Ausgleich zwischen Kaiser und Papst zurück, nach- dem er auf Mainz verzichtet hatte, wo er dann seit 1183 doch noch seine beachtliche Karriere be- schloss. Als der erste Bayernherzog 1183 starb, übernahm Konrad die Vormundschaft seines Soh- nes Ludwig. Nach einer Pilgerreise ins Heilige Land starb Konrad 1200. Ottos Nachfolger Ludwig I. «der Kelheimer» (1183- 1231) und Otto II. «der Erlauchte» (1231-1253) spielten dann die entscheidende Rolle für die Kon- solidierung des bayerischen Territorialstaats; sie agierten in enger Zusammenarbeit mit den Stau- fern. So ging der Kelheimer gegen seinen Vetter, Pfalzgraf Otto, energisch vor, als dieser 1208 den staufischen König Philipp ermordete; damals wur- de die Stammburg Wittelsbach geschleift. Die er- sten Herzöge von Bayern besassen noch keine ge- schlossene Herrschaft, sondern sie stützten sich auf die verstreuten Besitzungen und Rechtstitel ih- res Hauses sowie des bayerischen Herzogtums, die es zu konsolidieren und zu arrondieren galt - ge- gen mehrere rivalisierende Dynastenfamilien von hohem Rang, wie etwa die Grafen von Andechs und von Bogen. Dazu bot die Herzogswürde eine günstige Ausgangsposition. Mit Heiraten und Feh- den sammelten die Wittelsbacher ihre bayerischen Territorien ein. Die Nachfolge der Grafen von Bo- gen brachte ihnen ihr Wappen ein - die weiss-blau- en Wecken, das heutige Landeswappen Bayerns. Allerdings widerstand die Autonomie der bayeri- schen Bischöfe dem Zugriff der Wittelsbacher. Der Erwerb der Pfalz am Rhein begleitete den Auf- stieg des wittelsbachischen Hauses - die alte lothringische Pfalzgrafschaft war rheinaufwärts ge- wandert, bis sie sozusagen in Heidelberg vor Anker ging. Der Halbbruder Friedrich Barbarossas, Kon- rad, war 1156 mit der Pfalzgrafschaft belehnt wor- den; sie kam dann durch Heirat an den Weifen Heinrich den Langen, den Sohn Heinrichs des Löwen - seine Tochter Agnes heiratete 1212 (Verlo- bung) bzw. 1222 Otto II. von Bayern. Dieses Ein- rücken in die alten Kerngebiete des Reiches festigte die staufisch-wittelsbachische Allianz, für die sich Ludwig I. nachhaltig einsetzte. 1231 wurde der Herzog unter ungeklärten Umständen auf der Kel-heimer 
Brücke ermordet - daher sein Beiname. Seine Witwe, die böhmische Ludmilla, zog sich in das von ihr begründete Zisterzienserinnenkloster Seligenthal vor Landshut zurück, das dritte Haus- kloster der Wittelsbacher. Es war kein Zufall, dass die energische Territorial- politik der Wittelsbacher mit dem jungen staufi- schen König Heinrich (VII.) zusammenstiess, der seinerseits das Königsland zu konsolidieren trach- tete - seine Katastrophe und Entsetzung durch sei- nen Vater, Friedrich IL, 1235 entlastete das Haus Bayern; die Heirat König Konrads IV. mit Elisabeth (1246), der Tochter Herzog Ottos IL, knüpfte die Bande zwischen Staufern und Wittelsbachern noch enger; aus der Ehe ging der Sohn Konradin hervor. Die enge Verbindung mit dem Kaiserhaus trug den Wittelsbachern den Kirchenbann ein; sie konnten auf eine erfolgreiche Territorialpolitik zurück- blicken, zu deren Höhepunkten die Überwindung der konkurrierenden Grafen von Andechs-Mera- nien zählte. Dass die Wittelsbacher die territoriale Konsolidierung Bayerns einem Ausgreifen in das alte bayerische Gebiet Österreichs vorzogen, spricht für ihre Nüchternheit. Der relativ frühe Tod Ottos II. führte zur ersten Landesteilung von 1255: Ludwig II. (1255-1294) erhielt Oberbayern mit München sowie die Pfalz - das östliche Bayern mit Landshut ging an Heinrich (1255-1290). Beide dokumentierten die Einheit des Hauses durch den gemeinsamen Titel Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein. Unter Herzog Ludwig dem Strengen erhielt das Zeitalter der Territorien- bildung einen gewissen Abschluss: er konnte auch das Erbe der Staufer auf dem Nordgau nach dem Tode seines Neffen Konradin (1268) an sich brin- gen, der dem bayerischen Hof eng verbunden und sein Mündel gewesen war. Zeitweilig legte Ludwig seinen Schwerpunkt auf die im Zentrum des Rei- ches gelegene Pfalzgrafschaft. Der wittelsbachische Landesstaat formierte sich durch Konzentration, Verwaltungsorganisation, Burgenbau, Städtegrün- dung und Kirchenherrschaft in Bayern stärker als im rheinischen Raum, wo ein Satellitensystem über kleinere Herren bestimmend wurde. 148
        

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