Einführung «Das hat dazumal nicht so ausgesehen, als ob wir den Laden selbständig führten.» METHODISCHES VORGEHEN Als erstes scheint es mir wichtig, die Begriffe Frau- enarbeit und Frauenlohnarbeit zu diskutieren. Beim Begriff Frauenarbeit schwingt im allgemei- nen Sprachgebrauch ein bestimmtes bürgerliches Rollenverständnis, die Vorstellung einer matur- gegebenem geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung mit. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung als ge- sellschaftliches und damit sich veränderndes und veränderbares Phänomen wird aus dieser Sicht negiert.1'1 Darüber hinaus stellt gemäss bürger- lichem Verständnis Frauenarbeit innerhalb der Kategorie Arbeit eine  dar: Sie beinhaltet nur die ausserhäusliche, bezahlte Er- werbsarbeit der Frau, die dem «natürlichen Wir- kungskreis der Frau», der häuslichen, unbezahlten Arbeit entgegensteht.2 Dieser häuslichen, unbe- zahlten Arbeit der Frau als Hausfrau, Gattin und Mutter wird der Arbeitscharakter weitgehend ab- gesprochen.3 Losgelöst von solchen ideologischen Aspekten ver- stehe ich hier unter Frauenarbeit nichts anderes als die von Frauen insgesamt im häuslichen und ausserhäuslichen Bereich geleistete Arbeit und un- ter Fvauenlohnarbeit die ausserhäusliche Erwerbs- arbeit. Ich versuche darum, neben der Frauenlohnarbeit, die - da am männlichen Arbeits- und Lebenszu- sammenhang orientiert - noch am ehesten wahr- genommen wurde, auch die von Frauen im häus- lichen Bereich geleistete Arbeit sichtbar zu ma- chen. Nur so ergibt sich ein den Realitäten einiger- massen entsprechendes Bild der von Frauen in der Zwischenkriegszeit geleisteten Arbeit. Gerade die häusliche Arbeit, die sich in Liechtenstein bei wei- tem nicht auf den Haushalt im engeren Sinne be- schränkte, wurde von offizieller Seite vielfach gar nicht, oder aber in verzerrter Art und Weise wahr- genommen. 
Daraus ergibt sich ein weiteres Ziel dieser Arbeit: die enge Verknüpfung der Frauenarbeit mit dem gesellschaftlichen Verständnis geschlechtsspezifi- scher Arbeitsteilung aufzuzeigen - einem Verständ- nis, das die Frauenarbeit nicht nur in ihrer tatsäch- lichen Ausgestaltung (z.B. Unterbezahlung), son- dern eben auch in ihrer gesellschaftlichen Wertung und Wahrnehmung (z.B. Übergangscharakter der Arbeit) prägt(e). Aus diesem Grunde versuche ich in der Einleitung den weiblichen Arbeits- und Le- benszusammenhang in Liechtenstein in seiner Ab- hängigkeit vom gesellschaftlichen Verständnis von Frauenarbeit, respektive den Geschlechterrollen, darzustellen. Weiter stelle ich den Kapiteln über die einzelnen Berufe jeweils ein Statuskapitel voran, das die gesellschaftlich-ideologische Ebene be- leuchten soll. Welches gesellschaftliche Ansehen, welche Einschätzung wurde dem Dienstmädchen, der Fabrikarbeiterin, der Damenschneiderin, der Händlerin und der Bäuerin entgegengebracht? In den jeweils folgenden Kapiteln zeichne ich dann ein Bild der konkreten Arbeitsbedingungen und der wirtschaftlichen Situation bzw. der Arbeits- marktverhältnisse in der Zwischenkriegszeit. Es ist mir also ein Anliegen, zum einen die von Frauen geleistete Arbeit, entflochten von der bürgerlichen Geschlechterideologie, darzustellen, zum anderen aber die Auswirkungen dieser Ideologie auf die Frauenarbeit zu beleuchten. In den beiden letzten Kapiteln des Hauptteiles un- terscheide ich zwischen Status und Stellung der Bäuerin, respektive der Händlerin. Während die Ausführungen zum Status den gesellschaftlichen Aspekt ins Zentrum stellen, betreffen jene zur (be- ruflichen) Stellung Fragen des Grads von Selbstän- digkeit, der Abhängigkeit von Männern und der zahlenmässigen Bedeutung der Frauen innerhalb der beiden Arbeitsbereiche. Diese Trennung scheint mir sinnvoll, da sich gerade in diesen bei- den Arbeitsbereichen zeigt, wie wenig sich der Sta- tus von der tatsächlichen beruflichen Stellung ab- leitete und wie stark er sich an der bürgerlichen Geschlechterideologie orientierte. Der Darstellung des Status der Bäuerin habe ich etwas mehr Platz eingeräumt, da sich hier meiner Einschätzung LO
        

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