DER 7. NOVEMBER 1918 RUPERT OUADERER-VOGT wurde als «verfassungswidriger Gewaltstreich», «Undank gegen den Fürsten», «Staatsstreich von 2 oder 3 Männern», «Verfassungsbruch», «schwe- re Verletzung des Verfassungseides», «Komödie» u. a. m. bezeichnet.47 Man warnte auch vor Advoka- tenkünsten. Den Mitgliedern des Vollzugsausschus- ses wurde vorgeworfen, eine Kluft zwischen Fürst und Volk aufzutun und den Fürsten zu einem Schattenfürsten zu machen. Den beiden Hauptagie- renden Beck und Ritter wurde vorgeworfen, aus persönlichem Macht- und Gewinnstreben gehan- delt zu haben: «Es war eine Mache von Wenigen und nicht zuletzt zu ihren Gunsten und das Volk sollte sagen: Amen».48 Das «Volksblatt» wies aller- dings auch darauf hin, dass es Veränderungen nicht grundsätzlich ablehne. Es schlug sogar eine Verfassungsänderung in dem Sinn vor, dass der Landesverweser in Zukunft vom Fürsten im Ein- vernehmen mit dem Landtag gewählt werde und in erster Linie ein Liechtensteiner berücksichtigt wer- den sollte, wenn eine geeignete Persönlichkeit zur Verfügung stünde. Die zwei Landräte sollten nach dieser Vorstellung vom Landtag ohne Mitwirkung des Fürsten gewählt werden können.49 Man beteu- erte im «Volksblatt», ein neues, festes, modernes Staatsgebäude errichten zu wollen, vielleicht sogar «durch direkte Volksabstimmung»50. Man warnte aber vor übereilten Entscheidungen, die nicht auf der Grundlage der Verfassung gefasst wurden. Auch die Vorgangsweise in den anderen Staaten liess man nicht gelten, da diese Staaten im Gegen- satz zu Liechtenstein zusammengebrochen seien oder wie in Österreich der Kaiser ausdrücklich den einzelnen Teilstaaten das Recht gegeben habe, sich eine provisorische Regierung zu geben. All diese Voraussetzungen seien in Liechtenstein nicht gege- ben und könnten deshalb auch nicht einfach argu- mentativ übernommen werden. Während das «Volksblatt» ausführlich und mit ver- schiedenen Beiträgen («Eingesandt») mit protestie- rendem Grundton berichtete, meldeten die «Ober- rheinischen Nachrichten» am 9. November auf der Titelseite die Auflösung Österreich-Ungarns und besprachen die Waffenstillstandsbedingungen. Erst auf der zweiten Seite wurden die Beschlüsse der 
Landtagssitzung vom 7. November gemeldet, ohne den Eindruck zu erwecken, es sei etwas Besonde- res geschehen.51 Als Kommentar wurde bemerkt, dass das System der Volksregierungen in der 47) LVolksblatt 46/1918. 48) Ebenda. 49) Ebenda. 50) Ebenda. 51) ON 46/1918, 9. November 1918. Liechtensteiner-Verein von St.Gallen und Umgebung. & —w z s 'S? / , / Stellungnahme des «Liechtensteiner-Vereins von St. Gallen und Umgebung» zu den «gegenwärtigen Ereignis- sen» in Liechtenstein (9. November 1918). 201
        

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