Habsburger gerieten angesichts einer sich ausbrei- tenden erbländischen Ständerevolte rasch in schwere Bedrängnis. Doch es zeigte sich, dass der Pfälzer nicht die erhoffte Unterstützung fand, als ihn die böhmische Ständeopposition zum König er- hob - man misstraute auch in evangelischen Krei- sen dem Bruch der Fürstensolidarität, dem Zusam- mengehen mit dem aufständischen Adel Böhmens. Am 3. Juni 1620 erklärte sich die Union für neutral, während Maximilian die Kräfte der Liga dem be- drohten kaiserlichen Vetter Ferdinand II. zuführte. Im Sommer 1620 besetzten bayerische Truppen das unruhige Oberösterreich; danach stiess der bayerische Feldherr Tilly direkt auf Prag vor und erfocht dort am 8. November 1620 den glanzvollen Sieg am Weissen Berg über das pfälzisch-böhmi- sche Heer. Kurfürst-König Friedrich musste fliehen und in den Haag ins Exil gehen, fortan spöttisch der «Winterkönig» genannt. 1621 drangen spanische Truppen in die linksrhei- nische Pfalz ein; Tilly besetzte nach dem Weissen Berg zunächst die Oberpfalz, dann die rechtsrhei- nische Unterpfalz mit Heidelberg; beide Mächte lei- teten für ihr Besatzungsgebiet eine Rekatholisie- rung ein, die für die Oberpfalz dauerhaft blieb. Ent- gegen seinen eigenen Wünschen musste Maximili- an I. dem Drängen des Papstes nachgeben und ihm die Heidelberger Bibliothek, die berühmte «Palati- na», überlassen, die er eigentlich als wittelsbachi- schen Besitz empfand. Nun forderte er auch die kaiserlichen Zusagen ein. 1623 musste Ferdi- nand II. die Belehnung mit der Pfälzer Kur zugeste- hen, zunächst nur auf Lebenszeit, 1628 auch die Belehnung mit der Oberpfalz und der rechtsrheini- schen Unterpfalz gegen Erlass der kaiserlichen Kriegsschulden und gegen Rückgabe Oberöster- reichs. Das Ausmass der bayerischen Beute sollte ein wichtiger Anlass zur Verlängerung des Krieges werden, denn der exilierte Kurfürst war zu tief in das europäische Beziehungsnetz verwoben, als dass sich das Ganze problemlos behaupten liess. Da half nichts, dass Maximilians Politik jetzt defensivere Züge annahm. Zunächst allerdings hatte er das kon- kurrierende, nun auch konfessionell entgegenge- setzte Pfälzer Haus in die zweite Linie gedrängt. 
Zudem schuf sich Kaiser Ferdinand II. nun durch Wallenstein ein eigenes Heer, das ihn aus seiner bisherigen Abhängigkeit von Bayern löste - Maxi- milian verfolgte Wallensteins Aktivitäten mit gros- sem Argwohn. 1629 begrüsste der Bayernherzog die entschiedene Auslegung des Augsburger Reli- gionsfriedens im katholischen Sinne durch das Re- stitutionsedikt, gleichzeitig überliess er aber dem Kaiser die volle Verantwortung. Erstmalig streckte er, um ein Gegengewicht gegen die habsburgische Übermacht zu finden, die Fühler nach Frankreich aus, andererseits gelang ihm 1630 auf dem Re- gensburger Kurfürstentag der Sturz Wallensteins, ohne dass der Kaiser die erhoffte Römische Königs- wahl Ferdinands III. erreichte - dafür bekam auch Maximilian nicht die erhoffte Nachfolge Wallen- steins im Generalat. Die schwedische Invasion unter Gustav Adolf stürz- te alles um. Das Ligaheer wurde wiederholt ge- schlagen, Tilly wurde bei Rain am Lech am 15. April 1632 tödlich verwundet, als er vergeblich Gustav Adolfs Offensive gegen Bayern abwehren wollte - am 16. Mai zog der Schwedenkönig in Be- gleitung Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz in München ein; Bayern erlebte alle Schrecken des Krieges, die 1633/34 sogar zu einem Bauernauf- stand in Oberbayern geführt hatten. Erst 1635 kehrte der geflüchtete Kurfürst wieder nach Mün- chen zurück. Unterdessen war auch die Unterpfalz von den Schweden besetzt worden. Erst die schwe- dische Katastrophe in der Nördlinger Schlacht im September 1634 entlastete Bayern, das gleichwohl seine alte Position nicht mehr erreichte. Im Prager Frieden von 1635, dem Versuch, das Reich gegen seine auswärtigen Gegner zu einen, musste Maxi- milian zwar der Auflösung der Liga zustimmen, be- kam aber seine Erwerbungen bestätigt und wurde gemeinsam mit Kursachsen der wichtigste Junior- partner des Kaisers. Erst der Kriegseintritt Frank- reichs im gleichen Jahr erhöhte Bayerns Hand- lungsspielraum wieder ein wenig - doch war das Land in den letzten Kriegsjahren schutzlos den fremden Truppen ausgeliefert. So wurde auch Ma- ximilian sehr friedensbereit, wobei er versuchte, mit Frankreich ins Gespräch zu kommen - er war, 158
        

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