Ottilie Walser-Ritter (1913-1987) als Servier- tochter im «Cafe und Weinstube Real» in Vaduz, um 1935 F = Frage A = Antwort 
KURZFASSUNG DES INTERVIEWS MIT O.W., HERBST 1986 F: Schulbildung? A: Ich bin in Mauren in die Alltagsschule, Fortbildungs- schule und Christenlehre habe ich nicht gemacht, weil ich da schon an einer Stelle war und man sie dann nicht mehr machen musste. F: Was hatten Frauen für Möglichkeiten nach der Schule? A: Entweder hat man in die Fabrik können oder man musste in einen Dienst. ... Früher hat ja niemand Geld gehabt, oder wenig Geld. Mein Vater war Bauer und dann ist er Gemeindekassier gewesen und da hat man einen ganz kleinen Lohn gehabt - mit sechs Kindern. Das ist natürlich nicht so einfach! F: Andere Möglichkeiten als die Arbeit als Dienstmäd- chen oder Fabrikarbeiterin haben Sie nicht gesehen? A: Nein, nein. Früher haben Mädchen selten einen Beruf gelernt. F: Dachten Sie nie an eine Ausbildung? A: Ich glaube weniger - man musste halt schaffen gehen. F: Sie haben die Möglichkeit des «Dienens» gewählt? A: Ja, in die Fabrik wollte ich einfach nicht. Ich bin lieber dienen gegangen. F: Warum? A: (überlegt) Daheim hat man halt immer — wenn man aus der Schule heimgekommen ist - im Haushalt helfen müssen. Ich bin die Älteste gewesen, der Jüngste war mehr als 10 Jahre jünger, da musste man Windeln wa- schen, auf die Kinder aufpassen, und da bin ich eigentlich fast lieber fortgegangen. F: Warum wollten Sie nicht in die Fabrik? A: Ich habe gedacht, dass ich nicht den ganzen Tag in einem Raum eingesperrt sein möchte. Das hätte ich nicht können - und ich mache gern den Haushalt. F: Wie ging die Arbeitssuche vor sich? A: Da hat einmal jemand von Zürich geschrieben. (Wir haben jemand in Zürich gekannt.) Die haben geschrieben, ob ich kommen wolle. Sie hatten ein Kind und dann musste ich ab und zu in der Küche helfen, abwaschen und mit dem Kind spazieren gehen. Es war eigentlich ganz schön. Verdient habe ich 50 Franken. Das war ja damals viel - in der Fabrik haben sie ja im Monat nicht 50 Fran- ken verdient. Und Essen und Schlafen und alles! ... Ich war fast 5 Jahre an der gleichen Stelle. Dann bin ich auf Rigi in ein Kinderheim. Und nach einem Jahr bin ich auf Rigi Kaltbad gegangen auch zu zwei Kindern. Nachher habe ich eine Weile im Cafe Real serviert und nachher fünf Jahre im Cafe Risch. Danach habe ich geheiratet. F: Wie lange waren Sie in der Schweiz? A: Bis 1935, und 1941 habe ich geheiratet. F: Vereinbarungen, Vertrag an Ihrer ersten Arbeitsstelle in der Schweiz? 110
        

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