DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS der deutschen Einheit konfrontiert. Gut ausgebildet in Göttingen, Berlin und München, wuchs hier ein König heran, der intellektuelle Züge trug wie der Vater, aber den Blick stärker auf die Wissenschaf- ten richtete, wobei norddeutsche Gelehrte einen dauernden Einfluss gewannen. Ludwig I. hatte den Kronprinzen in Würzburg residieren lassen, um die Herzen der Franken für ihn einzunehmen. Der Regierungsantritt Max' II. stand unter dem Druck der revolutionären Forderungen - der Landtag hat- te eine starke liberale Mehrheit, die den Wähler- kreis erweiterte und liberale Forderungen durch- setzte: so die Beseitigung der Patrimonialgerichte des Adels, die dieser freilich schon zuvor zu einem grossen Teil der Kosten wegen aufgegeben hatte - der Rest der Feudallasten sollte abgelöst werden. 1861 kam es zur Trennung von Justiz und Verwal- tung. Kirchliche Forderungen nach Einschränkung der staatlichen Kirchenhoheitsrechte lehnte Max II. allerdings ab. 1861 hatte Max II. ein Sozialpro- gramm in Angriff genommen; der König erkannte durchaus die Züge der Zeit. Allerdings hatte auch Max II. noch einiges vom Herrscherbewusstsein des Vaters behalten und ge- dachte seine konstitutionellen Möglichkeiten zu nüt- zen; trotz der Ministerverantwortlichkeit behielt das königliche Kabinett seine Bedeutung - der Landtag konnte das Ministerium nicht bestimmen, entschei- dend war das Vertrauen des Königs. So blieb die Regierung Max' II. nicht frei von konstitutionellen Spannungen zum Landtag. Hatte Ludwig I. noch mühelos sein bayerisches Unabhängigkeitsbewusst- sein mit einem deutschen Patriotismus kombinieren können, so wurde seit 1848 die deutsche Frage zu- nehmend zu einem Problem - Maximilian II. wollte nicht über die Lösung des Deutschen Bundes hin- ausgehen; ihm war die 1806 gewonnene bayerische Souveränität teuer. Aber es gab 1848, vor allem in Franken, Schwaben und der Pfalz, eine starke na- tionale Strömung, die mit den Einheitsplänen des Frankfurter Paulskirchenparlaments sympathisier- te. Als Bayern am 23. April 1849 die Verfassung ab- lehnte, kriselte es in Franken und kam es zum Pfäl- zer Aufstand, der nur mit Hilfe preussischer Trup- pen niedergeschlagen werden konnte. 
Schon 1848/49 spielte die bayerische Politik mit ei- ner Zusammenfassung des «dritten Deutschland», also mit einer Relativierung der Rolle der beiden deutschen Grossmächte, die man mit der Idee ei- nes bayerischen Führungsanspruchs gegenüber den mittleren und kleineren Staaten verband. Die Trias-Idee sollte fortan eine wichtige Überlegung in der deutschen Politik Max' II. bleiben. Zunächst al- lerdings war Bayern entschieden für die Wieder- herstellung des Deutschen Bundes - der liberale Minister Ludwig von der Pfordten spielte wieder- holt mit der Trias-Idee, geriet aber immer wieder ins Fahrwasser Wiens. Bayerische Wünsche einer Unterstützung Österreichs im italienischen Krieg 1859 und eines Beitritts Wiens zum Zollverein 1862 waren ebenso erfolglos wie die Bemühungen Max' II. um eine grossdeutsch-föderalistische Bun- desreform und um den Frankfurter Fürstentag 1863, die an der Ablehnung Preussens scheiterten. Zunehmend begann sich der Schatten der energi- schen Politik Bismarcks über den Bund zu legen. Als sich 1864 im deutsch-dänischen Konflikt um Schleswig-Holstein Bayern für die Rechte des Her- zogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein-Augu- stenburg einsetzte, hatte es nicht nur Preussen, sondern auch Österreich gegen sich, das dann aber von Bismarck überspielt wurde. Der Deutsche Bund versagte als Gehäuse einer bayerischen Poli- tik zunehmend seine Dienste. Die Kulturpolitik Maximilians II. legte den Schwer- punkt auf Wissenschaft und Schulwesen. Sein star- kes Interesse für Geschichte äusserte sich nicht nur in der Berufung von bedeutenden Historikern, wie des Kleindeutschen Heinrich von Sybel, sondern auch 1858 in der Gründung der Historischen Kom- mission bei der Bayerischen Akademie der Wissen- schaften. Die Förderung des Volkskundlers Riehl, und seiner Darstellung der Landes- und Volkskun- de Bayerns (»Bavaria») und nicht zuletzt die Grün- dung des Bayerischen Nationalmuseums 1856/63 sollten den bayerischen Landespatriotismus histo- risch untermauern. Der König erkannte jedoch auch die Bedeutung der Naturwissenschaften. Als Höhepunkte unterstreichen dies die Berufung des Chemikers Justus von Liebig und die Förderung 177
        

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