fonft Ietdjt paffieren Tann, bajj fte biefelben, wenn überhaupt erljältltd), um ba§ 3Hefjrfadje be$ jefct erhielten greife« laufen müßten. SSabuj, am 28. Sflotiember 1918. gej. Mittet, 9tegterung8-93orftfcenber. 208
        

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