DAS HAUS BAYERN - ZEHN JAHRHUNDERTE WITTELSBACHISCHE GESCHICHTE / VOLKER PRESS Anlässlich der Heirat S.D. des Erbprinzen Alois von Liechtenstein mit I.K.H. Sophie Herzogin in Bayern soll die Geschichte des Hauses Wittelsbach in ihren Verästelungen in Deutschland und Europa darge- stellt werden. Die leitenden Fragen dieser Skizze sind der dynastische Rang und die politische Rolle dieses bedeutenden europäischen Fürstenge- schlechts. Keine deutsche Dynastie hat soviel Popularität im Lande gewonnen wie das Haus Wittelsbach in Bay- ern. Trotz europäischer Dimensionen hat es nie den bayerischen Boden unter den Füssen verloren - der heutige Staat Bayern ist zu wesentlichen Tei- len sein Werk. Der Ursprung des Hauses liegt bis- lang im dunkeln. Die älteren Wittelsbacher suchten ihre Wurzeln bei den Karolingern - darin liegt der Anspruch auf einen Vorrang unter den Fürsten- dynastien des Reiches. Erst später, im Zeichen des konsolidierten Landesstaats, kam man wieder zurück auf die eigentlichen Ursprünge, die im spä- ten Mittelalter noch lebendig gewesen waren. VON GRAFEN VON SCHEYERN ZU HERZÖGEN VON RAYERN Auch die moderne Forschung näherte sich wieder der älteren These der wittelsbachischen Abstam- mung von den Luitpoldingern, wie sie schon im Mittelalter verfochten wurde - die Luitpoldinger waren die Begründer des jüngeren bayerischen Stammesherzogtums gewesen; ihre Herrschaft hat- te sich im frühen 10. Jahrhundert im Abwehr- kampf gegen die Ungarn gefestigt - Markgraf Luit- pold fiel 907 bei Pressburg; sein Sohn Arnulf (t 937) stieg zum Herzog von Bayern auf. Obwohl viel Plausibilität dafür spricht, ist die Beziehung je- doch bis heute nicht eindeutig gefestigt. Um 1000 taucht der mögliche Stammherr, Graf Otto I., Hauptvogt der Freisinger Kirche, auf. Mit Graf Otto von Scheyern (f 1078) beginnt die gesicherte Stammlinie. Mit seiner Frau Haziga von Sulzbach hatte er drei Söhne: Bernhard, Ekkehard und Otto. Ottos Söhne begründeten die beiden Linien Dachau-Valley und Wittelsbach. 
Aus ihren bescheidenen Anfängen um Scheyern haben die Wittelsbacher bald ausgegriffen - Otto V. (t 1156) nannte sich seit 1115 nach der Burg Wit- telsbach; Scheyern wurde um 1120 zum Haus- kloster. 1118 wurde Otto V. Pfalzgraf von Bayern, also Verwalter des dortigen Reichsguts. Nicht nur im bayerischen Kerngebiet, sondern auch im «Nordgau» nördlich der Donau fasste das Haus Fuss. Ensdorf wurde sein zweites Hauskloster. Die gesteigerte Bedeutung Ottos V. zeigte sich an seinen Söhnen Otto VIII. (t 1183) und Konrad (t 1200). Beide spielten zentrale Rollen in der Reichspolitik. Im Konflikt zwischen Weifen und Staufern optierte Pfalzgraf Otto VIII. zunächst für die Weifen. Fried- rich Barbarossa gewann dann den Geschlagenen durch sein Geschick zu einer engen Symbiose. Der Pfalzgraf von Bayern rückte in die unmittelbare Nähe des Kaisers; 1154 sicherte Otto Barbarossa den Rückzug im heroischen Kampf an der Verone- ser Klause; jähzornig stellte er sich 1157 gegen die päpstlichen Ansprüche an den Kaiser, die Kardinal Roland, der nachmalige Papst Alexander III., auf dem Hoftag in Besancon vorgetragen hatte. 1160 geriet der Wittelsbacher aus Kaisertreue in den Kirchenbann. 1158 hatte Barbarossa im Ausgleich mit den Weifen Heinrich dem Löwen das Herzogtum Bayern zurückgegeben und die zurückgesetzten Babenber- ger mit einem Privileg für das neue Herzogtum Österreich entschädigt. Als aber Heinrich der Löwe dem Kaiser die Heerfolge nach Italien verweigerte, setzte ihn Barbarossa 1180 ab und belehnte den bereits betagten Pfalzgrafen Otto (1180-1183) mit dem Herzogtum Bayern. Die bayerische Pfalzgraf- schaft ging an den gleichnamigen jüngeren Bruder über. Nicht ohne Schwierigkeiten trat der Wittels- bacher die Herrschaft an; auch Barbarossa selbst wollte den neuen Herzog nicht zu gross werden las- sen; aber Otto behauptete seine Position. Sein be- deutender Bruder Konrad, seit 1161 Erzbischof von Mainz, geriet bald in das Spannungsfeld zwischen Kaiser und Papst - die Option für Alexander III. führte ihn 1165 ins Exil; der Papst machte ihn 1166 zum Bischof von Sabina und zum Kardinal - als Erzbischof von Salzburg kehrte er 1177 nach dem 147
        

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