DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS DIE ZEIT KAISER LUDWIGS DES RAYERN Damit waren die Wittelsbacher in die erste Reihe der deutschen Fürsten gerückt, und eine Königskandi- datur wurde immer naheliegender. Die erste Königs- krone, die ein Wittelsbacher trug, war allerdings die ungarische - Herzog Otto III. von Niederbayern (1290-1312) scheiterte jedoch in den Auseinander- setzungen gegen den vom Papst unterstützten Karl Robert von Anjou; er musste, um die Unkosten des Unternehmens zu finanzieren, in der ottonischen Handfeste von 1311 den niederbayerischen Land- ständen kräftige Zugeständnisse machen. Seit dem Ende der Staufer hatte es Ansätze zu wit- telsbachischen Thronkandidaturen gegeben. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts wurden sie jedoch durch die Spannungen zwischen Ludwigs des Strengen Söhnen Rudolf (1294-1317) und Ludwig (1294-1347) belastet. Nach drei vergeblichen An- läufen stand Rudolf auf der Gegenseite und unter- stützte den Habsburger Friedrich den Schönen, den 1314 vier Kurfürsten wählten, während vier andere um die alte luxemburgische Partei sich für Ludwig von Oberbayern entschieden. Der Thron- streit wurde 1322 dank Ludwigs glänzendem Sieg bei Mühldorf entschieden. Er versuchte in der Fol- ge den Vorrang aufzuholen, den sich Habsburger und Luxemburger mit dem Erwerb des österreichi- schen bzw. böhmischen Länderkomplexes geschaf- fen hatten. Jedoch zeigten die wittelsbachischen Erwerbungen: Brandenburg, Holland, Tirol, dass die Wittelsbacher zu spät gekommen waren - sie Hessen sich auf Dauer nicht halten. Allerdings hat die Königswürde auch die wittelsbachische Territo- rienbildung gestützt. Durch seine Italienpolitik geriet Ludwig der Bayer in einen bitteren Gegensatz zum avignonesischen Papsttum, das über ihn Bann und Interdikt ver- hängte. Doch stützten die Kurfürsten den Anspruch eines autonomen deutschen Königtums; auch kirchliche Reformkräfte scharten sich um den Kai- ser, so dass in München ein intellektuelles Zentrum Europas entstand, geschmückt durch berühmte Namen wie Marsilius von Padua, Wilhelm von Ock- ham und Duns Scotus. 1328 Hess Ludwig sich auf 
einem Romzug nicht durch den Papst krönen, son- dern durch das Volk von Rom nach antiker Sitte zum Kaiser proklamieren. Natürlich bewegte sich der Kaiser auf den weiten Feldern der europäi- schen Politik - doch präsentierte ihm 1346 die lu- xemburgische Partei, die ihn einst gestützt hatte, bei der er aber längst durch seine eigenständige Politik in Misskredit geraten war, einen Gegenkönig in der Person Karls IV. Ludwig der Bayer starb aber bereits 1347, zwar im Bann, aber unter Anrufung der Heiligen Maria. Nach dem Tode seines feindlichen Bruders Rudolf hatte Ludwig ein Übergewicht innerhalb der Wit- telsbacher gewonnen. Mit den Nachfolgern Rudolfs kam 1329 der Hausvertrag von Pavia zustande, ein innerdynastischer Kompromiss, der der rudolfini- schen Linie neben der Pfalz auch noch den Gross- teil des bayerischen Nordgaus um Neumarkt und Amberg überliess, für den sich später der Name «Oberpfalz» einbürgerte, während sich Ludwigs ei- gene Linie auf Bayern konzentrierte und sich so aus der Pfalz und den Kerngebieten des Reiches zurückzog. Dies wog jedoch minder schwer, als sich das deutsche Königtum nach Südosten verla- gert hatte - auf die drei rivalisierenden «königs- fähigen Dynastien der Luxemburger, Habsburger und Wittelsbacher» (Peter Moraw). Obwohl Ludwig 1340 die Lande der ausgestorbenen niederbayeri- schen Herzöge hinzugewann, sollten die Wittelsba- cher im Rennen um das deutsche Königtum weit ins Hintertreffen geraten - nicht zuletzt durch die Teilungen und durch die Spannungen zwischen der Pfälzer und der bayerischen Linie. DAS GETEILTE BAYERN Die Aussenpositionen, die Ludwig gewonnen hatte, bröckelten rasch wieder ab - zuerst Kurbranden- burg, das unter die Kontrolle Karls IV. kam, aber auch Tirol, schliesslich 1425 Holland, das mit dem Herzogtum Bayern-Straubing verbunden blieb. Der innerbayerische Teilungsprozess fiel mit einer Kri- senphase des Territorialstaats zusammen. Anfäng- lich sollten alle Söhne Kaiser Ludwigs gemeinsam 149
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.