DER 7 NOVEMBER 1918 RUPERT QUADERER-VOGT einzuberufen; bei dieser Sitzung sollte Baron von Imhof die Vertrauensfrage stellen. Nach dieser entscheidenden Unterredung bespra- chen Beck, Ritter und Walser das weitere Vorgehen. Sie vereinbarten, der Landtag solle 
am 7. November eine provisorische Regierung wählen. Ritter war als Vorsitzender vorgesehen, Wilhelm Beck und Emil Batliner aus Mauren als Regierungsräte. Es ist davon auszugehen, dass sich Wilhelm Beck und Imhof noch am 6. November abends in der Wohnung des Landesverwesers zu einer Ausspra- che trafen und das Vorgehen an der Landtagssit- zung festlegten. Dabei scheint Wilhelm Beck ge- genüber Imhof deutlich gemacht zu haben, dass eine rasche Veränderung in der Führung der Re- gierung unumgänglich sei.30 Imhof bekam zu wis- sen, dass Störungen der bevorstehenden Jubi- läumsfeier (60jähriges Regierungsjubiläum Fürst Johann II.) und «ernste Unruhen und Demonstra- tionen» zu befürchten seien.31 Albert Schädler, der bei dieser letzten Unterredung nicht mehr anwesend war, teilte dem fürstlichen Abgeordneten Kanonikus Büchel32 noch am 6. No- vember mit, «es werde bei der Sitzung am 7. No- vember jedenfalls irgend etwas geben». Am Abend des 6. November wurden die Abgeord- neten mittels «Phonogramm» zur Sitzung vom 7. November eingeladen. Eine Tagesordnung wurde in der Einladung nicht bekannt gegeben. Es hiess lediglich, es handle sich um eine «wichtige Angele- genheit». Diejenigen Abgeordneten, die nicht be- sonders informiert waren, hatten vermutlich die Auffassung, es werde die Frage der Grenzsiche- rung zur Sprache kommen, da wegen Umsturzes in Österreich wilde Gerüchte im Land kursierten, de- mobilisierte Soldaten könnten Liechtenstein über- schwemmen.33 Am 7. November trafen sich die Volksabgeordneten in einer Vorbesprechung unmittelbar vor der Land- tagssitzung - die drei fürstlichen Abgeordneten waren dazu nicht eingeladen worden - im Regie- rungsgebäude in Vaduz und es wurde ihnen «die Sache erst klar gemacht» (F. Walser) und mitgeteilt, 
der Landesverweser «müsse und werde heute ab- danken.» Begründet wurde diese Entscheidung da- mit, dass Liechtenstein sich vor dem drohenden Einbruch von Vorarlberg her schützen müsse und dazu die Hilfe der Schweiz brauche. Von Imhof als Österreicher sei nicht der geeignete Mann, mit der Schweiz zu unterhandeln. Bei dieser Vorinformation war auch Ritter anwe- send. Dieser hatte gegenüber Walser noch erklärt, wenn der Landtag nicht mitmache, dann geschehe es «ohne den Landtag, die Balzner Hessen sich nicht mehr halten, es habe sich ein Organisations- komitee der Volkspartei gegründet...und wenn der Landtag das Heft in der Hand behalten wolle, müs- se er die Regierung in die Hand nehmen». Vor Sitzungsbeginn teilte Baron Imhof Kanonikus Büchel und Albert Schädler mit, «er werde sich nicht mehr lange ärgern lassen, er werde zurück- treten». Kanonikus Büchel riet Imhof von diesem Vorhaben ab. Bei der Eröffnung der Landtagssitzung war also allen Abgeordneten klar, dass die Frage des Rück- tritts Imhofs im Zentrum stand. Nicht für alle dürfte aber klar gewesen sein, wie der Vorgang geplant worden war und wer an Stelle Imhofs die Amtsge- schäfte der Regierung führen sollte. Als wichtiges Faktum gilt es noch festzuhalten, dass der Zuhörer- raum des Landtagssaals überfüllt war, sogar «im 28) FamARh, o. N., o. 1). Kopie eines Schreibens von Albert Schädler an Ritter. Schädler beklagt sich darin, es scheine bei «gewissen Persönlichkeiten System zu sein, gegen Anstellungen von Liechten- steinern zu arbeiten». 29) Siehe dazu LLA. Strafsachen S 46/49/1919. Die im folgenden angeführten Aussagen zu den Ereignissen um den 7. November 1918 stammen aus diesen Gerichtsakten. 30) ON 48/1918; LLA N2, 10. November 1918, Bericht Imhof an Fürst. 31) Ebenda. Bericht Imhof vom 10. November 1918. 32) Johann Baptist Büchel, *1853, Abgeordneter 1890-1906 und 1918-1920, Direktor der Landesschule in Vaduz und Landesschul- kommissär. 33) Am 4. November war an der italienischen Front Waffenstillstand geschlossen worden. Am 7. November hatten um 1 Uhr morgens 23 Reichsitaliener von Tisis aus liechtensteinisches Gebiet betreten. 197
        

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