schiede berücksichtigt werden: Erstens waren die Beamten nur wenig mit Wirtschaftsangelegenhei- ten, mit der «Ökonomie», beschäftigt, Akzidentien konnten also nicht den gleichen Stellenwert erhal- ten. Zweitens waren die Lebenshaltungskosten in Liechtenstein wesentlich höher, und drittens wur- den die Beamten zu einem grossen Teil nicht aus den fürstlichen Renten, sondern aus den Steuern besoldet. Grundsätzlich sollte den Beamten der gleiche Lebensstandard wie auf den fürstlichen Herrschaften zugestanden werden. An der Auftei- lung der Bezüge der Beamten in ein festes Geldge- halt, in Akzidentien und in Naturalien wurde im Fürstentum grundsätzlich festgehalten. Für die fürstlichen Herrschaftsbeamten betrug der Anteil der Akzidentien an den gesamten Geldbezü- gen (ausgenommen bei den Schreibern und Amts- schreibern) jeweils mindestens die Hälfte. Dieser Anteil fiel in Vaduz bedeutend geringer aus. Als Ak- zidentien erhielten die Beamten in Vaduz einen prozentualen Anteil an den verschiedenen Taxen, Gebühren und andern Abgaben. Der Landvogt er- hielt beispielsweise einen Anteil an den Gerichtsta- xen, der Grundbuchführer an den Grundbuchsta- xen, der Rentmeister an den Umgeldern, der Amts- schreiber an den Ausstellungsgebühren für die Pässe usw. In den 1840er Jahren betrugen diese Akzidentien für jeden dieser Beamten etwas über 100 Gulden.44 Beim Grundbuchamt und im Ge- richtswesen wiesen diese Taxen jedoch eine stark ansteigende Tendenz auf. Durch diese Taxanteile - die Taxen waren bei den Untertanen ganz allge- mein verhasst - gerieten die Beamten in den Ge- ruch der «Taxjägerei». So schrieb etwa Landesver- weser Menzinger 1856 an den Fürsten: «Weil je- doch die Taxen überhaupt dem Volke verhasst sind, und dasselbe von der Meinung nicht abzubringen ist, dass sie willkührlich bezogen werden, so stellt sich dieser Bezug für den Beamten nicht nur sehr unangenehm heraus, sondern setzt ihn als Taxjä- ger in seinem Ansehen herab.»45 Menzinger drang daher bei der Anstellung Kesslers als Regierungs- amtsadjunkt darauf, dass dieser keine Taxanteile mehr erhielt. Er schlug vor, dass alle von Kessler bis dahin bezogenen Taxen in die Landeskasse 
fliessen sollten und dass Kessler dafür ein höheres fixes Gehalt erhielt. Die Hofkanzlei stimmte diesem Vorschlag zu. Vergleicht man die Höhe der gesamten Geldbezüge der Beamten in Vaduz mit denen der übrigen Herr- schaftsbeamten, so fällt auf, dass die Beamten in Vaduz (nach der Umrechnung von Reichswährung in Conventionsmünze) bedeutend höhere Geldbe- züge erhielten. Der Unterschied betrug zwischen 30 und 80 Prozent nach der Neuregulierung der Gehälter im Jahre 1841. Der Grund dafür war, dass die Lebenshaltungskosten nach Angaben des Land- vogts in Vaduz bedeutend höher waren als auf den fürstlichen LIerrschaften.46 Trotz dieser höheren Geldbezüge beklagten sich die Beamten in Vaduz häufig über die «hierortige Theuerung», die ihnen ihr Einkommen wesentlich schmälere. Eine Anpas- sung der Besoldungen an diese Teuerung wurde im hier untersuchten Zeitraum nur dreimal vorge- nommen: Das erste Mal wurden die Gehälter an- lässlich der Reorganisation der Landesverwaltung im Jahre 1808 neu festgelegt.47 Eine Anpassung an die Teuerung erfolgte dann erst 184148 und ein wei- teres Mal im Jahre 1859.49 Wie die Beamten auf den fürstlichen Herrschaften hatten die Beamten in Vaduz Anspruch auf be- stimmte Naturalien. Zum Teil konnten diese aus den Zehnterträgen gedeckt werden, zum Teil muss- ten sie aber in Geld abgelöst werden. Für die Ablö- sung wurde folgende Verrechnungsgrundlage ge- wählt: Ausgangspunkt war der Durchschnittspreis des betreffenden Produkts in den letzten 10 Jahren auf dem Markt in Feldkirch, wozu dann noch die Transportkosten von Feldkirch nach Vaduz gerech- net wurden.50 Die Beamten hatten auch in Vaduz Anspruch auf eine kostenlose Wohnung und auf ein bestimmtes Quantum Brennholz, um ihre Wohnung zu behei- zen. In Vaduz besass die Herrschaft lediglich drei Wohnungen, die als Beamtenquartiere geeignet waren: Der Landvogt wohnte im Amthaus, das auch Landvogtei genannt wurde, der Rentmeister wohnte im Renthaus, und der Grundbuchführer wohnte bis 1839 im sogenannten «Tschakaturm». Das Amthaus und das Renthaus waren sehr geräu- 78
        

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