DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS Strassburg führte. Erst nach dem Tode des Erben seines Bruders heiratete er 1785 die Prinzessin Au- guste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt. Als er 1795 das Erbe seines Bruders antrat, war Max Jo- sef ein Fürst ohne Land - 1796 übernahm er den Grafen Maximilian von Montgelas als Berater, der immer mehr einen bestimmenden Einfluss ge- wann; beide schmiedeten Pläne für die künftige Re- gierung Bayerns. 1799 trat Max Josef die Nachfolge Karl Theodors in Kurpfalzbayern während einer Krisensituation an; sein Vetter, Pfalzgraf Wilhelm von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen, hat- te sich als geschickter Platzhalter erwiesen, als in Bayern die verschiedensten Kräfte miteinander rangen: Max IV. Josef (seit 1799, als König 1806-1825) wurde begeistert begrüsst - ein un- komplizierter und kontaktfreudiger Mann, mit ei- ner starken persönlichen Bescheidenheit, nicht ohne Schläue, zuweilen etwas redselig, aber stets gewinnend. Max Josefund Montgelas machten sich sogleich an die Modernisierung bayerischer Staatlichkeit; sie verharrten dabei durchaus in der Kontinuität des Reformabsolutismus unter Max III. Josef und Karl Theodor. Dass die Fesseln des Reichsverbandes ge- fallen waren, erleichterte die Reformen: eine mo- dernere Ministerialverfassung, eine Steuerreform und vor allem die Verwandlung des gebundenen bäuerlichen Besitzes in freies Eigentum, das aller- dings noch nicht die Gerichtsherrschaft des Adels beseitigte. Am entscheidensten war die Säkularisa- tion der Klöster und des kirchlichen Grundbesitzes 1802/3, die sich aus der alten Kritik an der Immo- bilität der «Toten Hand» entwickelte. Dafür gab es zweifellos eine Notwendigkeit, doch die Säkularisa- tion wurde hart und kompromisslos durchgesetzt. Auch die Adelsrechte wurden mit voller Billigung des Herrschers beseitigt - erst später wurde Max Josef milder. Als Entschädigung für den verlorenen linksrheinischen Besitz und für die rechtsrheini- sche Pfalz, die an Baden ging, wurde Bayern terri- torial beträchtlich erweitert und stiess nach Schwa- ben und Franken vor: 1803 ging es um geistliche Territorien, 1805/6 kamen kleinere weltliche Terri- torien hinzu. 
Dies hing eng mit der Rheinbundpolitik Bayerns zusammen, die Montgelas betrieb und mit der Rückendeckung der bayerischen Wünsche durch das verwandte Russland. Wichtig wurde vor allem die Anlehnung an Napoleon - 1805 marschierten bayerische Truppen mit den französischen gegen Österreich. Der Sieg wurde mit dem Königstitel (1. Januar 1806) und der Souveränität belohnt; im Sommer 1806 erfolgte der Beitritt zum napoleoni- schen Rheinbund und der Austritt aus dem Reichs- verband; dabei hatte König Max Josef gezögert, die eben gewonnene Souveränität durch eine Bundes- organisation unter dem Protektorat Napoleons wie- der einschränken zu lassen, die manche Züge des alten Reiches trug. Gemeinsam mit Württemberg verhinderte Bayern auch die anfänglich sehr star- ken Bestrebungen, den Rheinbund durch ein von Napoleon zu erlassendes Fundamentalstatut stär- ker zu straffen. Allerdings nützte Bayern rasch die Chance zu inneren Reformen, die der Wegfall des konservativen Reichsrechts und der Rückhalt Na- poleons bot. Zugleich hob man die Landstände auf, die der reformabsolutistischen Monarchie ebenfalls Probleme gemacht hätten, den Weg einer bürokra- tischen Reform zu gehen. Max Josef trug diese Re- formen mit, allerdings musste ihn Montgelas im- mer wieder aufs neue gewinnen. Dabei erscheint bemerkenswert, dass dies alles im Zeichen einer schweren Finanzkrise geschah, nicht umsonst hatte Montgelas auch das Finanz- ministerium übernommen. Erste Verfassungsplä- ne wurden 1808 nicht mehr realisiert, umso wich- tiger wurde die persönliche Popularität des be- scheidenen und bürgernahen Königs als Integra- tionsfigur. 1809 erreichte das Zusammenspiel mit Napoleon einen Höhepunkt - dies bedeutete in diesem Jahr eine erneute militärische Auseinandersetzung mit Österreich; das 1805 erworbene Tirol erhob sich gegen die bayerische Herrschaft; am Ende des Krieges musste Bayern Südtirol an Napoleons Kö- nigreich Italien abgeben, erhielt dafür jedoch Salz- burg. Offensichtlich hatte München damals ver- sucht, Liechtenstein in Bayerisch-Tirol einzuverlei- ben - aber der Schutz Napoleons für die Territorien 173
        

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