auch. Damals durften die Jungfrauen noch nicht Rad fah- ren! F: Wie würden Sie Ihre damalige Arbeit einschätzen? Hätten Sie sich als Bäuerin oder als Hausfrau bezeichnet? A: Ja, schon mehr fürs Haus. Eher als Hausfrau. F: In welchem Ansehen standen Bäuerinnen? Waren Sie gerne Bäuerin? A: Ich bin für das aufgewachsen. Ich hätte mir nichts an- deres gewünscht - und habe allerhand mitgemacht damit! (lacht) F: Wenn Sie die Arbeit der Bäuerin mit der der Fabrik- arbeiterin vergleichen? Sind Sie lieber Bäuerin gewesen oder wären sie auch gerne in die Fabrik? A: Das weiss ich nicht mehr. Ja, in die Fabrik schon nicht! Nein, nein. Wir haben Nachbarn gehabt, die in die Fabrik gingen. Und die sind am Mittag heimgekommen und gleich wieder fortgesprungen, bis am Abend. Das hätte mir nicht gepasst! Ich habe lieber Mist angelegt (lacht). Ja, es hat auch niemand gesagt, dass ich in die Fabrik solle. 
KURZFASSUNG DES INTERVIEWS MIT W.S., BÄUERIN, HERBST 1987 F: Was haben Ihre Eltern beruflich gemacht? A: Mein Vater war von Beruf Metzger und hatte in den Hof meiner Mutter eingeheiratet. Der Vater meiner Mutter war schon um die achtzig. Mein Vater hat dann im Hof seines Schwiegervaters als Bauer angefangen und hat dann immer als Bauer gearbeitet. Nebenbei ist er aber noch zu den anderen Bauern metzgen gegangen - Bauernmetzger hat man dazu früher gesagt. Meine Mut- ter und auch die ledige Schwester meiner Mutter haben immer in der Landwirtschaft gearbeitet. F: Wie gross war der Hof Ihrer Eltern? A: Ungefähr 15 Stück Vieh. F: Hatten Sie Hilfskräfte? Einen Knecht z.B.? A: Erst später, als wir geheiratet haben. F: Aber der Hof hatte schon zu Ihrer Jugendzeit etwa 15 Kühe? A: Kühe nicht. Vieh, 15 bis 17 Stück. Kühe waren es unge- fähr neun. Und dann noch Schweine, Pferde und früher noch zwei bis drei Schafe. F: Heirat? A: 1948. F: Was machte Ihr Mann beruflich? A: Er kam auch aus einer Bauernfamilie, aber er war Maurer und Gipser. Als seine Eltern nicht mehr arbeiten konnten - er ging ihnen immer am Feierabend und sams- tags helfen - nahmen wir das Vieh zu uns, haben einen Stall gebaut und dann selber Landwirtschaft betrieben. Vorher, als mein Mann noch auf dem Bau arbeitete, ging ich meinem Vater helfen. Meine Schwester, der Vater und ich haben die Landwirtschaft immer weitergeführt. Den ganzen Tag war ich unten bei meinem Vater und dann bin ich halt wieder heim zum Kochen. F: War es für Sie klar, dass sie nach der Schule daheim in der Landwirtschaft arbeiten würden oder haben Sie noch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen? A: Ich wollte Verkäuferin werden. Nirgends! Meine Mut- ter ging noch fragen. Nein, wir machen es selber, wir stellen niemand ein, hat es geheissen. Da bin ich dann zweieinhalb Jahre zu F.s gegangen, weil ich eben nichts bekommen habe. Nachher musste ich wieder daheim hel- fen. Später, im Herbst des Jahres, in dem meine Mutter starb, fragte sie im Kloster St. Elisabeth, ob ich dort die Haushaltungsschule besuchen könne. Als sie starb, war ich dort oben - bis im Frühling, ein halbes Jahr lang. Zum Schlafen bin ich heim. Die meisten waren intern. Ich lernte Kochen, Flicken, Nähen und Backen. Es hat mir gefallen! F: Wäre Fabrikarbeit für Sie in Frage gekommen? A: Mein Gott, ich sollte in die Zahnfabrik. Ich sagte, lieber melken und in den Stall gehen, nur nicht in die Fabrik. 130
        

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