des Vaters der modernen Hygiene, Max Pettenko- fer, aber auch die Gründung der Technischen Hochschule München 1868. Auch einen Dichter- kreis versammelte der König um sich, der mit Paul Heyse, Felix Dahn und anderen stark norddeutsch geprägt war und in München schwer Fuss fasste. Ganz bewusst setzte Max II. die Bautätigkeit des Vaters in München fort, doch mit einem eigenen Stil, der dem König ein Denkmal setzte und starke neugotische Elemente verwendete - so steht der Ludwigstrasse eine Maximilianstrasse gegenüber. Neuorganisation der Lehrerbildung und Förderung der Grundschulen zeigten ein starkes Interesse an der allgemeinen Bildung. Das Begabteninstitut des «Maximilianeums», die Stiftung des Maximilians- ordens für Wissenschaft und Kunst, vor allem aber der in seiner Symbolwirkung nicht zu unterschät- zende Hofzutritt von Künstlern und Gelehrten, die Max II. gern um sich versammelte, machten seine starke Bildungsförderung deutlich. Max II. hat in Kontinuität zu Grossvater und Vater durchaus eigene Akzente gesetzt; aber es zeichnete sich doch ab, dass die Zeit eines souveränen König- reichs Bayern sich ihrem Ende näherte - trotz mancher Ansätze hat Max II. doch nicht die Dyna- mik einer sich rasch verändernden Zeit erkannt; er starb, lange kränkelnd, am 10. März 1864, ein po- pulärer König, der sich für sein Land engagierte. Das Haus Wittelsbach war praktisch die dritte Dy- nastie im Deutschen Bund nächst jenen der beiden Grossmächte; darauf verwiesen auch die Heiraten. Max I. Josefs älteste Tochter aus seiner ersten Ehe mit Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt, Augusta, hatte die Staatsräson 1806 mit dem no- blen Stiefsohn Napoleon, Eugen Beauharnais, ver- heiratet, der von 1805 bis 1812 Vizekönig von Itali- en war und nach der Katastrophe des Korsen 1817 bayerischer Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt wurde - es war eine glückliche Ehe, auch seine Kinder machten bedeutende Partien: Herzog August von Leuchtenberg heiratete 1835 Maria II. da Gloria, Königin von Portugal, Maximi- lian die Grossfürstin Maria, älteste Tochter Zar Ni- kolaus' I., Josefine König Oskar I. von Schweden, 
Eugenie Fürst Friedrich von Hohenzollern, Amelie Kaiser Pedro I. von Brasilien. Max Josefs zweite überlebende Tochter Charlotte Auguste wurde nach ihrer ersten gescheiterten Ehe mit dem Kron- prinzen und späteren König Wilhelm I. von Würt- temberg 1814 die vierte Frau Kaiser Franz' I. von Österreich, den sie lange überlebte (t 1873). Max Josefs Töchter aus seiner zweite Ehe mit der badi- schen Prinzessin Karoline Friederike Wilhelmine heirateten in die wichtigsten Herrscherhäuser des Deutschen Bundes. Elisabeth wurde 1823 die Ge- mahlin König Friedrich Wilhelms IV. von Preussen, Amalie 1822 die König Johanns I. von Sachsen, So- phie, die 1824 den problematischen österreichi- schen Thronfolger Franz Karl ehelichte, die Mutter Kaiser Franz Josephs, Maria Anna 1833 die Gattin von König Johanns Vorgänger, Friedrich August II. von Sachsen. Die jüngste überlebende Tochter Lu- dovika heiratete 1828 Herzog Maximilian in Bay- ern. Die wittelsbachischen Schwestern pflegten enge Kontakte, trieben ihre eigene diskrete Hei- ratspolitik und wurden so ein Ferment unter den deutschen Fürstenhäusern - ein nicht völlig zu un- terschätzendes Instrument wittelsbachischer Ein- flussnahme. Nicht ganz so grosse Partien machten die Töchter Ludwigs L: Mathilde wurde Grossher- zogin von Hessen-Darmstadt, Adelgunde musste als Herzogin von Modena 1859 den Sturz ihres Mannes miterleben und Hildegard heiratete Erz- herzog Albrecht, den bedeutenden österreichi- schen Feldherrn und einflussreichen Politiker - Ludwig I. war nach anfänglichem Zögern von die- ser Ehe angetan, weil Hildegard so die Schwieger- tochter von Napoleons grossem Gegner, Erzherzog Karl, wurde. Maximilian IL, mit der preussischen Prinzessin Marie verheiratet, hatte keine Töchter. Der Bruder Ludwigs I., der Generalfeldmarschall Prinz Karl, heiratete zweimal unstandesgemäss. Von Ludwigs I. Söhnen begründeten Luitpold und Adalbert eigene Linien, während König Otto von Griechenland kinderlos blieb. Max II. hatte auf den Deutschen Bund gesetzt, aber gleichzeitig das Land den geistigen Einflüssen Norddeutschlands geöffnet; auch der Zollverein 178
        

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