das Erbe regieren. Zunächst löste sich 1353 ein Teilfürstentum Bayern-Straubing heraus; mit der Teilung von 1392 bildeten sich danach die drei Li- nien in Ingolstadt, Landshut und München. Dabei suchten die Herzöge von Bayern-Ingolstadt als die älteste Linie eine gewisse Führungsrolle zu über- nehmen. Sie schlössen Ehen in europäischen Di- mensionen - Herzog Stephans III. (1375-1413) Tochter Elisabeth heiratete den französischen Thronfolger und wurde später Königin; sie zog ihren Bruder Ludwig VII. (1413-1443, t 1447) an den Pariser Hof. Beide spielten in den dortigen Par- teikämpfen und im Hundertjährigen Krieg gegen England eine nicht unproblematische Rolle. Lud- wig, der nach wie vor eine Führungsrolle unter den Wittelsbachern beanspruchte, vermittelte französi- sche Einflüsse nach Ingolstadt, war aber selbst ein fehdefreudiger Herr, der auch mit der eigenen wit- telsbachischen Verwandtschaft und schliesslich so- gar mit seinem einzigen Sohn, Herzog Ludwig VIII. dem Höckrigen (1443-1445), die Klingen kreuzte. Er überlebte diesen, starb aber im Gewahrsam der Landshuter Vettern 1447 in Burghausen. Während die Münchener Linie zunächst eine be- scheidene Rolle spielte, vollzog sich der glanzvolle Aufstieg Bayern-Landshuts, das sich auf den Reich- tum des fruchtbaren niederbayerischen Acker- bodens stützte. Ein Vorteil war auch, dass es in drei Generationen nur jeweils einen überlebenden Für- sten gab. Der zweite Herzog Heinrich IV. (1393- 1450), der erste von drei Fürsten, die den Bei- namen «der Reiche» führte, leitete eine weitaus- greifende Politik ein; er stützte 1438 die deutsche Königswahl des Habsburgers Albrecht, gewiss ohne zu ahnen, dass damit ein jahrhundertelanges habsburgisches Königtum eingeleitet worden war, das die Wittelsbacher in die zweite Linie drängte. Hatte er sich 1425 bei der Aufteilung Bayern-Strau- bings zurückgehalten, so gewann er 1447 nahezu das gesamte Bayern-Ingolstadt, womit er die Mün- chener Linie endgültig hinter sich liess. Sein Sohn Ludwig IX. der Reiche (1450-1479) leitete in gros- sem Stil das wittelsbachische Zusammenspiel Landshut-Heidelberg ein, das eine antihabsburgi- sche Spitze hatte, und richtete den Blick verstärkt 
auf den schwäbischen Raum - durch kleinere Ab- tretungen aus dem lngolstädter Erbe suchte er den Ausgleich mit Bayern-München. Auch den im Bun- de mit dem Kaiser aus Franken vorstossenden Markgrafen und Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg grenzte er aus. Hatten die reichen Herzöge eine moderne Territorialverwaltung aus- gebildet, so unterstrichen sie 1472 ihr innerbayeri- sches Übergewicht weiter durch die Gründung der Universität Ingolstadt. Ludwigs Sohn Georg (1479-1503) hatte 1475 eine glanzvolle Hochzeit mit der polnischen Königstochter Hedwig gefeiert. Er setzte die wittelsbachische Blockpolitik fort - auch unter Einbeziehung Bayern-Münchens, das inzwischen erstarkt war. Herzog Ernst (1397-1438) hatte einen Grossteil des Straubinger Ländchens erworben und verteidigte energisch die verbliebenen bayerischen Rechte in der verlorenen Landeshauptstadt Regensburg. Als eine Mesalliance seines einzigen Sohnes Albrecht III. (1438-1460) die Existenz der Dynastie bedroh- te, liess Ernst 1435 kurzerhand die schöne Augs- burger Baderstochter Agnes Bernauer bei Strau- bing in der Donau ertränken. Nach dem Tode Alb- rechts III. drohten erneut Bruderstreitigkeiten und Teilungen in einem komplizierten Hin und Her Bayern-München zu schwächen, bis der energische Abrecht IV. (1465-1508), ursprünglich zum geist- lichen Stand bestimmt, das Heft in die Hand be- kam. Er verkörperte den Typ eines modernen Für- sten, der sich auf Akten und Rechnungen verstand und die Adelsopposition im Lande brach, die sich mit den innerdynastischen Rivalitäten verschlun- gen hatte. 1487 heiratete er gegen den Willen Kai- ser Friedrichs III. dessen Tochter Kunigunde, die Schwester Maximilians L, und provozierte das Reichsoberhaupt mit der Besetzung der Reichs- stadt Regensburg, der er die Unterwerfung mit ei- ner Universitätsgründung zu versüssen gedachte. In die Reichsacht geraten, musste er die Beute wie- der fahren lassen. Zuvor hatte er sich in Erding er- neut mit Georg dem Reichen von Bayern-Landshut verbündet. Beide zusammen stiessen mit pfälzischer Rücken- deckung nach Schwaben vor - sie suchten, teilwei- 150
        

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