Zweibrücken 1734; sein Sohn Friedrich hatte bereits sein Hausregiment Royal d'Alsace übernommen. Bedeutender war Herzog Christian IV. (1735- 1775); der hochgebildete Prinz erregte die Auf- merksamkeit des Versailler Hofes, weil er in ihm angesichts der fehlenden Erben bereits den Thron- folger in der Kurpfalz und in Kurbayern sah: 1743 wurde er sogar Thronkandidat Frankreichs in Schweden - eine engere Bindung war die Folge, die er seit 1755 durch die Konversion verstärkte, wel- che Ludwigs XV. Mätresse, Madame Pompadour, angeregt hatte. Die Konversion sollte seinen Ein- fluss in den beiden wittelsbachischen Kurfürstentü- mer befestigen und zugleich diese stärker an Frankreich binden - in Wirklichkeit war er ein «to- leranter Freigeist» (Kurt Baumann) mit ausgepräg- ten staatskirchlichen Zügen. Als tüchtiger Landes- herr mit vielseitigen, auch wirtschaftlichen Interes- sen hat Herzog Christian IV. Zweibrückens Lage wesentlich verbessert und auch dadurch die pfalz- bayerische Thronfolge seines Hauses vorbereitet. Durch seine morganatische Ehe mit der Tänzerin Marianne Camasse (nachmals nach bewährtem Muster Gräfin Forbach) hatte er keine thronfolge- fähigen Kinder. Einer seiner Söhne, Christian, zu- erst Graf Forbach, dann Freiherr von Zwei- brücken, machte eine Militärkarriere in verschie- denen Armeen, zuletzt in der bayerischen. Deshalb widmete sich Christian IV. sehr intensiv der Erzie- hung der Kinder seines jüngeren Bruders Friedrich (regierte in der Grafschaft Rappoltstein 1746- 1767). Dieser hatte seine Karriere in französischen Militärdiensten begonnen und bereitete durch sei- ne Ehe mit der Schwägerin Kurfürst Karl Theo- dors, Maria Franziska Dorothea, ebenfalls die Nachfolge seines Hauses vor - noch vor Christian IV. konvertierte er 1746, mittlerweile kurpfälzi- scher Generalissimus geworden. Offenbar sollte die Konversion die Nachfolge in der Pfalz weiter festi- gen. Bei der Firmung durch Papst Benedikt XIV. er- hielt er den zusätzlichen Namen Michael. Schliess- lich wechselte er in kaiserliche Dienste und über- nahm Anfang 1758 das Oberkommando der kaiser- lichen Reichsarmee, 1760 das Generalkommando in Ungarn und 1763 im Königreich Böhmen. 1765 
zog er sich zurück und starb bereits 1767, ein guter Haushalter, der seiner Familie ein beträchtliches Vermögen hinterliess, und ein Freund von Kunst und Wissenschaft. Seine Söhne Karl August und Max Josef verbrachten ihre Jugend am Hof des Oheims Christian IV. Karl August (1775-1795) folgte diesem 1775 - die Gewissheit hatte sich inzwischen verstärkt, dass er der Erbe Pfalzbayerns sein würde. Deshalb war er von den verschiedenen europäischen Mächten stark umworben. 1778 und später trug er unter dem Einfluss seines leitenden Ministers, des Frei- herrn Christian von Hofenfels, entscheidend dazu bei, dass die Tauschpläne Kurfürst Karl Theodors scheiterten, weil er die nötige Zustimmung als nächster Agnat verweigerte - trotz Werbungen Österreichs und Russlands. Karl August bereitete, unterstützt von Hofenfels, dann durch Ludwig von Esebeck und den jungen Montgelas, die Regie- rungsübernahme in Bayern und der Pfalz planmäs- sig vor, indem er ein Beziehungsgeflecht in diese Länder knüpfte. Er war ein toleranter und aufge- klärter Reformer, der auch sehr viel für die Künste tat. 1792 galt er sogar als Kaiserkandidat. «Jedoch waren die Schwächen dieses autokratischen Für- sten nicht zu übersehen: grenzenlose Verschwen- dungssucht, Misstrauen und Ausbrüche von Bos- heit gegenüber seinen Mitarbeitern, die die Vermu- tung einer Geisteskrankheit aufkommen liessen» (Eberhard Weis). Mit dem gewaltigen Prestigebau des Schlosses Karlsberg gab er das Vierzehnfache der jährlichen Bruttoeinkünfte des Herzogtums aus - der Staatsbankrott stand trotz französischer Sub- sidien vor der Tür. Karl August starb 1795 49jährig in Mannheim im Exil, nachdem er bereits 1793 vor den Truppen des revolutionären Frankreich ge- flüchtet war, die den Karlsberg niedergebrannt und sein Land annektiert hatten. BAYERNS ERSTE KÖNIGE Der jüngere Bruder Max Josef erhielt als nachgebo- rener Prinz früh das Regiment Royal dAlsace, als dessen Oberst er ein ungezwungenes Leben in 172
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.