aufs Feld und im Haushalt helfen. Ich bin gerne in den Stall, die anderen nicht. Bei uns haben der Vater und ich gemolken. Zuerst musste die ältere Schwester melken ler- nen. Sie hat dann gemolken, bis sie nach Samen in einen Dienst ging, F: Was haben Sie angebaut? A: Kartoffeln, Mais und Spinat. Den Spinat musste man von Hand mit dem Messer abhauen - den ganzen Tag, ganz am Boden! Später haben wir dann extra Spinatsä- gen gehabt. Das machten dann die Mannsbilder. Wir mussten den Spinat in die Wagen leeren und die Zeinen, schwere Metzgerzeinen, wieder zu den Männern bringen. Den Spinat haben wir der Scana [Konservenfabrik] ge- bracht. Die haben 1936 angefangen, in dem Jahr als meine Mutter starb. Und dann haben wir noch Bohnen gehabt. Viele Jahre haben wir auch Kraut gepflanzt. Wir waren in der Krautgenossenschaft. Das Kraut kam in die Schweiz. Damals hatten die meisten Bauern in Schaan ein oder zwei Felder mit Kraut angepflanzt. Das Kraut verlud man in Buchs in Eisenbahnwagen. Zuerst musste man das Kraut abliefern und im Winter, kurz vor Weihnachten, kam dann mit der Post das «Krautgeld». Der Mann, der die Krautgenossenschaft unter sich hatte, ging bei den Bauern vorbei und sagte, du darfst auf Morgen 30, 20 oder 15 Zentner richten - je nachdem. Wenn man in der Genossenschaft war, musste er einem etwas abnehmen. Man hat nur für die gepflanzt. Nachdem die Scana eröff- net wurde, existierte die Genossenschaft nur noch ein paar Jahre. Wir haben das Kraut dann der Scana gege- ben, da wir mit denen verwandt waren. F: Haben Sie Kartoffeln, Mais und Bohnen nur für den Ei- genbedarf angebaut oder haben Sie davon auch etwas verkauft? A: Bohnen haben wir verkauft. An einen Händler in St. Gallen. Man konnte auch dem Bauernverband Bohnen abliefern, aber wir haben eben die meisten dem Gemüse- händler in St. Gallen geschickt. F: Haben Sie auch Kartoffeln und Mais verkauft? A: Kartoffeln ja, Mais nein. Mais hat man früher nicht verkauft. Den hat man selber behalten - für Riebel und für die Schweine. Kartoffeln haben wir dem Bauernver- band verkauft. Ganz früher hatten wir einen Abnehmer in Rorschach. Mein Vater hatte einen Bruder in Ror- schach und durch den haben wir den Kunden bekom- men. Mein Vater hat dann ganze Autos voll nach Ror- schach transportiert. Er hat hier noch bei Bauern Kar- toffeln dazugekauft. Dann hat man noch Korn gepflanzt - Weizen und für die Pferde Hafer. Weizen und Mais hat man mahlen lassen, für Maisriebel und Maisbrot. Auch für die Schweine und die Hühner hat man Mehl mahlen lassen. Silomais hat es damals noch nicht gegeben. Hühner hatten wir immer viele. Den Hühnern gab man Weizen und ein Maisgemisch. Wir haben eine Maschine gehabt, um die Maiskörner aufzubrechen. Das hat man 
selber gemischt, mit Kartoffeln. Beim Mehl mahlen gibt es «Grüsche» [Kleie]. Die brauchte man fürs «Hennen- pult». Da hat man Kartoffeln gehobelt, «Grüsche» dar- unter gegeben und noch etwas lauwarmes Wasser. Das hat man ihnen am Morgen gegeben und später dann Körner und Wasser. Hennen geben viel Arbeit! im Win- ter hat man ihnen noch Runkelrüben gegeben, damit sie nicht so viel Wasser gebraucht haben. Die hat man ihnen gehobelt und unter das Fressen gemischt. Dem Vieh hat man im Winter die Rüben geschnetzelt und in den Stall gestellt, damit sie warm blieben. Die hat man ihnen nach dem Tränken gegeben. Die Rüben haben wir auch selber gepflanzt. Da mussten wir zwei, drei Wagen Rüben putzen. F: Dann mussten Sie praktisch keine Lebensmittel im Laden kaufen? A: Ja, das meiste hatten wir selber. Brot haben wir sel- ber gebacken. Später, als wir dafür keine Zeit mehr hat- ten, haben wir dem Bäcker einen Sack Mehl gebracht. Der hat es ausgerechnet und dafür konnten wir dann bei ihm Brot holen. Da mussten wir dann nur das Backen zahlen. F: Haben Sie dem Bäcker auch Eier gebracht? A: Nein, da hatten wir Privatkunden. Viel haben wir Emil Ospelt gebracht. Dafür haben wir dann Stoff bekommen. ... Obst hatten wir auch noch viel. Wir haben selber Most gemacht und Mostobst verkauft. Dem Bauernverband. ... Die Krautsetzlinge und das hat man ja alles selber gezo- gen. Alles von Hand gesetzt und immer wenn es regnete - sonst kamen sie nicht. Man konnte sie schon auch nach- her giessen, aber das hat halbtageweise Arbeit gegeben. Man hatte ja selten Gräben mit genug Wasser bei den Fel- dern. Wir sind schon auch gegangen, aber da musste man morgens um fünf Uhr gehen. ... In einer Reihe waren un- gefähr 130 Setzlinge. Da musste man lang, lang springen! Es war eine schwere Arbeit! Darum sind wir gegangen, wenn es regnete und das Radio ein paar Tage schlechtes Wetter - wir sagen Mausewetter - vorhersagte. Man wur- de immer tropfnass. F: Lagen Ihre Felder nahe beieinander? A: Nein, nein. Mein Gott! Das eine weit draussen beim Rheindamm, das eine weiter landeinwärts, das andere wieder in einer anderen Richtung. Man hatte nichts bei- einander. Das war eben das Schwierige! Aber das war bei allen so. F: Wie lange war der Weg zu den Feldern? A: Eine halbe Stunde musste man schon laufen - bis zur Au hinunter, wo wir gepflanzt haben. Als wir aus der Schule kamen, haben wir zu viert ein Rad bekommen, das uns aber gleich gestohlen wurde. Nachher haben wir ge- brauchte Räder gekauft. Da hatte dann jede eines. Ohne Rad hat man ja nichts machen können! Von uns musste ja dann auch immer eine heim, um zu kochen, weil unsere Mutter ja so früh gestorben ist. Wir haben viel bis um elf. 132
        

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