misch-deutschen Kaiser gewählt. Die Folge waren die österreichische Okkupation Bayerns und Karls VII. Exil in Frankfurt, als Kostgänger Frankreichs, abhängig von den Waffenerfolgen Friedrichs II. des Grossen. Es wurde nun klar, dass es entweder ein habsburgisches oder gar kein Kaisertum geben würde. Doch aus dem dynastischen Denken des Hauses Wittelsbach war Karls VII. Griff nach der Kaiserkrone fast logisch - ihm war der Gedanke unerträglich, dass das Haus Lothringen jetzt die Kaiserwürde antreten könnte. Der bereits schwer gichtkranke Karl VII. verstarb am 23. Oktober 1745. Sein Tod beendete ein gescheitertes Experi- ment, dem der persönlich freundliche und liebens- würdige Kaiser nicht gewachsen war. Es half nichts, dass er fleissig den Staatsgeschäften nach- ging. Die Schuldenlast, die eine volle Entfaltung des Absolutismus verhinderte, war weiter angestiegen. Der Nachfolger, Kurfürst Max III. Josef (1745- 1777), obwohl gleichfalls vom Glanz seiner Dyna- stie durchdrungen, hatte keine andere Möglichkeit als den Krieg mit dem wiedererstarkten Österreich zu beenden und am 23. April 1745 den Frieden von Füssen zu schliessen, in dem er alle Ansprüche aufgab. DIE PFALZ UNTER DEM REFORMIERTEN HAUS SIMMERN UND DEM KATHOLISCHEN HAUS NEURURG Inzwischen aber hatte sich der scharfe Gegensatz von Pfälzer und bayerischen Wittelsbachern zunächst abgeschwächt, dann sogar in eine enge Kooperation verwandelt. Dazwischen lagen be- achtliche Veränderungen in der Kurpfalz. Die Fa- milie des «Winterkönigs» hatte sich im Haager Exil unterschiedlich entwickelt - unter seinen Kindern gab es ganz unterschiedliche Lebensläufe. Zwei Töchter wurden Äbtissin: die hochgelehrte Elisa- beth eine reformierte in Herford, die Konvertitin Luise Hollandine eine katholische im französischen Maubuisson. Die farbigste Figur unter den Söhnen war Ruprecht «der Kavalier», Herzog von Cumber- land (t 1683), der für seinen Onkel, den Stuartkö-nig 
Karl I. von England, kämpfte und nach der Re- stauration der Monarchie 1660 noch eine bedeu- tende Karriere in königlichen Diensten machte - als Admiral und General und sogar als Gouverneur der Hudson Bay, wo er die berühmte Kompanie be- gründete und förderte. Friedrich V. war 1632 ge- storben; für den minderjährigen Kurprinzen Karl Ludwig führte Friedrichs Bruder Pfalzgraf Ludwig Philipp (1610/20-1655), der durch das väterliche Testament ein eigenes Fürstentum Pfalz-Simmern- Lautern erhalten hatte, während der Zeit der schwedischen Okkupation die Vormundschaft - und bezahlte dies 1635 mit dem Ausschluss aus dem Prager Frieden. Kurfürst Karl Ludwig kehrte 1649 nach Heidelberg zurück, in ein Territorium, das nicht nur die Ober- pfalz und die Mainzer Pfandämter an der Bergs- trasse verloren hatte, sondern auch aufs schwerste zerstört war. Als Entschädigung hatte er eine achte Kur mit dem Erzschatzmeisteramt erhalten. Mit der Zurücksetzung der Kurpfalz vermochte sich der Kurfürst schwer abzufinden - und betrieb heftige Auseinandersetzungen um ungeklärte Rechtstitel. Der «Wildfangstreit» 1663/67 führte sogar an den Rand des Krieges mit Kurmainz; dem bayerischen Gesandten Oexl warf er 1658 im Streit um das Reichsvikariat ein Tintenfass an den Kopf. Sogar den eigenen Onkel Ludwig Philipp brachten seine Ansprüche unter erheblichen territorialen Druck. Die bedeutendste Leistung Karl Ludwigs lag im Wiederaufbau der Kurpfalz - seine Peuplierungs- massnahmen (Ansiedlungspolitik) führten ihn auch zu einer bemerkenswerten Toleranz gegenüber an- deren Konfessionen, auch gegen die Katholiken. Selbst sparsam, engagierte er sich für Wirtschaft und Kultur, wobei seine niederländischen und eng- lischen Erfahrungen überaus nützlich waren. Auch die Universität Heidelberg stärkte er durch seine Förderungsmassnahmen und seine geschickte Berufungspolitik. Karl Ludwig aber musste wegen der exponierten Lage der Kurpfalz einen Ausgleich mit Frankreich suchen; in diesem Sinne heiratete seine Tochter Elisabeth Charlotte 1671 den Bruder König Lud- wigs XIV. von Frankreich, Herzog Philipp von Or- 162
        

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