erhob er Kopenhagen zur Hauptstadt. Sein kinder- loser Tod 1448 verhinderte eine erste nordische Dynastiegründung der Wittelsbacher. Es blieb je- doch die Dominanz des Kurfürsten Ludwig III., der das Pfälzer Satellitensystem abzusichern suchte. Sein Sohn Ruprecht konnte sich als Erzbischof von Köln (1463-1480) in der Nachbarschaft etablieren, scheiterte dort jedoch an seiner rabiaten Territo- rialpolitik, die er - auf den Spuren seines Bruders Friedrich I. - gegen seine Landstände betrieben hatte. Die Tochter Mechthild wurde zuerst die Ge- mahlin Graf Ludwigs I. des Älteren von Württem- berg-Urach und die Mutter Herzog Eberhards im Bart, dann die Gattin von Kaiser Friedrichs III. Bruder und Gegner Albrecht VI. von Österreich. Als Witwe hielt sie einen berühmten Musenhof in Rot- tenburg. Mit Kurfürst Ludwig IV. (1436-1449), zunächst unter der Vormundschaft Ottos von Mos- bach, zeichnete sich das Profil eines kraftvollen Herrschers ab, aber er starb 25jährig bereits 1449 und hinterliess einen zweijährigen Sohn. 1451 übernahm daher der bisherige Vormund, Friedrich I. der Siegreiche (1451-1476), mit Zu- stimmung der Vasallen und Amtleute die Kur, ver- zichtete auf eine Ehe und adoptierte den kleinen Philipp. Sogleich setzte eine ausgreifende Reichs- und Territorialpolitik ein, hinter der auch eine grosse militärische Begabung wirkte. 1462 schlug Friedrich bei Seckenheim eine feindliche Fürsten- koalition vernichtend und setzte ihre Anführer fest - weniger glücklich war sein Taktieren in den Mainzer Auseinandersetzungen zwischen Dieter von Isenburg und Adolf von Nassau, das ihn zeit- weilig auch in eine Gegnerschaft zur Kurie brachte. Er schuf eine lange nachwirkende moderne Struk- tur der pfälzischen Zentral- und Lokalverwaltung. Immer stärker wurde die Politik einer «wittelsba- chischen Blockbildung» (Hans Rall) durch Zusam- mengehen mit Bayern-Landshut, die sich mit einer scharfen antikaiserlichen Linie des Pfalzgrafen ver- band; nun erhielt durch Friedrich den Siegreichen die quasi-königliche Politik der Pfalz ihre volle Aus- prägung; die Kurpfalz gelangte auf den Höhepunkt ihres reichspolitischen Einflusses. Aus Friedrichs Verbindung mit der Augsburger Patriziertochter 
Klara Dett ging ein überlebender Sohn, Ludwig, hervor - er erhielt 1488 die bislang kurpfälzische Grafschaft Löwenstein, wurde 1494 von Maximi- lian 1. in den Grafenstand erhoben; er wurde der Stammvater der heutigen Fürsten von Löwenstein. Kurfürst Philipp (1476-1508) suchte, gestützt auf die wittelsbachische Blockbildung, die expansive Politik Friedrichs I. fortzusetzen, doch die allgemei- ne Konstellation hatte sich grundlegend geändert - bereits König Albrecht II. hatte durch seine Ehe mit König Sigmunds Erbtochter den Anspruch auf das luxemburgische Erbe begründet und damit endgül- tig die geteilten Wittelsbacher überflügelt; als der Druck der nationalen Könige von Böhmen und Un- garn, Georg von Podiebrad und Matthias Corvinus, aufgehört hatte, gewann Österreich wieder die volle Handlungsfähigkeit. Als Georg der Reiche sein Territorium mit der Hand seiner Erbtochter Elisa- beth an die Pfalz, nicht, den Hausverträgen gemäss, an Bayern-München bringen wollte, ergab sich die Chance für Maximilian, eine Schiedsrich- terrolle in den innerwittelsbachischen Auseinan- dersetzungen zu gewinnen. 1499 hatte Kurfürst Philipp durch das Aussterben der Mosbacher Linie die gesamte Oberpfalz erben können, was seine bayerische Position weiter verstärkte - im gleichen Jahr heiratete sein Sohn Ruprecht, der den Regens- burger Bischofsstuhl aufgab, die Landshuterin. 1503 ernannte ihn Georg der Reiche zu seinem Statthalter in Landshut; bald danach löste der Tod des Herzogs die kriegerischen Auseinandersetzungen aus. Maximilian entschied sich für die Unterstützung des schwächeren Mitspielers, seines Schwagers Albrecht IV. - der Krieg endete mit einer Katastro- phe der Pfalz, deren beherrschende Rolle jetzt zer- brach. Maximilian beendete die Auseinanderset- zungen mit seinem Spruch in Köln 1505 und liess sich dies durch die Abtretung von Kufstein, Kitz- bühl und Rattenberg honorieren. Die Masse des Landshuter Besitzes ging an Bayern-München. Für die kleinen Söhne des mittlerweile verstorbenen pfalzgräflichen Paares, Ottheinrich (1505/25-1557 in Neuburg) und Philipp, wurde, zumeist aus nie- derbayerischem Besitz, das Fürstentum der «Jun- gen Pfalz» mit der Residenz Neuburg geschaffen. 152
        

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