FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 ANHANG / INTERVIEWS / CLAUDIA HEEB-FLECK J: Morgens um halb acht ging der Laden auf. Eventuell hat man vorher schon vorbereiten müssen. Den Zucker zum Beispiel hatte man in 100-Kilo-Säcken Da musste man halt immer die Schubladen auffüllen gehen. Und dann hatten wir auch noch Eisenwaren. Wir haben das Eisenwarenlager der Frau W, die den Laden aufgab, übernommen. Darum haben wir dann gebaut. R: Wir haben schwer gearbeitet. Damals hat man zum Beispiel Harrasse gehabt mit 24-Liter-Weinflaschen und 20-Liter-Ölflaschen und Seifenkisten mit über 35 kg und Fettkisten, ganze Fässer Fett. F: Kamen morgens viele Kundinnen? J: Ja, die Leute sind am Morgen gekommen. Das ist wahr. Während der Mittagszeit war offen. Da kamen dann die Leute aus der Ivoclar und haben uns bestürmt. F: Wann haben Sie Mittag gemacht? J: Mir hat man das Mittagessen in einem heissen Geschirr gebracht. R. ist immer heimgegangen, das Essen holen. 1954 haben wir dann die erste Hilfe gehabt. F: War es üblich, dass die Geschäfte über Mittag offen hatten? J: Nein, aber die Leute sind halt über Mittag gekommen und da hat man sie halt bedient. F: Hat niemand reklamiert, weil Sie über Mittag offen hatten? J: Nein, da durfte man offen haben, wann man wollte. Am Abend ist schon Ladenschluss gewesen, um 19 Uhr. F: Wie lange haben Sie abends offen gehabt? R: Wir haben bis halb acht, acht Uhr offen gehabt. F: Und Samstag, Sonntag? J: Am Samstag haben wir normal bis um 19 Uhr offen ge- habt, sonntags hatten wir immer geschlossen. F: Sie (J.) sagten, dass Sie während Ihrer Lehrzeit Kundinnen Waren nach Hause brachten. War das allge- mein üblich? R: Ja, das haben wir auch noch angefangen. Mit einem Handwagen haben wir nach Ladenschluss Waren ins Villenviertel gebracht - während dem Krieg. F: Also war es allgemein üblich? R: Nein. J.- Das haben nur Spezialgeschäfte gemacht, (lacht) R: Um Kunden zu werben. F: Wieviel verdienten Sie pro Monat 1938 bis 1940? R: Da müsste man die Buchhaltungsbücher anschauen. J: Die Buchhaltung hat die ersten Jahre noch der Vater gemacht. F: Obwohl Sie Buchhaltung gelernt hatten? R: Ja, er wollte halt wissen, was läuft. F: Aber er war ja nie im Laden? J: Wir haben das Geld am Abend abgegeben. R: Und alles auf Papier gebracht. Nur den Abschluss hat er gemacht. Der Vater hat das Geld verwaltet. Das ver- langte er. Er hatte die Kasse von der Landwirtschaft und 
vom Laden - noch lange! Mein Vater hat manchmal ge- sagt, dass sie mit der Landwirtschaft mehr verdienten, als wir mit dem Laden. Wir haben eben schöne Kühe gehabt, da konnte man eine für zwei- bis dreitausend Franken verkaufen. Und Kabis und Kartoffeln. F: Haben Sie von Ihrem Vater ein Taschengeld bekom- men? J: Den Lohn. F: Wieviel? Verglichen zum Beispiel mit einer Fabrik- arbeiterin? R: Ja, schon mehr. Sie müssen sich vorstellen, wir haben gespart, weil nach all den Jahren, als uns der Vater das Geschäft übergab, und wir gefunden haben, dass der Laden zu klein sei, mussten wir den Anbau selber finan- zieren. Wir machten halt Schulden und etwas hatten wir selber. F: Wann übergab Ihnen der Vater den Laden? R: 1950. F: Über wen lief die Konzession? R: Immer noch über den Vater. F: Was bedeutete denn dann die Übergabe? Eine selb- ständige Buchführung? R: Ja. Und das Haus. Der Bruder hat das andere bekom- men und wir zwei das. Das war aber nur ein kleines Häuschen. Angebaut haben wir ja selber. F: Haben Sie keine Vorstellung mehr über die Höhe des Lohnes, den Ihr Vater Ihnen auszahlte? R: Das war nicht immer gleich viel. Vielleicht haben wir mit 50 - angefangen oder 100 - und nachher haben wir wahrscheinlich etwas mehr bekommen. Wissen Sie, das war auch nicht so wichtig. Wir haben ja nicht viel ge- braucht. Wenn wir etwas Grösseres anschaffen mussten, hat es schon unser Vater finanziert. F: Waren Sie Mitglied in einem Verband? Im Gewerbe- verband oder im Verband für Handel und Gewerbe? R: Dort musste man ja Mitglied werden. F: Ja. bei der Gewerbegenossenschaft. R: In anderen Verbänden waren wir glaube ich nicht. F: Sind Sie an die Generalversammlungen der Gewerbe- genossenschaft gegangen oder Ihr Vater? R: Die erste Zeit sicher der Vater - oder der Bruder. J: Ich glaube der Bruder ist gegangen. F: Aber der war ja nie im Geschäft? R: Doch. Er hat viel im Geschäft geholfen. J: Eben mit der Ware. Er brachte die Ware. R: Und wenn wir mal ganz viel im Geschäft zu tun hatten, hat er auch geholfen. J: Ich bin nie an Versammlungen gegangen. R: Später bin ich dann gegangen. F: Wussten Sie über die Tätigkeit der Gewerbegenossen- schaft Bescheid? R: Ja, das wussten wir schon. F: Gab es auch Frauen in der Gewerbegenossenschaft? Zum Beispiel Witwen, die einen Laden führten? 125
        

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