Friedrich II. der Grosse mit dem «Fürstenbund» erneut matt. Auch Frankreich war gegen die wit- telsbachische Schwerpunktbildung am Rhein, die ihm gefährlich werden konnte. Doch Karl Theodor hielt an dem Projekt fest; erst der Verlust der Nie- derlande und des linken Rheinufers an das revolu- tionäre Frankreich liess es obsolet werden. Die «grosspfälzischen» Pläne bedeuteten eine Konzep- tion, die die Geschichte des Hauses Bayern in eine ganz andere Richtung gelenkt hätte. Schliesslich setzte sich die «grossbayerische» Lösung König Max I. Josefs und seines Ministers Montgelas durch. Unter solchen Umständen war Karl Theodors Stel- lung in München prekär; die Landstände wurden Träger eines vom Fürsten losgelösten Landespa- triotismus. Sie stellten sich auch den absolutisti- schen Bestrebungen des Kurfürsten entgegen; sei- ne kritische Finanzlage liess alle Versuche schei- tern, sie zu entmachten. Mit Karl Theodor verband sich eine ganze Reihe von Reformen, die von der Aufklärung geprägt waren und teilweise auf Pfälzer Vorbilder zurückgingen - unverkennbar war je- doch auch die Kontinuität zu den Reformen Max III. Josefs, es waren ja die gleichen Männer, die bei- den dienten: Verbesserung von Verwaltung und Ju- stiz, Förderung der Landwirtschaft und Schulen. Freilich waren wirtschaftliche Reformen in einem Staatswesen, das vom Inn bis zum Niederrhein reichte, ein schwieriges Problem. Die fehlende Härte des Kurfürsten förderte immer wieder Hofintrigen. Dazu zählte auch der Fall des «Illuminatenordens», einer Gruppierung radikaler Reformer, die sich nach dem Vorbild der Freimau- rer organisierten und den zögernden Kurfürsten vorwärtstreiben wollten; radikale Formulierungen und eine wichtigtuerische Geheimniskrämerei lö- sten die Illuminatenverfolgungen aus; sie trieben den frommen und ängstlichen Kurfürsten in die Nähe konservativer Hofkreise. Auch wenn sich am Ende die Reformtendenzen abschwächten, sind die Verdienste Karl Theodors als Mäzen von Kunst und Wissenschaft unverkennbar. Die kurpfälzische Re- sidenzstadt Mannheim hat er ausgestaltet und dort 1758 die Kunstakademie, 1763 die kurpfälzische 
Akademie der Wissenschaften, 1775 die «Deutsche Gesellschaft», 1778 das deutsche Nationaltheater gegründet. So wurde Mannheims Ruf auch durch die Residenzverlegung nach München nicht be- schädigt; auch für Heidelberg, Frankenthal und die unter Karl Philipp etwas vernachlässigten nieder- rheinischen Lande tat Karl Theodor vieles; in Kai- serslautern gründete er 1774 eine Kameralhoch- schule, die 1784 in die Universität Heidelberg ein- gegliedert wurde. Auch in München erfuhren Thea- ter und Musik einen Aufschwung. Karl Theodor liess den Englischen Garten anlegen und die Stadt erweitern. Zugleich aber begann sich das Bürger- tum vom Hof zu lösen. Der fromme Katholik führte die staatskirchliche Politik seines Vorgängers Max III. Josef weiter und suchte ebenfalls barocke volkstümliche Frömmig- keitsformen zu reduzieren. Im Gegensatz zu den starken episkopalistisch-nationalkirchlichen Ten- denzen im Reich arbeitete Karl Theodor eng mit der römischen Kurie zusammen; dies wurde 1782 durch den Besuch Papst Pius' VI. am Hof in Mün- chen unterstrichen. Nicht nur eine verstärkte Be- steuerung des Klerus, sondern auch erste Ansätze zu Säkularisationsplänen vollzogen sich unter päpstlicher Rückendeckung. Dass Karl Theodor die Gründung eines exemten Hofbistums in München durchsetzte, löste 1786 die Emser Punktation des deutschen Episkopats aus, eine antipäpstliche De- monstration nationalkirchlichen Selbstbewusst- seins. In den französischen Revolutionskriegen hatte der Kurfürst auf Neutralität gedrängt - nicht zuletzt an- gesichts der exponierten Lage seiner rheinischen Lande und angesichts des schlechten Zustands der bayerischen Finanzen. Die aufmarschierte kaiser- liche Armee verstärkte die Abhängigkeit von Öster- reich. In die gleiche Richtung wies auch die zweite Ehe des 71jährigen Karl Theodor mit der 19jähri- gen Erzherzogin Leopoldine, die freilich abermals nicht den erhofften Thronerben und damit den Ausschluss der Karl Theodor entfremdeten Zwei- brücker Neffen brachte. Leopoldine, verbittert über die Verheiratung aus Staatsräson, wurde in Mün- chen zu einer entschiedenen Gegnerin der Wiener 168
        

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