müsse, sich deswegen kaputt zu machen - bei dem weni- gen, was da herausschaute! F. Verdienten Herrenschneider besser als Damenschnei- derinnen? A: Ich weiss es nicht. Es gab glaube ich fast nur Damen- schneiderinnen. Störnäherinnen hat es auch noch gegeben. F: Wann haben Sie als Damenschneiderin aufgehört? A: Das habe ich irgendwo aufgeschrieben. (Sucht in den Unterlagen). Ende 1939 habe ich als Damenschneiderin aufgehört. In der Präsidial-Anstalt war ich dann vom 2. Januar 1940 bis 30. Juni 1948. Und 1930 war ich in der Schweiz. Also habe ich mich Ende 1930 selbständig gemacht und Ende 1939 oder vielleicht auch etwas vorher habe ich als Damenschneiderin aufgehört. F: Wie kamen Sie zu Kundschaft? A: Die kamen von selber, immer mehr. Eines ums andere. Ich hatte einen guten Ruf und gute Kundschaft. Ein Teil der fürstlichen Familie zum Beispiel kam aus Wien zu mir, etwas nähen zu lassen. Ich hatte eine Kundschaft von Leuten, die es sich leisten konnten, etwas nähen zu las- sen, Frauen von Ärzten und so. F: Hatten Sie auch Kundschaft aus bescheideneren Ver- hältnissen? A: Doch, das hatte ich auch. Jedoch konnten die es sich eigentlich nicht leisten. Sie nähten eher selber, oder dann gab es eben die Störschneiderinnen, die ins Haus kamen. Diese arbeiteten aber nicht so schön, nicht so genau. F: Gab es denn damals überhaupt eine bessere, begüterte Schicht in Liechtenstein? A: Das hat es natürlich schon gegeben. F: Was waren das für Kreise? Eher Ausländerinnen oder Liechtensteinerinnen? A: Es sind sicher auch Liechtensteiner und Liechtenstei- nerinnen dabei gewesen. Es waren kaum Industrielle, aber zum Beispiel Rechtsanwälte und die, die beim Land angestellt waren, rechnete man auch dazu, und der Re- gierungschef und solche, die gutgehende Geschäfte besas- sen oder Restaurants. F: Hatten Sie eine Stoffauswahl oder brachten die Kun- dinnen den Stoff mit? A: Den haben die Kundinnen mitgebracht. Ich habe Modejournale gehabt. Die Kundinnen lasen sich etwas aus und brachten den Stoff mit. F: Hatten Sie auch Angestellte? A: Ein paar Mal hatte ich eine Arbeiterin, also eine ausge- lernte Damenschneiderin, die mir geholfen hat. Zuerst eine Frau W., die jetzt gestorben ist. Sie war eine Deut- sche. Und dann die Frau von H.G. Ich habe ein paar ge- habt. Dann nahm ich auch noch ein Lehrmädchen dazu. Die erste war S.G, dann G.S. und dann R.G. F: Wie waren die Arbeitsbedingungen für Ihre Lehrtöchter? A: Es gab glaube ich kein Lehrgeld und keinen Lohn. Sie ar- beiteten kostenlos. Die eine Lehrtochter hat bei uns zu Mit- tag gegessen, die anderen von Vaduz gingen nach Hause. 
F: Arbeitszeiten? A: Sie kamen um acht Uhr und hatten abends Feier- abend. Samstags wurde am Morgen gearbeitet. Jeder- mann arbeitete am Samstagmorgen. F: Gingen Ihre Lehrtöchter in die Gewerbeschule? A: Nein, sie haben nur bei mir gelernt. F: Waren Sie mit der Lehrlingskommission in Verbin- dung? A: Ich kann mich schlecht daran erinnern. F: Wurde die Einhaltung der Lehrvertragsbestimmungen irgendwie kontrolliert? A: Kontrollen gab es keine. Ja, wenn vielleicht jemand die Lehre nicht fertig machen oder austreten wollte, dann hätte man sich vielleicht schon an die Kommission ge- wandt. Aber, wenn alles glatt ging, hatte man bis zur Prü- fung eigentlich nichts mehr mit der Kommission zu tun. F: Waren Sie Mitglied beim Gewerbeverband oder später dann bei der Gewerbegenossenschaft? A: Man bezahlte einen Jahresbeitrag. Sonst kann ich mich nicht mehr an seine Funktion erinnern. Ich habe sonst nichts mit denen zu tun gehabt. F: Wissen Sie etwas vom Arbeiterverband? A: Von dem weiss ich gar nichts. F: Und vom Arbeiterinnenverband? A: Den kenne ich auch nicht. F: Hat sich für Sie die wirtschaftliche Situation in den dreissiger Jahren verschlechtert? A: Es war nicht schlechter. Ich hatte immer genug Arbeit. Viel Arbeit! F: War das Leben in den dreissiger Jahren also nicht schwieriger? A: Doch, man hatte kein Geld und bekam auch keines von der Bank. Wir wollten zum Beispiel, als meine Schwester heiratete, ein Darlehen aufnehmen, um das Haus zu reno- vieren. Die Bank sagte uns, dass sie das Geld nicht habe, trotz den Sicherheiten, die wir geben konnten. Man muss- te mit dem auskommen, was man hatte. Man war froh, überhaupt Arbeit zu kriegen. Dienstmädchen verdienten zwischen 30 und 50 Franken im Monat. Ich weiss noch von einer Ruggellerin. Sonntags hatte sie am Nachmittag ein paar Stunden frei; am Abend musste sie schon wieder dort sein und kochen. F: Welche Einstellung hatte man damals allgemein zur Frauenarbeit? A: Es gab dazumal ja sehr wenig Frauenberufe. Die mei- sten gingen in die Fabrik, in einen Dienst oder arbeiteten in einem Laden. Es hat zum Beispiel auch in der Schule keine Handarbeitslehrerinnen gegeben. Die Schwestern, die wir hatten, haben einfach auch Handarbeit gegeben. Das Arbeitsangebot war halt zum Beispiel beim Land,den Banken und in den Büros für Frauen schon kleiner als heute. F: Was hatte man für eine Einstellung zu Frauen, die wie Sie selbständig waren? 118
        

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