VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN BEAMTENVERHÄLTNIS / PAUL VOGT seph Gross wurde ein ausgebildeter Forstbeamter angestellt, der im Rang einem Beamten gleichge- stellt war. Als Hauptaufgabe von Gross galt die Ver- messung der Wälder. Die Aufsicht über die obrig- keitlichen Wälder trugen weiterhin ein Waidjunge und ein Waldaufseher. Als Zoll- und Weggeldeinzieher wurden vertrau- enswürdige Personen angestellt, die in den Grenz- orten an den Haupt- und Nebenstrassen ein Haus besassen. Sie hatten die sogenannten «Zollpolle- ten» auszustellen und den Einzug der Gelder zu be- sorgen.67 In Vaduz war bis 1816 ein «Hauptzollein- nehmer» angestellt, der den durchkommenden Verkehr zu kontrollieren hatte. 1816 wurde diese Aufgabe dem Amtsschreiber übertragen, 1819 dem Grundbuchführer. Es ist bezeichnend für den Spar- willen, dass die Übertragung dieses Dienstes an ei- nen Beamten nur dazu erfolgte, um das Einkom- men des betreffenden Beamten aufzubessern und nicht, um den Zolleinzug besser zu organisieren.68 Als Wirtschaftsbedienstete im eigentlichen Sinn galten der Schlossküfer, die Weingartenaufseher und Torkelmeister in Vaduz, Mauren und Eschen und der Ziegler in Nendeln. Weitere Diener waren ein Schlosstorwart (Kanzleidiener), ein Rentamts- exequent (Zehenteinzieher), ein Nachtwächter, ein Kaminfeger und ein Scharfrichter. Wie die Beamten standen auch die Diener zu Be- ginn des 19. Jahrhunderts in einem persönlichen Treueverhältnis zum Dienstherrn. Bei ihrem Diensteintritt leisteten sie einen feierlichen Eid auf den Namen Gottes und des Fürsten, wobei sie sich verpflichteten, stets das Beste für die Obrigkeit zu wollen und Schaden von ihr abzuwenden. Über die Anstellung der Diener entschied die Hof- kanzlei, wobei sie jedoch in der Regel dem Vor- schlag des Oberamtes zustimmte, Die Besoldung bestand wie bei den Beamten aus einem fixen Geldbetrag, Akzidentien und Naturalien, wobei darauf geachtet wurde, dass die Akzidentien den Hauptteil ausmachten. Der Jäger und die Waldauf- seher erhielten neben einem fixen Gehalt «Schuss- gelder», deren Höhe sich nach Art und Zahl des er- legten Wildes richtete. Der Schlossküfer erhielt 
ebenfalls ein fixes Gehalt und dazu einen Schank- lohn, der nach der ausgeschenkten Menge Wein bemessen wurde. Die Weg- und Zollgeldeinnehmer erhielten kein fixes Gehalt, sondern nur einen be- stimmten Anteil (10 oder 12 Kreuzer vom Gulden) an den abgelieferten Geldern. Ebenso richtete sich die Entschädigung für Zehentsammler, Weingar- tenaufseher und Torkelmeister hauptsächlich nach dem Ertrag ihrer Tätigkeit.69 Eine persönliche Bindung an den Dienstherrn er- gab sich vor allem durch das Auswahlverfahren. Ein bestimmter Dienst wurde oft während Genera- tionen von der gleichen Familie ausgeübt. Hatte sich ein Vater durch seine treuen Dienste verdient gemacht, so ging in der Regel der Dienst an seinen Sohn oder auch an eine Tochter oder an die Witwe über. Dazu einige Beispieles: 1790 bat der betagte Schlossjäger Andreas Hartmann den Fürsten, den Jägerdienst seinem Schwiegersohn Hannibal Jenny zu verleihen. Dieser erhielt den Dienst, starb aber bereits nach 4 Jahren bei einer Gemsenjagd. Da meldete sich ein Johann Anton Pfiffner aus Wangs, der die Witwe unter der Bedingung heiraten wollte, dass er die Jägerstelle erhielt. Auf Ansuchen des al- ten Hartmann wurde diese Bitte gewährt. Nach 59) Menzinger an Fürst am 12. 12. 1860. LLA RC 69/16. 60) So etwa Peter Kaiser in seinem Exposee über die liechtensteini- schen Staatsregalien vom 30. 11. 1843. LLA Peter Kaiser-Akten. 61) Menzinger an Fürst am 10. August 1840. LLA RC 69/16. 62) Steuerverordnung vom 22. 4. 1807, § 10. 63) Menzinger an Fürst am 20. Dezember 1858. LLA RC 69/16. 64) HK an OA am 10. 11. 1859 LLA RC 69/16. 65) Dienstinstruktion von 1719, Caput II, §§ 1-6. LLA A>M 4. - «Stand der verschiedenen obrigkeitlichen, landschaftlichen und an- deren Dienststellen im souverainen Fürstenthume Liechtenstein». Undatiert. (Um 1810). LLA RB Fasz. B 2. 66) HK an OA am 1. April 1812. LLA RB B 2. 67) Zur Zollorganisation siehe Alois Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 358 ff. 68) Menzinger an Fürst am 10. 5. 1838. LLA RC 60/14. 69) Die Anstellungsbedingungen gehen jeweils aus den Personalak- ten hervor. LLA RB Fasz. B 3. 81
        

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