der Tochter des vorletzten Herzogs begründet, auf die niederrheinischen Herzogtümer Jülich-Kleve- Berg mit ihren Nebenländern erhob und zeitlebens verfolgte. Die brüske Ablehnung seines Anspruchs auf eine Vormundschaft in der Kurpfalz 1602/03 und 1610 signalisierte auch schon die spätere Un- terstützung der Heidelberger Wittelsbacher für den brandenburgischen Konkurrenten im Tauziehen um das Jülicher Erbe; politische Opportunität stand also über der dynastischen Solidarität. Die kriegerischen Auseinandersetzungen um Jülich im Jahre 1610 endeten mit einem Patt; im Xantener Vertrag von 1614 kam es zu einer provisorischen Teilung: Kurbrandenburg erhielt Kleve mit Mark, Pfalz-Neuburg Jülich und Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf. Unter diesen Vorzeichen vollzog sich die Annäherung von Philipp Ludwigs intelligentem Sohn Wolfgang Wilhelm an Bayern und schliesslich seine Konversion zum katholischen Glauben 1613 und die Heirat mit Maximilian von Bayerns Schwe- ster Magdalena, Ereignisse die der alte Philipp Ludwig mit Entsetzen sah. Zuerst vorsichtig, dann energisch nahm Wolfgang Wilhelm (1614-1653) die Katholisierung Neuburgs in Angriff, der sich allerdings seine Brüder in ihren Apanageterritorien, vor allem Pfalzgraf August von Sulzbach (1615-1632), entzogen. Vom Zusammen- gehen mit dem bayerischen Schwager sah sich Wolfgang Wilhelm enttäuscht, als dieser Herzog Maximilian I. die Pfälzer Kurwürde und die Ober- pfalz an sich brachte, für die er sich selbst als nächster Agnat qualifiziert erachtete. So verlegte er seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Düsseldorf und wechselte in eine Neutralitätspolitik, die auch von der exponierten Lage der niederrheinischen Länder her bestimmt war. Diese Politik des klugen Fürsten sollte sich begrenzt auszahlen - immerhin konnte er 1643 einen kurbrandenburgischen An- griff abwehren, musste aber, anders als in Neu- burg, die konfessionelle Gemengelage in den nie- derrheinischen Herzogtümern akzeptieren. Konse- quent wurde er ein energischer Verfechter aller Friedenspläne; gleichwohl konnte er 1651 einen neuen Waffengang mit Kurbrandenburg am Nie- derrhein nicht vermeiden, den sogenannten «Düs-seldorfer 
Kuhkrieg». Seine Absicherungspolitik schloss eine zeitweilige Annäherung an Frankreich und Bayern ein. Nicht unterbinden konnten Wolf- gang Wilhelm die lutherische Haltung seines Sulz- bacher Bruders bzw. Neffen - 1652 wurde die Sulz- bacher Religionsfrage im Kölner Vertrag durch die Einführung eines Simultaneums gelöst; Sulzbach hatte eine gewisse Selbständigkeit erreicht. Der Nachfolger Philipp Wilhelm (1653-1690, 1685 Kurfürst von der Pfalz) war, wie sein Vater, ein Mei- ster der Taktik - er lehnte sich zunächst stark an die Bündnisprojekte des Mainzer Kurfürsten Jo- hann Philipp von Schönborn an. Dies brachte ihn in nähere Beziehung zu Ludwig XIV, der ihn 1657 auch zeitweilig als Kaiserkandidaten präsentieren wollte. Er hatte als Gemahl einer Tochter des polni- schen Wasakönigs Wladyslaw IV. auch polnische Königspläne; ihretwegen führte er am Niederrhein den Ausgleich mit Kurbrandenburg herbei (1666/72). Angesichts des wachsenden französi- schen Drucks auf die deutschen Westgrenzen schloss sich Philipp Wilhelm 1674 dem Kaiser an - 1676 heiratete Leopold I. seine Tochter Eleonore, was dem klugen Pfalzgrafen einen beträchtlichen Einfluss am Wiener Hof eröffnete. Pfalz-Neuburg wurde lange Zeit zum reichspolitisch wichtigsten Partner des Kaiserhauses; mangels habsburgischer Prinzen konnte das Haus Neuburg sogar in eine Stellvertreterposition aufrücken. Damit hing vor al- lem seine erfolgreiche Reichskirchenpolitik zusam- men, die zeitweilig die bayerische übertraf; nicht weniger als vier Söhne Philipp Ludwigs nahmen Schlüsselpositionen in der Reichskirche ein. Die Krönung stellte die Karriere Franz Ludwigs dar, der nacheinander Fürstbischof von Breslau, Fürst- probst von Ellwangen, Fürstbischof von Worms, Hoch- und Deutschmeister, dann 1710 Koadjutor von Mainz, 1716 Kurfürst von Trier wurde, das er 1729 aufgab, um zum Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Kurerzkanzler der Reiches, aufsteigen zu können (f 1732). Auch die Töchter machten glanzvolle Partien - da die Mutter 17 Kindern das Leben geschenkt hatte, galten sie als besonders fruchtbar. Neben der Kaiserin Eleonore wurden 164
        

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