DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS anders als die katholischen Maximalisten, ent- schlossen, auf dem Friedenskongress Konzessio- nen zu machen; umso mehr verfocht er jedoch sei- ne Hauptziele: die Behauptung der Kurwürde und der Oberpfalz. Die Pfälzer Frage wurde zu einem der schwierigsten Probleme der Friedensverhand- lungen, doch Maximilian erreichte sein Ziel, da für den zu restituierenden Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz eine neue, die achte, Kurwürde geschaf- fen wurde. Maximilian konnte die vierte Kur und die Oberpfalz behalten. Damit wurde das Überge- wicht der bayerischen über die pfälzischen Wittels- bacher und deren Verdrängung aus dem bayeri- schen Raum festgeschrieben. Allerdings brachte der Friede auch die territoriale Konsolidierung Österreichs, das auf dieser Grundlage Bayern end- gültig hinter sich lassen konnte. Ein schwer zer- störtes Land war der Preis für den Triumph Bayerns. DIE BAYERISCHEN KURFÜRSTEN DER RAROCKZEIT IN DER EUROPÄISCHEN POLITIK Der Kurprinz Ferdinand Maria wurde erst sehr spät geboren, so setzte sein Vetter, der Kardinal Franz Wilhelm von Wartenberg, der Sohn Herzog Ferdinands und der Maria Pettenbeck, 1625 Bi- schof von Osnabrück, 1629 von Minden, 1630 von Verden und 1649 nach dem Verlust von Minden und Verden Bischof von Regensburg, die bayeri- sche Bistumspolitik fort und wurde zu einer zentra- len Gestalt der katholischen Restaurationsversuche in Nordwestdeutschland (t 1661). Noch wichtiger wurden die Söhne von Maximilians Bruder Alb- recht VI., der die Landgrafschaft Leuchtenberg er- heiratet hatte: Maximilian Heinrich folgte 1650 Ferdinand in Köln und seinen Nebenbistümern Hil- desheim und Lüttich und gewann 1683 auch noch Münster hinzu (t 1688), während sich sein Bruder Albrecht Sigmund mit den Hausbistümern Freising (1657) und Regensburg (1668) begnügte (t 1685). Kurfürst Ferdinand Maria (1651-1679), zunächst unter der Vormundschaft der habsburgischen Mut-ter, 
heiratete die Prinzessin Henriette Adelaide von Savoyen, die italienischen und französischen kultu- rellen Einflüssen in München Tür und Tor öffnete. Ferdinand Maria setzte auch unter dem Einfluss der Mutter zunächst die prokaiserliche Politik fort; als 1654 der römische König Ferdinand IV. starb, brachte Frankreich eine Kaiserkandidatur Ferdin- and Marias ins Spiel, doch der Bayer schreckte vor dem Risiko zurück. 1658 wurde Leopold I. gewählt. In der Politik Ferdinand Marias spielten Überle- gungen eine Rolle, ein Gegengewicht gegen das er- starkende Wien zu schaffen, das sich zudem mehr und mehr auf das verwandte Haus Pfalz-Neuburg stütze. Hinzu kamen Hoffnungen auf ein baldiges Aussterben der Habsburger, bei dem Ferdinand Maria bayerische Ansprüche anzumelden gedach- te. Daraus folgte eine Anlehnung Bayerns an Frankreich, für die Ferdinand Marias Vizekanzler Kaspar von Schmid stand und die der österreichi- schen Reichspolitik erhebliche Probleme bereitete. Ferdinand Maria war ein nüchterner und energi- scher Herrscher, dessen Handschrift der Landes- aufbau nach 1648 trug - doch stand daneben auch eine repräsentative Bautätigkeit, die die Freude an modernen architektonischen Formen spiegelte: er- innert sei an die Theatinerkirche und die ersten Planungen von Nymphenburg. Dem Tode Ferdinand Marias 1679 folgte ein Kurs- wechsel - sein jüngerer Bruder Maximilian Philipp (t 1706) hat als Vormund im Einvernehmen mit dem Thronfolger Max Emanuel die glanzvolle Hochzeit der Prinzessin Maria Anna Christine Vik- toria mit dem Sohn des Sonnenkönigs, dem Dau- phin Ludwig, arrangiert, aber die Ergänzung durch eine zweite französisch-bayerische Hochzeit des Kurfürsten kam nicht zustande; der Regent wollte Max Emanuel die Optionen offenhalten. Seit der Geburt der Söhne Kaiser Leopolds I. gab es auch keine bayerischen Hoffnungen auf das österreichi- sche Erbe mehr. Ein übriges tat die rigorose Reu- nionspolitik Ludwigs XIV. im Westen. So setzte der neue Kurfürst Max Emanuel auf Österreich. Er war durchdrungen vom Glanz seines Hauses, ein Mann der grossen Repräsentation, ein engagierter Bau- herr, der Nymphenburg und Schieissheim ausge- 159
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.