und schlug 1656 den polnischen König Johann Ca- simir und seine Verbündeten vor Warschau. Dar- aufhin bildete sich eine europäische Koalition; Karl Gustav konterte die Gefahr mit einem tollkühnen Vorstoss auf Dänemarks Hauptinsel Seeland über den gefrorenen Belt. Dänemark musste 1658 seine südschvvedischen Provinzen abtreten. Schon 1659 starb der 37jährige König, der vor Korpulenz nicht mehr gehen konnte, und hinterliess Schweden in einer schwierigen Lage. Sein einziger Sohn Karl XL (1660-1697) griff nach einer langen Vormund- schaft 1675 Brandenburg an und unterlag in einem unglücklich geführten Feldzug dem Grossen Kur- fürsten; aus den nachfolgenden Turbulenzen wur- de er nur durch die Unterstützung Frankreichs be- freit, das auf ein Gleichgewicht an der Ostsee be- dacht war - der von Brandenburg mit Zähneknir- schen entgegengenommene Friede von St. Ger- main-en-Laye rettete Karl XI. aus seiner prekären Lage. In der Folge setzte der König in dem stark ständisch beherrschten, vom Adel dominierten Schweden den landesfürstlichen Absolutismus durch; den Adel suchte er durch den planmässigen Einzug entfremdeter Krongüter zu disziplinieren. Mit dieser Massnahme konsolidierte der König zu- gleich die schwedischen Staatsfinanzen. Seit 1680 wandte sich Karl XI. gegen die aggressive Aussen- politik Frankreichs - gegen den alten dänischen Ri- valen stützte er das Haus Schleswig-Holstein-Got- torp, eine jüngere Linie, und leitete damit einen ge- fährlichen Dauerkonflikt ein. Karl XI. starb schon 1697 42jährig. Mit der Einführung der weiblichen Erbfolge schloss er die Möglichkeit einer Sukzes- sion der zweibrückischen Verwandten praktisch aus - eine Möglichkeit, die gewiss manche interes- sante Perspektiven gebracht hätte, auch für das ge- samte Haus Wittelsbach. Mit Karls XI. Sohn Karl XII. (1697-1718) ging die wankende Grossmachtpolitik Schwedens auch schon wieder zu Ende. Schon 15jährig für voll- jährig erklärt, ist Karls XII. Name verbunden mit militärischer Genialität und politischem Abenteu- rertum. 18jährig forderte er die Koalition der ge- samten führenden Ostseemächte Dänemark, Polen und Russland heraus, woraus der grosse Nordische 
Krieg (1700-1721) entstand. Der junge König schlug zuerst Friedrich IV. von Dänemark, dann den aufstrebenden Zaren Peter den Grossen bei Narva und überrannte 1701 im Stil seines Grossva- ters das polnische Reich des ihm besonders ver- hassten Kurfürsten August des Starken von Sach- sen. Er besiegte ihn und erzwang seine Absetzung zugunsten des polnischen Magnaten Stanislaus Le- sczinsky. Ein Vorstoss nach Sachsen führte 1706 zum Altranstädter Frieden, in dem der sächsische Kurfürst die schwedischen Bedingungen akzeptier- te; 1707 zwang der eifrige Lutheraner auch noch dem Kaiser Religionsgarantien für die schwer be- drängten schlesischen Protestanten ab - Josef I. musste einwilligen, da sich sonst der Nordische Krieg mit dem Spanischen Erbfolgekrieg zu einem europäischen Flächen brand von verheerenden Auswirkungen zu verbinden drohte, in dem Öster- reich nur verlieren konnte. Nun stürzte sich Karl XII. auf den verbleibenden gefährlichsten Gegner, Zar Peter I.; er wollte ins Herz Russlands vorstos- sen und dem Zaren in Moskau den Frieden diktie- ren, verbündet mit dem ukrainischen Kosaken- hetman Iwan Mazeppa. Doch am 8. Juli 1709 erlitt er die katastrophale Niederlage bei Poltava in der Ukraine, die ihn sein Heer kostete. Rasch brach die schwedische Position zusammen, während Karl XII. im türkischen Exil weilte, wo er vergebens Sultan Achmed III. zum Krieg gegen Russland drängte. Er machte sich so missliebig, dass man ihn abzuschieben drohte und ihn schliesslich ge- fangensetzte. So entschloss er sich 1714 zur Heimkehr und er- reichte im November in einem Gewaltritt das schwedische Stralsund - sein Reich war in einem katastrophalen Zustand, politisch isoliert, wirt- schaftlich ruiniert, mit einem unruhigen Adel, mehrere Provinzen besetzt. Doch statt Frieden zu schliessen, provozierte er nun auch Preussen und England-Hannover, die sich ihrerseits die leichte Beute nicht entgehen lassen wollten. 1715 fiel Stralsund; nun suchte der König die feindliche Ko- alition auf diplomatischem Wege zu sprengen. Aber bei einem Angriff auf das dänische Norwegen fiel er am 11. Dezember 1718 vor der Festung Frede- 170
        

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