DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS se konkurrierend, die finanziellen Schwierigkeiten des letzten Tiroler Habsburgers, Herzog Sigmunds des Münzreichen, zu nützen. 1486 erwarb Georg die Markgrafschaft Burgau, 1487 überliess Sig- mund pfandweise die österreichischen Vorlande an Albrecht. Ein süddeutsches Übergewicht der Wit- telsbacher schien den 1438 gewonnen Vorrang der Habsburger zu bedrohen, ein höchstes Alarmzei- chen für das Haus Österreich, das nun den 1488 gegründeten Schwäbischen Bund förderte. An ihm und am Engagement des jungen Maximilian schei- terte schliesslich die bayerische Expansionspolitik, eine weitere Etappenstation auf dem Wege zur habsburgischen Dominanz - der Traum von einer wittelsbachischen Hegemonie in Süddeutschland war ausgeträumt. Bald aber zeigten sich Risse in der wittelsbachischen Solidarität - Georg der Rei- che sah sich vor eine Option zwischen Heidelberg und München gestellt und entschied sich für den vermeintlich stärkeren Partner, die Kurpfalz. AUFSTIEG UND NIEDERGANG DER KURPFALZ Ohne Zweifel übertraf nach dem Tode Ludwigs des Bayern die Pfalz Bayern an Bedeutung. 1356 hatte Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle ihr die Kur- würde zuerkannt und Hess seine näheren Kontra- henten Bayern und Österreich leer ausgehen. Da- mit aber hatte er einen Erisapfel zwischen die wit- telsbachischen Linien geworfen. Rudolfs I. Söhne, Rudolf II. (1329/38-1353) und Ruprecht, hatten sich bald an Karl IV. angelehnt. Mit Ruprecht 1. (1329/38 bzw. 1353-1390) verband sich der glanz- volle Aufstieg des Pfälzer Territorialstaats, doch auch er musste akzeptieren, dass er bei der Heirat seiner Schwester Anna mit Kaiser Karl IV. weite Teile der Oberpfalz diesem überlassen musste, der eine Landbrücke von Böhmen nach Nürnberg und Frankfurt bauen wollte. Durch Landfriedenseinun- gen sicherte sich Ruprecht eine wirkungsvolle He- gemonialrolle im rheinischen Raum; 1388 war er massgeblich an der katastrophalen Niederlage des Schwäbischen Städtebundes bei Döffingen betei- ligt. Schon 1386 gründete er in Heidelberg nach 
Prag und Wien die dritte Universität auf Reichsbo- den und dokumentierte damit den innerwittelsba- chischen Vorrang der Pfalz. Ruprecht II. (1390- 1398), sein Neffe, suchte neue Verbindungen, da er die heraufziehende Krise des luxemburgischen Kö- nigtums unter Wenzel erkannte. 1395 schuf er mit der Rupertinischen Konstitution einen Kompromiss in der Erbfolgeregelung, die das Übergewicht der Heidelberger Hauptlinie vor den Nebenlinien si- chern sollte. So hatte die Kurpfalz eine glänzende Stellung und kontrollierte ein weitgespanntes Hegelmonial- system, als die luxemburgische Herrschaftskrise offen ausbrach. 1400 setzten die rheinischen Kur- fürsten König Wenzel ab und wählten den Pfälzer Kurfürsten Ruprecht III. (1398-1410) zum römisch- deutschen König - der zweite wittelsbachische Herrscher nach Ludwig dem Bayern; doch sein Romzug strandete 1401 in Pavia. Fortan standen sich zwei abgetrennte Herrschaftssysteme der riva- lisierenden Könige Wenzel und Ruprecht gegenü- ber; letzterer beherrschte die Kerngebiete des Rei- ches. Er hob Rat und Kanzlei auf ein bisher im spätmittelalterlichen Reich nicht gesehenes Niveau und nützte die Königswürde, um die innerterrito- riale und überterritoriale Position der Kurpfalz auszubauen. Mit Ruprechts Tode 1410 endete der letzte Versuch, das Königtum im Westen des Rei- ches zu fundieren - das Haus Wittelsbach hatte al- lerdings seinen königlichen Anspruch noch einmal nachhaltig dokumentiert. Danach hat die Teilung von 1410 die pfälzische Territorialbasis eingeschränkt. Ludwig III. (1410- 1436) folgte in der Kur, Johann (1410-1443) erhielt den grössten Teil der Oberpfalz mit Neumarkt als Residenz und konsolidierte dieses Territorium, Otto I. (1410-1461) bekam Mosbach und Stephan (1410-1459) Zweibrücken-Simmern. Während die Linie Mosbach 1448 die Oberpfalz erbte und dort 1499 ausstarb, wurde das Erbe Stephans 1459 un- ter die Linien Pfalz-Simmern und Pfalz-Zwei- brücken geteilt. Pfalzgraf Christoph (1443-1448) aus der älteren Neumarkter Linie wurde 1438 Reichsverweser und 1440/41 Unionskönig der drei Reiche Dänemark, Schweden und Norwegen. 1443 151
        

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