DIE SCHAFFUNG VON INDIREKTEN STEUERN Auf Vorschlag des ständischen Landtages beschloss Fürst Johann I. eine Hundesteuer einzuführen, die jedoch für die Staatseinnahmen keine grosse Be- deutung erreichte. Zu Beginn der 1830er Jahre wurde eine Salzsteuer eingeführt, die zunächst sehr niedrig gehalten wurde. Als aber Liechten- stein 1836 ein Kontingent aufstellen und ausrüsten musste, wurde diese Steuer schlagartig auf ein Vielfaches erhöht. Sie zählte in der Folge zu den wichtigsten Landeseinnahmen. Eine weitere Erhö- hung der Salzsteuer fand im Zusammenhang mit dem Zollanschluss an Österreich statt.30 Wie die Gebühren stellte die Salzsteuer im Grunde eine un- soziale Steuer dar, die vor allem die meist ohnehin armen Untertanen traf, die Landesherrschaft und die Grundherren jedoch schonte. DIE GEFÄLLE ALS FÜRSTLICHE PRIVAT- EINNAHMEN Bis 1808 bildeten alle Regalien und nutzbaren Ho- heitsrechte ein unbestrittenes Recht der Landes- herrschaft. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts sämtliche Verwaltungskosten auf die Untertanen abgewälzt wurden, erhoben diese nach dem Bei- spiel anderer deutscher Staaten Anspruch auf ver- schiedene landesfürstliche Gefälle. Der Fürst hatte zwar die verschiedenen Taxen und Gebühren zu Staatseinnahmen erklärt, beanspruchte jedoch die Zoll-, Weg- und Umgelder, das Jagd- und Fischerei- regal, die «behöbte Steuer» und die verschiedenen Feudallasten31 weiterhin als landesfürstliche Pri- vatrechte. Zwischen 1807 und 1811 wurden die Zoll- und Weggelder wiederholt erhöht.32 Im Vor- märz forderten die Untertanen mehrmals die Über- lassung der Zoll- und Weggelder, die zusammen mit dem Umgeld (einer Getränkesteuer) jährlich mehrere Tausend Gulden in die fürstliche Rent- kasse fliessen Hessen.33 Von Landvogt Schuppler wurde die Auffassung, dass diese Gefälle fürstliche Privateinnahmen dar- stellten, damit begründet, dass die Obrigkeit diese 
beim Erwerb des Fürstentums habe bezahlen müs- sen, was auch bei andern kleinen Fürstentümern nicht selten der Fall gewesen sei: «Denn alle Rech- te, die die Obrigkeit an sich kauft, sind nicht mehr Landeseinkünfte, sondern Herrschaftserträgniss, weil Staatsrechte, wenn sie es sein sollen, unver- äusserlich sind, und von den Regenten nicht qua Privatbesitzer sondern qua Staatsoberhaupt in Ausübung gesetzt werden sollen, was bei dem Für- stentum der Fall nicht ist.»34 Die Empörung der Untertanen über diese Argu- mentation kommt im «Politischen Tagebuch» des Amtsboten Johann Rheinberger mit aller Deutlich- keit zum Ausdruck. Er warf den «Herren Staatsre- formatoren Hauer und Schuppler» vor, die Sache nicht reiflich erwogen zu haben oder aber «zwei- fache Schurken» zu sein, die die fürstlichen Renten auf Kosten des staatlichen Eigentums erhöhen wollten. «Mit redlichen Augen mag einmal dieser Gegenstand nicht überblickt worden sein, sonst hätte denselben doch unmöglich entgehen können, dass die Zölle, die Weggelder, die Umgelder, die ge- meine Landes- und Behöbte-Steuer Gefälle sind, welche schon durch ihre Natur mit dem Gepräge der Staatsgefälle versehen wurden.»35 In einer ähnlich scharfen Form verurteilte auch Pe- ter Kaiser in seinem «Exposee über die liechten- steinischen Staatsregalien» von 1843 die fürst- lichen Ansprüche auf die Gefälle. Er ging davon aus, dass die Rechte und Pflichten der Herrschaft und des Volkes 1614 durch einen Vertrag festgelegt wurden, der vom Fürsten eigenmächtig zum Nach- teil des Volkes verändert worden sei. «Als der Fürst souveräin wurde und die Ausscheidung dessen ge- schah, was Privatgut desselben und was Staatsgut sein sollte, wurden die früheren Verträge eigen- mächtig aufgehoben, dem Lande einige wenig ein- trägliche Posten zugeschrieben, das übrige zum Privatgut des Fürsten geschlagen, dem Lande alle Lasten, die aus dem Verhältnis zum deutschen Bund hervorgehen, wie auch grossentheils die Un- terhaltung der Beamten zugewiesen.» Die Aus- scheidung des fürstlichen Privatgutes vom Staats- gut hätte nach seiner Meinung durch einen Vertrag zwischen Volk und Fürst geregelt werden müssen, 88
        

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