FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 EINFÜHRUNG / CLAUDIA HEEB-FLECK In der 7. Klasse: während des Sommers Kindsmagd bei J.W. In der 8. Klasse: während des Sommers als Hilfe bei Verwandten. Aufgaben: Haushalt, Kinderbe- treuung und Feldarbeit Perspektive: Traum: Verkäuferin. Fand keine Lehr- stelle. Sollte in Fabrik, wehrte sich aber dagegen. Verband Fabrikarbeit mit «Eingesperrtsein». Land- wirtschaftliche Arbeit bevorzugt. Wäre gerne als Dienstmädchen an «gute Stelle» in der Schweiz. Wegen Vater verzichtet. 1933 bis 1935: zweieinhalb Jahre als Dienstmäd- chen gearbeitet. Logis im ersten Jahr zuhause, im zweiten bei liechtensteinischer Arbeitgeberfamilie 1936: ein halbes Jahr Haushaltungsschule im Klo- ster in Schaan. Tod der Mutter Ab 1936: Gemeinsam mit Schwester und Vater Landwirtschaft betrieben. 1948: Heirat. Arbeitete weiterhin auf dem Hof ihres Vaters. Ehemann: Bauarbeiter. Später gemeinsam einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. J.K. Geburtsdatum: 16.2.1896 Eltern: Vater-. Wagner und nebenbei Landwirt. Mutter: Bäuerin Geschwister: zwei ältere Brüder Schulbildung: Alltagsschule, Fortbildungsschule, Christenlehre Perspektive: Eltern bestimmten, dass sie daheim helfen müsse. Sie sei für das aufgewachsen. Wäre aber gerne «etwas fortgekommen». Allgemein: Fa- brikarbeit oder Dienstmädchen in der Schweiz 1924: Heirat.29 Ehemann zieht in ihr Elternhaus. Arbeit in der Landwirtschaft der Eltern 1925: Tod der Eltern. Geburt des ersten Kindes. Insgesamt vier Kinder 1926: Einzug ins neue Haus neben der Gerberei. Ehemann Gerber und nebenbei Landwirt Landwirtschaft: sechs bis sieben Stück Vieh, Boden. Angestellte: ein Knecht, eine Magd für Feldarbeiten, eine Magd für den Haushalt. Zwischenhinein weitere Hilfskräfte Aufgabenbereich von J.K.: Haushalt (Kochen und Waschen für Familie und die Angestellten des Bau-ernbetriebes 
und der Gerberei), Kinderbetreuung und Kleintierfütterung. Mit der Eröffnung des La- dens für Schuhmacher- und Sattlerartikel zusätz- lich Bedienung im Laden Diese acht Kurzbiographien umreissen mehr oder weniger das weibliche Berufsspektrum in Liechten- stein in der Zwischenkriegszeit und vermitteln so einen ersten Einblick in den weiblichen Lebenszu- sammenhang in dieser Zeit. Der weibliche Lebens- zusammenhang war und ist durch die sich im Lau- fe des 19. Jahrhunderts durchsetzende Geschlech- terpolarisierung geprägt, die Frauen dem Innenbe- reich der Familie und Männer dem Aussenbereich des Berufes zuordnete. Die dazugehörende Ideolo- gie erklärte die Rolle der Hausfrau, Gattin und Mut- ter zum naturgegebenen Inhalt eines Frauenlebens und erhob sie gleichzeitig zur allgemeinverbind- lichen Norm.30 In der Schweiz wurde diese bürgerliche Geschlech- terideologie im Verlaufe der wirtschaftlichen und kulturellen Krise der dreissiger Jahre wieder ver- mehrt propagiert - zu einem gewichtigen Teil, um Frauen wieder stärker in die Hausfrauen-, Mutter- und Gattinnenrolle einzubinden und sie so vom an- gespannten Arbeitsmarkt fernzuhalten.31 Auch in Liechtenstein fand diese Zeitströmung ih- ren Niederschlag. So erschien beispielsweise im «Liechtensteiner Volksblatt» ab Januar 1926 regel- mässig eine Sonntagsbeilage «Für Familie, Haus und Hof», die sich vorwiegend an Frauen wandte und deren Beiträge der Verpflichtung der Frauen auf ihrer «Bestimmung» das Wort redeten. Die Bei- lage entwarf als Ideal- und Sollbild der Frau die gläubige, einfache, selbstlose, sich aufopfernde Hausfrau und Mutter, deren «stilles Wirken» im 29) Das hohe Heiratsalter der Interviewpartnerinnen ist nicht reprä- sentativ für Liechtenstein. Berechnungen nach den Ehestatistiken in den RBen (1924, 1927, 1929 und 1930 bis 1939) ergaben ein durch- schnittliches Heiratsalter von 26,5 Jahren. 30) Joris/Witzig, Frauengeschichte(n), S. 31. - Hausen, Geschlechts- charaktere. - Bock/Duden. - Berrisch, S. 12. 31) Bericht der eidg. Kommission für Frauenfragen, S. 18. 19
        

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