staltete - und er stand in den katholischen Fröm- migkeitstraditionen seines Hauses. Als bedeuten- der Feldherr stürzte er sich furchtlos ins Schlach- tengetümmel, aber ähnlich handelte er auch in der Politik, eine Spielernatur, die alles riskierte, beflü- gelt vom alten Königstraum der Wittelsbacher. Geschickt nützte Leopold I. einen Besuch des bayerischen Wallfahrtorts Altötting, um die Versöh- nung einzuleiten; 1683 schloss der Kurfürst eine Defensivallianz mit dem Kaiser gegen Türken und Franzosen. 1685 kam auch die Ehe Max Emanuels mit der Kaisertochter Maria Antonia, dem einzigen Kind Leopolds I. aus seiner Verbindung mit der spanischen Infantin Margarita Theresia zustande; Maria Antonias Verzicht auf das Erbe ausser den Niederlanden eröffneten keine besonderen Aus- sichten. 1683 hatte Max Emanuel entscheidend am kaiserlichen Sieg bei Wien mitgewirkt und verharr- te auch nach dem Zerfall der Allianz im kaiser- lichen Lager - er hatte so massgeblichen Anteil am Siegeszug der kaiserlichen Armeen nach Südost- europa, mit der Belagerung und Eroberung Bel- grads 1687 als Höhepunkt, die Max Emanuels be- deutendster Erfolg waren. Der Angriff Ludwigs XIV. auf die Kurpfalz, die französische Politik ge- genüber einer bayerischen Nachfolge in Kurköln immunisierten den bayerischen Kurfürsten gegen die heftig einsetzenden französischen Werbungen. In der Tat kam mit seinem Bruder Josef Clemens 1688 wieder ein Wittelsbacher auf den Kölner Erz- stuhl. Daneben wurde er 1684-1694 Bischof von Freising, 1684 von Regensburg, 1694 von Lüttich und 1714 von Hildesheim (t 1723). 1691 entschied sich Max Emanuel mit seinem Beitritt zur Grossen Allianz erneut für den Kaiser. Dies trug ihm 1691 die Generalstatthalterschaft der spanischen Niederlande in Brüssel ein; dort nahm er seit 1692 seine Residenz, unterstützte die anti- französische Koalition und hing seinen Königsträu- men nach. Als Statthalter hatte er seine Probleme mit den komplizierten Parteibildungen in den Nie- derlanden, doch tat sich eine grosse Chance auf. Schon lange feilschten Österreich und Frankreich um das spanische Erbe; doch zunehmend rückte der kleine Sohn Max Emanuels, Josef Ferdinand, in 
eine Favoritenrolle - eine dritte Lösung, die die Tei- lung des spanischen Reiches verhindern konnte, zumal der Erbverzicht Maria Antonias nach spani- schem Recht ungültig war. Angesichts der spani- schen Perspektiven entzog sich Max Emanuel 1697 auch Werbungen um eine polnische Königskandi- datur, obgleich er seit 1695 in zweiter Ehe mit der Tochter Therese Kunigunde des polnischen Königs Johann III. Sobieski verheiratet war - zu ver- lockend waren die spanischen Aussichten. 1698 er- klärte König Karl II. von Spanien tatsächlich den kleinen Josef Ferdinand von Bayern zum Universa- lerben - ein glanzvoller Höhepunkt der Wittelsba- cher schien bevorzustehen, der ihnen einen hohen Rang unter den Herrschern Europas gesichert hät- te. Aber schon am 6. Februar 1699 zerstörte der plötzliche Tod des siebenjährigen Kurprinzen alle wittelsbachischen Hoffnungen - der Spanische Erbfolgekrieg wurde nach 1700 zwischen den österreichischen und den französischen An- sprüchen ausgefochten. Hier sah Max Emanuel erneut seine Chance - lange versuchte er in zweiseitigen Verhandlungen mit Österreich und Frankreich den Preis hochzutrei- ben, wobei es ihm um Territorialgewinne und Kö- nigskrone ging. Es war ihm schwer erträglich, dass Kursachsen und Kurbrandenburg durch die polni- sche bzw. preussische Königskrone an den Wittels- bachern vorbeigezogen waren und sich das Haus Hannover anschickte, mit England das gleiche zu tun. Folglich machte Frankreich durch seine grös- seren Angebote das Rennen. 1703 fiel Max Emanu- el in Tirol ein, doch die Erhebung das Landes er- zwang seinen Rückzug - nach anfänglicher Kon- trolle Süddeutschlands erfolgte am 13. August 1704 die endgültige Katastrophe durch den Sieg der ver- einigten Armeen des Prinzen Eugen und des briti- schen Herzogs von Marlborough bei Höchstädt. Brüssel wurde für Max Emanuel nun zum Exil. Die Kurfürstin Therese Kunigunde, als Regentin autori- siert, schloss einen Waffenstillstand, aber Kaiser Josef I. liess 1705 dann doch das Land besetzen. Dagegen kam es zu einem Volksaufstand, den die Österreicher mit grosser Härte niederschlugen - der exilierte Kurfürst hatte wenig Verständnis für 160
        

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