DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS des wiedererstarkenden Österreich wurde ein ein- ziger wittelsbachischer Familienfideikommiss ge- schaffen. Max' III. Josef Pfälzer Partner war Kurfürst Karl Theodor (1733/41 bzw. 1742-1799, 1777 auch Kurfürst von Bayern), dessen Nachfolge der alte Karl Philipp so energisch betrieben hatte. Mit dem Haus Pfalz-Sulzbach war bereits Pfalzgraf Christian August (1632/1640-1708) 1656 zur alten Kirche übergegangen - offenkundig unter dem Eindruck der damaligen Kinderlosigkeit des Pfalzgrafen Phi- lipp Wilhelm von Neuburg. Christian Augusts Sulz- bacher Hof war ein wichtiges intellektuelles Zen- trum, mit starken Neigungen zu den «Geheimwis- senschaften». Sein Enkel Erbprinz Josef Karl heira- tete Karl Philipps einzige Tochter - aus dieser Ehe gingen keine Söhne, wohl aber die drei berühmten «Sulzbacher Schwestern» hervor; so kam die Erb- folge an den jüngeren Bruder Johann Christian (1732-1733), dann an dessen Sohn Karl Theodor, der 1741 die Regierung in Sulzbach, 1742 in der Kurpfalz antrat. Die Ehen Karl Theodors von der Pfalz, des Herzogs Clemens von Bayern, eines Vet- tern Max Josefs, und des Pfalzgrafen Friedrich Michael von Zweibrücken mit den «Sulzbacher Schwestern» verknüpften die überlebenden Wittel- bacher Linien. Karl Theodor war ein sehr gebilde- ter, intelligenter und kunstsinniger Mann - aber ihm fehlte es an Selbständigkeit und Energie. In der Förderung der Pfälzer Katholiken agierte er ge- schickter und elastischer als seine Vorgänger - aber er vermochte sich trotz einer ganzen Reihe von Reformen in der Pfalz nicht gegen das verkru- stete oligarchisierte Beamtentum durchzusetzen. Unerfahren in die schwierige Situation des Öster- reichischen Erbfolgekriegs gestürzt, hielt Karl Theodor an der Bindung an Frankreich fest, wie sie Karl Philipp geknüpft hatte; auch im Frieden führte er die Anlehnung an Frankreich und Preussen mit leichten antihabsburgischen Nadelstichen fort. Als 1756 mit dem Renversement des alltances zwi- schen Österreich und Frankreich der Freiraum der süddeutschen Fürsten kollabierte, hielt Karl Theo- dor die Verbindungen nach Berlin und Versailles fest. Er stand immer wieder im Zentrum antihabs-burgischer 
Kaiserprojekte, doch war er zu vorsich- tig, um ein solches Risiko einzugehen. Dahinter stand aber auch das Problem der bevorstehenden bayerischen Erbfolge, für die er sich durch die Ab- machungen mit Max III. Josef von Bayern abzusi- chern gedachte. Doch bereits 1777 hatte er Ver- handlungen mit Wien über österreichische Kom- pensationsforderungen eröffnet, als am 30. Dezem- ber überraschend Max III. Josef in München an den Pocken starb. Nun nötigte Österreich dem Ge- sandten Karl Theodors geschickt einen ungünsti- gen Vertrag auf - Österreich sollte das frühere Für- stentum Bayern-Straubing und die schwäbische Herrschaft Mindelheim erhalten, doch darüber hin- aus war ein Spiel mit grossangelegten Tauschplä- nen eröffnet. Österreich nahm sich rasch seine Faustpfänder, Karl Theodor dachte an den Erwerb Belgiens durch Tausch gegen Bayern mit dem Ziel eines rheinischen Zwischenreiches in lotharingi- scher oder burgundischer Tradition, das zugleich die alten wittelsbachischen Königsträume realisie- ren konnte. Josef II. dagegen versuchte den Preis zu drücken, bot nur Teile Belgiens oder andere Alternativen, wie das eben durch die Erste Polnische Teilung er- worbene Galizien, an. Karl Theodor blieb hart, doch der feinnervige Mann war nicht die Spielerna- tur, um ein solches Tauziehen durchzustehen. Hin- zu kam die bayerisch-patriotische Opposition ge- gen den Tauschplan, die auf den nervenschwachen Fürsten umso stärker wirkte, als dieser hausge- setzgemäss in München Residenz nahm. Ferner kam es zu rüden Pressionen der österreichischen Diplomaten. Vor allem aber verweigerte, unter dem Einfluss von Karl Theodors Schwägerin Maria Anna, der «Herzogin Clemens», Herzog Karl Au- gust von Zweibrücken seine Zustimmung als näch- ster Agnat und brachte die Angelegenheit vor den Reichstag. Preussen griff ein und es kam, in Nord- böhmen geführt, zum Bayerischen Erbfolgekrieg und 1779 unter französischer und russischer Ver- mittlung zum Teschener Frieden, in dem Öster- reich allein das Innviertel erwerben konnte. Karl Theodor gab seine «grosspfälzischen» Tauschpläne ebensowenig auf wie Josef II. - 1785 setzte sie 167
        

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