DER 7 NOVEMBER 1918 RUPERT QUADERER-VOGT DIE LANDTAGSSITZUNG VOM 7. NOVEMBER 1918 VORBEREITUNG DES STURZES IMHOFS «Die Strömungen der Jetztzeit haben gleich der Grippe vor dem Fürstentum nicht halt gemacht», schrieb Landesverweser Leopold von Imhof, seit 1914 als Nachfolger In der Maurs im Amt, am 10. November 1918 an den Fürsten.12 Er fuhr fort: «Die Schlagworte vom Selbstbestimmungsrecht, der Souveränität des Volkes und andere demokrati- sche Ideen mit stark sozialistischem Einschlag haben hier nicht bloss geschickte Vertreter, son- dern - und zwar namentlich im Oberlande - auch fruchtbaren Boden gefunden.»13 Was war geschehen? Eine kleine Personengruppe, bestehend aus Wilhelm Beck, Martin Ritter und Friedrich (Fritz) Walser, hatte vom 4. bis 7. Novem- ber 1918 den Sturz Imhofs vorbereitet. Einige kurze Erläuterungen zu den genannten Per- sonen seien angefügt: Dr. Wilhelm Beck, *1885, Triesenberger Bürger, promovierte an der Universität Zürich zum Dr. iur.; seit 1914 war Beck Landtagsabgeordneter und Zentrum und Motor der oppositionellen politischen Gruppierung, aus der im Frühjahr 1918 die christ- lich-soziale Volkspartei [die «Roten»] hervorgin- gen. Er war ebenfalls Herausgeber und Redakteur der «Oberrheinischen Nachrichten», die seit 1914 die oppositionelle Gruppierung im Landtag unter- stützte. Friedrich Walser, *1870, Schaaner Bürger, Ge- richtskanzlist, später Postmeister in Schaan, Wirt des Gasthauses Zur Post, Vorsteher, Landesschul- rat, Landtagsabgeordneter 1906-1914 und 1918 bis 1922, dann 1930-1932; 1918 Vizepräsident des Landtags. Walser hatte 1913 im Landtag einen heftigen Zusammenstoss mit Landesver- weser In der Maur wegen des «Lawena-Wasser- kraft-Projekts» gehabt. Infolge dieses Zusammen- stosses hatte In der Maur die Landtagssitzung «wegen Unwohlsein» frühzeitig verlassen müssen. 
Leopold Ludwig Ferdinand Rupert Freiherr von Imhof, *1869 in Salzburg. Er hatte in Wien und München juristische Studien absolviert und war in den Verwaltungsdiensten in Salzburg, Oberöster- reich und Tirol tätig gewesen. Er war 1914 als Nachfolger In der Maurs als Landesverweser nach Vaduz berufen worden. Zur Person von Dr. Martin Ritter, der treibenden Kraft der Ereignisse vom 7. November 1918, seien einige ausführlichere Erläuterungen erlaubt: Er wurde am 3. März 1872 in Mauren geboren als Sohn des Lehrers Franz Josef und der Aloisia, ge- borene Lingg. Er hatte vier Brüder und eine Schwe- ster. Martin Ritter besuchte das Feldkircher Staats- gymnasium. Die Matura legte er in Hall im Tirol ab und promovierte nach Studien in Innsbruck, Wien und Graz zum Dr. iur. Anschliessend war er als Rechtspraktikant in Feldkirch und Graz tätig. 1900 verheiratete er sich mit Auguste Fischer aus Graz, einer «Fabrikbesitzerstochter». 1901 war er bei einer Kanzlei in Innsbruck beschäftigt, 1902 legte er mit sehr gutem Erfolg die Advokatenprüfung ab.14 1903 bewarb er sich um eine Anstellung im Dienste des Fürsten und unterbreitete das Gesuch der Hofkanzlei in Wien. Landesverweser In der Maur erstellte einen Lebenslauf Martin Ritters zu- handen der Hofkanzlei. In der Maur äusserte sich ungünstig über Martin Ritter. Er hielt fest, dass schon der Vater sich zu sehr «um ausserhalb seines Berufes liegende Dinge gekümmert» habe und «zu Winkelzügen geneigt» sei.15 Laut In der Maur galt 11) Willi Gautschi, Der Landesstreik 1918, Zürich 1988, Seite 206. 12) LLA N2, 10. November 1918, Abschrift des Berichtes über von Imhofs Demission. 13) Ebenda. 14) lütter wurde 1906 bekannt durch seine Verteidigung der Gattenmörderin Rutthofer. 15) LLA SF Präsidialakten 1.3/1903/38, 23. Juli 1903, In der Maur an UKW. 193
        

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