FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 ANHANG / INTERVIEWS / CLAUDIA HEEB-FLECK Ja, zeitweise habe ich noch ein Mädchen gehabt - zum Helfen. F: Welche Arbeiten verrichtete die Magd? A: Sie hat mir in der Küche geholfen. Sie musste aber auch in der Gerberei mithelfen. Wir hatten in der Ger- berei eine Maschine zum Lohe mahlen. Das konnte das Mädchen so gut und darum musste sie häufig Lohe [Gerb- rinde] mahlen gehen. F: Hat die Magd bei Ihnen gelebt? A: Ja. Sie war von Österreich. Von uns weg ist sie dann ins Kloster. F: Wie sah ein normaler Tagesablauf bei Ihnen aus? A: Am Morgen bin ich um sechs Uhr aufgestanden und um 22 Uhr bin ich ins Bett. Einmal habe ich nachts noch bis um zwölf Uhr gebügelt. Ich bügelte eine Schürze, die sehr lange Bändel hatte. Da dachte ich, was braucht die Schürze so lange Bändel und da habe ich die Bändel - wahrscheinlich schon fast im Schlaf - abgeschnitten. Am nächsten Tag konnte ich sie wieder annähen (lacht). Dann musste man alles von Hand waschen. Die ersten Jahre hatten wir keine Maschine. Und wenn man fremde Leute gehabt hat, das hat halt auch viel Wäsche gebraucht! F: Haben Sie die Wäsche der Knechte, Mägde und der Hilfskräfte aus der Gerberei auch gewaschen? A: Ja. Ferien hat man nie gehabt! F: Wer war für die Kindererziehung verantwortlich? A: Das war schon meine Sache. Aber man hat sie halt frü- her schon noch einfacher aufgezogen als heute. Aber sie sind alle «recht» geworden. F: Arbeitsteilung? Wer ging aufs Feld? A: Da gingen alle miteinander, Kinder, Frauen und Män- ner. F: Wer machte die Stallarbeit? A: Das haben dazumal Frauen weniger gemacht. Wenn man einen Knecht hatte, machte der die Stallarbeit. Bei uns haben es die Buben gemacht. F: Wer hat gemolken? A: Dazu haben wir ein «Knechtle» gehabt. ... Der Arbeiter von der Gerberei hat auch mitgeholfen. Da haben wir halt schon Mais angepflanzt, zum Silo machen. Wir haben ein Silo gebaut, damit wir für das Vieh genug Futter hatten. Den Silo musste man mit der Sichel abhauen - das muss- ten wir machen - und dann hat man den Silo mit dem Fuhrwerk heimgeführt und erst daheim hat man ihn durch eine Maschine gelassen. Es war eine schwere Ar- beit! Heute ist es ja ganz anders. Dann ist man noch ger- ne zueinander «Mais ausschilfern» gegangen, damit man einen guten «Z'Vieri» bekam. Da sind die Nachbarn zu- sammengesessen. Das war immer ein Fest! Und jedes Jahr haben wir vier Säue geschlachtet. Zwei haben wir verkauft und zwei selber behalten. Das Fleisch wurde ein- gemacht. Wir haben eine Maschine gekauft, um das Fleisch in Büchsen einzumachen, so hat man sich selber mit Fleisch versorgt. Das Fett hat man ausgesotten - das 
brauchten wir dann zum Kochen. Das war alles unsere Arbeit. Die eine Schwester meines Mannes hat viel beim Fleisch Einmachen geholfen. Die andere ist von der Schule weg in die Fabrik gegangen, solange bis sie nicht mehr konnte. F: Wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft und im Kleingewerbe in der Zwischenkriegszeit? A: Da muss man zufrieden sein. Wir haben genug zum Leben gehabt. Man musste sich gar nicht so bekümmern. Man arbeitete und es ging vorwärts! F: Lebten damals viele Leute von der Landwirtschaft? A: Die Landwirtschaft hat halt dazugeholfen, dass man zu etwas gekommen ist. F: Hatten in Ihrer Umgebung alle eigenen Boden, den sie bepflanzten? A: Da sind nur kleinere Landwirtschaften gewesen, die selber nicht gepflanzt haben - bei uns in der Umgebung. Die meisten hatten so zwei bis drei Stück Vieh. F: Gehörte Ihre Landwirtschaft zu den grösseren in Schaan? A: Ja, man hat sich halt hochgearbeitet. F: Wie wurde der Boden nach dem Tod Ihrer Eltern ver- teilt? Haben alle gleich viel kommen? A: Nein. nein. Die Buben haben schon gesagt, das und das wollen sie. Und ich habe den Rest bekommen. Der Mann hat da den Rest genommen. Er ist zur Abhandlung gegangen, weil ich nicht konnte. Er musste halt nehmen, was den anderen nicht gepasst hat. Aber wir sind zufrie- den gewesen. Man musste zufrieden sein! F: Gab es das häufig, dass Familien eine Landwirtschaft hatten und nebenher ein Gewerbe oder Laden betrieben? A: Ja. das gab es häufiger. F: Und reine Landwirtschaftsbetriebe? A: Ja, das gab es auch. Ein Hans Walser, Dünsers, Engel- bert Beck, Luzi Seeger ... Ja, das hatte es überall. Und im Dorf drinnen auch. ... F: Waren Sie Mitglied im Bauernverband? A: Da hat es noch keinen gegeben. F: Doch, den Bauernverband gab es schon lange. A: Ich weiss nicht, ob wir damals im Bauernverband wa- ren. Ich glaube es nicht. - Ja, vielleicht wegen dem Kartof- fel-Abliefern, aber sonst weiss ich auch nicht. Darum habe ich mich nicht gekümmert! F: Soziale Absicherung? Waren Sie in einer Kranken- kasse? A: Wir sind nie in einer Krankenkasse gewesen, bis man da im Alter eintreten musste. Und es hat uns auch nie et- was gefehlt. Wenn man zum Doktor musste, musste man es halt selbst zahlen. F: Freizeit als verheiratete Bäuerin? A: Ich wüsste nicht wann! F: Waren Sie in keinem Verein? A: Doch, im Frauenverein. Dort sind wir schon manch- mal fort. Ja, und im Jungfrauenverein war ich natürlich 129
        

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