in seiner bizarren Verlobungsgeschichte mit der unglücklichen Herzogin Sophie in Bayern, der Schwester der von Ludwig verehrten Kaiserin Eli- sabeth von Österreich. Berühmt wurden die Sepa- ratvorstellungen von Oper und Theater vor dem einsamen König, immer deutlicher die Exzentrik und der Persönlichkeitsverfall Ludwigs, der unter seinen homoerotischen Neigungen schwere Schuldgefühle entwickelte. Die Bauleidenschaft rui- nierte schliesslich die königlichen Finanzen und machte Ludwig politisch erpressbar - das zeigt sich an Bismarcks Geldzuwendungen aus dem Welfen- fonds; der Kaiserbrief dürfte in einem unmittelba- ren Zusammenhang mit dieser Zuwendung gestan- den haben. Seit 1884 forderte das Ministerium immer deut- licher eine Einstellung der Bauten - Johann von Lutz hat dabei gewiss auch an sein eigenes politi- sches Überleben gedacht. Schliesslich drängte das Ministerium auf eine Erklärung der Regierungsun- fähigkeit und auf eine Regentschaft. Am 8. Juni 1886 erklärte der Nervenarzt Dr. Bernhard von Gudden den König für unheilbar krank - der Mini- sterrat vollzog die Entsetzung und übertrug, da der Bruder Otto schon länger geisteskrank war, die Re- gentschaft dem nächsten Agnaten, Prinz Luitpold (1886-1912), einem Sohn Ludwigs I. Nach Schloss Berg am Starnberger See überführt, suchte der zu- tiefst aufgewühlte König die Flucht und ertränkte dabei wahrscheinlich Dr. Gudden, der ihn aufhal- ten wollte - danach hat er selbst den Tod gesucht. Der «Märchenkönig» lebte in seinem Volk weiter, das die Umstände seines Ablebens nicht recht wahrhaben wollte - für die bayerische Monarchie und ihre Stellung im neuen Reich war Ludwig II. gewiss eine problematische Erscheinung; die För- derung Richard Wagners und vor allem seine Bautätigkeit aber haben ihm gleichwohl ein Denk- mal gesetzt. Seine Gestalt regt bis heute die Phan- tasie an, vielleicht hat Ludwig II. aber auch die Dis- krepanz zwischen einem überhöhten monarchi- schen Selbstgefühl und der Realität eines zuneh- menden Demokratisierungsprozesses und der ver- lorenen Eigenstaatlichkeit Bayerns nicht verkraftet. 
PRINZREGENTENZEIT UND AUSGANG DER MONARCHIE Ludwig II. folgte nominell sein Bruder Otto. Dieser hatte 1866 im Hauptquartier Prinz Karls, 1870/71 in dem König Wilhelms von Preussen geweilt, eine schwere Belastung für den jungen Mann, bei dem frühzeitig eine Geisteskrankheit ausbrach. Er hatte dann seinen Aufenthalt auf verschiedenen Schlös- sern, zuletzt in Fürstenried bei München. Für ihn führte sein Oheim Luitpold als «Verweser des Kö- nigreichs Bayern» die Regierung. Luitpold hatte eine beachtliche Militärkarriere hinter sich, zuletzt als Generalinspekteur des bayerischen Heeres und als Generalfeldzeugmeister im Range eines Gene- ralfeldmarschalls; seit 1848 hatte er mehrfach die Könige vertreten. Luitpold stand als grossdeutscher Katholik und Gemahl einer toskanischen Habsbur- gerin in stärkerer Distanz zum liberalen Ministe- rium und seiner kleindeutschen Politik als seine beiden Vorgänger. Doch führten ihn die Ereignisse von 1886 - die vor allem von der katholischen Landtagsmehrheit kritisiert worden waren - wie- der zur liberalen Linie der Vorgänger zurück; das verstärkte Hineinwachsen Bayerns ins Reich konn- te er nur unwesentlich abbremsen; die Tendenzen zur Regierung aus dem Kabinett führte der «Prinz- regent» fort. Es zeigte sich allerdings, dass die Reichsintegration den aussenpolitischen Spielraum Bayerns nahezu völlig eingeschränkt hatte. Gerade dies aber dürfte die Regentschaft, die «Prinzregentenzeit», in der Erinnerung des Volkes zu einer goldenen Zeit Bayerns verklärt haben. Ein Grund war, «dass diese Epoche eine lange Zeit des Friedens und eine Periode wirtschaftlichen Wachs- tums, zivilisatorischen Fortschritts und kultureller Blüte war» (Dieter Albrecht). Zugleich aber verkör- perte der Prinzregent (um den sich zahlreiche Anekdoten rankten), nachdem er die Belastungen durch die Königstragödie von 1886 überwunden hatte, in vielem das alte Bayern und doch gleichzei- tig eine bessere Zukunft. Nach der bizarren Per- sönlichkeit Ludwigs II. hat der bescheidene und wohlmeinende Stil des pflichtbewussten und gross- zügigen Fürsten die Sympathien des Volkes auf sich 180
        

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