FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 ANHANG / INTERVIEWS / CLAUDIA HEEB-FLECK A: Das hat man nicht so gemerkt. Spezielle Reaktionen habe ich nicht erlebt. Jedoch war ich zum Beispiel freier als eine Fabrikarbeiterin. Niemand kontrollierte mich und ich hatte eine Hilfe. Dadurch war die Einstellung zur Ar- beit auch anders, weil man für sich arbeitete. Die Befrie- digung war grösser. F: Wie war das mit der Sozialen Absicherung? Nach Lehrvertrag sollten z.B. alle Lehrlinge gegen Krankheit versichert werden? A: In der Krankenkasse war ich bereits. Später im Büro wurde das von denen bezahlt. Wir hatten auch eine kleine Lebensversicherung. Eine Unfallversicherung glaube ich nicht. F: Was verdienten Sie im Büro? A: Zuerst bekam ich 300 Franken, später 350 Franken. Die Schwester verdiente die ersten sechs Monate im Büro nichts, dann 150 und später 180 Franken. Nach ein paar Jahren bekam sie dann 500 Franken. Meine Schwester auf der Post hatte es sehr streng und verdiente fast gar nichts. Sie wurde nicht von der Post, sondern vom Post- meister persönlich ausbezahlt - so wenig wie möglich. F: Heirat? A: 1948. F: Haben Sie nach der Heirat weiterhin im Büro gearbei- tet? A: Nein, ich habe aufgehört. F: Wie haben Sie Ihre Freizeit während der Lehrzeit ver- bracht? A: Man hatte daheim Arbeit. Wir hatten ja noch den La- den, den Garten und die zwei Felder. Abends mussten wir viel aufs Feld oder zu Hause kochen, Riebel oder gebra- tene Kartoffeln. Die Mutter war ja im Geschäft. Das war unsere Nebenbeschäftigung! F: Vereine? A: Turnverein. In der Schule gab es keinen Turnunter- richt für Mädchen. Ab zwanzig ging ich abends einmal in der Woche. Und beim Theater habe ich zweimal mitge- spielt. F: Waren Sie im Jungfrauenverein? A: Fast alle waren bei der Jungfrauenkongregation. Das war üblich. Man ging jeden Monat einmal zur Kommu- nion. Es war fast eine Verpflichtung. 
KURZFASSUNG DES INTERVIEWS MIT J.Q., HÄNDLERIN, HERBST 1987 F: Schulbildung? A: Ich habe die Alltagsschule besucht und ein Jahr war ich noch in der Realschule und dann noch die Fortbil- dungsschule und die Christenlehre. F: Warum haben Sie die Realschule nach einem Jahr auf- gehört? A: Ich habe noch ein halbes Jahr eine Haushaltungsschu- le besucht - in der Schweiz, im Kanton Zug. F: Mussten Sie dafür zahlen? A: Ja. F: Ab wann haben Sie den Laden gehabt? A: Schon als mein Vater heiratete. Das war 1893. Er hat ihn angefangen. Später haben wir den Laden übernom- men. Wir haben 1924 geheiratet. F: Was für Möglichkeiten hatten Sie nach der Schule? A: Mir ist nichts anderes in den Sinn gekommen. Ich habe von nichts anderem gewusst. (lacht) F: Wer arbeitete vor Ihrer Heirat im Laden? A: Der Vater. Meine Mutter ist schon 1905 oder 1906 gestorben. Und eine junge Verwandte, eine Tante. Es wa- ren zwei Tanten bei uns - wir waren ja noch Kinder, als unsere Mutter starb. Die andere Tante hat den Haushalt geführt. F: Welche Produkte führten Sie in Ihrem Laden? A: Alle Lebensmittel und landwirtschaftliche Sachen - Gras- und Kleesamen, Rechen, Gabeln, Sicheln usw. Der Vater hat noch einen «ordentlichen» Laden gehabt! Aber als der Bauernverein kam, ist der Laden nicht mehr gut ge- laufen. Die landwirtschaftlichen Produkte, die wir geführt haben, hat dann vor allem der Bauernverband verkauft. In den zwanziger Jahren ging es noch, aber sagen wir von den dreissiger Jahren an ging es dann nicht mehr. Da haben wir umgestellt und haben nur noch Lebensmittel verkauft. F: Haben Sie den Laden bei der Heirat übernommen? A: Da hatten wir ihn noch miteinander. Der Vater hat auch geholfen. F: Haben Sie im Elternhaus gewohnt? A: Ja, ich habe immer hier gewohnt und mein Mann ist hierher gezogen. F: Haben Ihr Vater, Ihre Tanten, Ihre Schwester, Sie und Ihr Ehemann gemeinsam im Elternhaus gewohnt? A: Nein, soviel waren wir nicht mehr. Die Schwester hat schon 1915 nach Vorarlberg geheiratet und die zwei Tan- ten waren beide schon gestorben. Vorher hat meine Schwester in einem Betrieb gearbeitet. Eben wegen dem Geld musste man halt damals verdienen gehen. F: Hat Ihr Mann auch im Laden gearbeitet? A: Weniger. Er hat etwas Landwirtschaft betrieben, das Heu eingebracht und etwas Vieh haben wir auch noch ge- habt. 119
        

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