ergänzt wird.7 Im ganzen handelt es sich weniger um neue Erkenntnisse im Bereich von Ereignissen und Fakten als um neue Fragestellungen und Per- spektiven. Dies im Hinblick darauf, dass für die komplexe Problematik einer umfassenden Ge- schichte der Grafen von Werdenberg eine wesent- lich eingehendere Neuerforschung, als sie hier ge- boten werden kann, erwünscht wäre. 
ZUM INHALT DER URKUNDE VOM 3. MAI 1342 In der sogenannten Teilungsurkunde vom 3. Mai 1342 bestätigen die gräflichen Brüder Hartmann (III.) und Rudolf (IV.) von Werdenberg, was fünf Ge- währsleute über die Ausscheidung ihrer gemeinsa- men Güter beurkundet haben, und sie künden ihr Siegel an. Am Original, das sich heute im bischöf- lichen Archiv zu Chur befindet, ist das von Rudolf eingehängte Siegel noch vorhanden. Im allgemei- nen wird angenommen, das Original sei durch ei- nen Nachfahren der Werdenberg-Vaduzer, durch Hartmann IV, 1388-1416 Bischof von Chur, dort- hin gelangt; ebensogut möglich wäre, dass es schon zur Zeit des in der Urkunde an erster Stelle genannten Bischofs Ulrich den Weg ins Archiv ge- funden hat. Die Tatsache, dass der Vertrag über- haupt überliefert ist, legt nahe, dass später erneut Probleme auftauchten und die Urkunde als Beweis- stück zu dienen hatte. Was steht nun tatsächlich in dieser Urkunde? An Gesichertem nicht eben viel. Zunächst bedarf die heute übliche Bezeichnung als Erbteilung der Diffe- renzierung. «Teilen» bedeutete im Mittelalter in er- ster Linie «Anteil haben» an einem Ganzen, wobei zudem dieses Ganze häufig nicht vollständig zer- teilt wurde. Dies illustriert etwa der ausführliche Teilungsvertrag der Grafen von Montfort im Jahre 1319, in dem explizit festgehalten wurde, dass die zur Herrschaft gehörigen Dienstleute, Wildbänne und Mannlehen 
weiterhin ungetaüet sint.s Noch wichtiger ist in unserem Falle etwas anderes: Beur- kundet wurde nicht ein einvernehmlicher Teilungs- akt der beiden Brüder, sondern offensichtlich eine schiedsgerichtliche Entscheidung, die am 3. Mai 1342 möglicherweise ergänzt oder aktualisiert worden ist. Die Parteizugehörigkeit der Schiedsleu- te ist allerdings nicht explizit genannt, ebensowe- nig ist der Obmann bezeichnet; gerade das weist daraufhin, dass der Schiedsspruch (und noch eher die Teilung selber, diese wohl nur mündlich) schon einige Zeit vorher erfolgt sein könnte. So oder so handelt es sich um den formellen Ab- schluss einer Schlichtung. Die Ausgangslage er- 4
        

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