VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN OBERAMT IN VADUZ / PAUL VOGT Den Mangel an Schreibern beklagte auch Landvogt Michael Menzinger. Um die Dringlichkeit der An- stellung eines weiteren Schreibers zu unterstrei- chen, schrieb er 1836 an die Hofkanzlei, dass die Beamten seit einigen Jahren durch Aussenste- hende Abschriften auf eigene Kosten erstellen las- sen mussten.47 Die Hofkanzlei bewilligte schliess- lich, dass der Schaaner Lehrer Sebastian Dünser als provisorischer Kanzlist angestellt wurde. 1838 bat der Landvogt, Sebastian Dünser definitiv anzu- stellen. Er begründete diese Bitte damit, dass das Bemühen, die Dienstvorschriften und die Gesetze genau zu erfüllen, für die Beamten eine immer grössere Belastung darstellte. Besonders beim Rent- und Grundbuchamt werde eine immer grös- sere Genauigkeit verlangt.48 Die Hofkanzlei bewil- ligte darauf die Schaffung einer weiteren Beamten- stelle. Ein Anliegen, dem Fürst Alois besonderes Ver- ständnis entgegenbrachte, war die Verbesserung der Waldwirtschaft. Bis 1837 führte jeweils ein Jä- ger die Aufsicht über die obrigkeitlichen Wälder. Als Menzinger 1837 vorschlug, einen Mann mit or- dentlichen Forstkenntnissen nach Vaduz zu verset- zen, stimmte der Fürst diesem Vorschlag sogleich zu. Er versetzte 1838 Joseph Gross als Gehegberei- ter nach Vaduz und schuf so eine weitere Beamten- stelle.49 1848 richtete sich der Unmut der Untertanen gegen die fremden Beamten. Die Nachrichten über meu- ternde Truppen in Sigmaringen wurden in Liech- tenstein mit Wohlgefallen aufgenommen. Die Liechtensteiner forderten die völlige Abschaffung des Militärs. Die Offiziere des liechtensteinischen Kontingentes - drei Ausländer - Hessen sich noch rechtzeitig beurlauben und konnten sich so vor ei- ner bereits beschlossenen schimpflichen Vertrei- bung retten.50 Von den Beamten hatte sich der Kanzlist Johann Langer, der die Untertanen bei Wuhr- und Strassenbauten häufig zu beaufsichti- gen hatte, besonders verhasst gemacht. Durch sein arrogantes Auftreten und seine spöttischen Reden soll er die Untertanen häufig gereizt haben. Am 15. April 1848 versammelte sich ein «Revolutions- zug», der Langer in der Kanzlei in Vaduz abholte 
und ihn unter Spott und Trommelschlagen51 an die österreichische Grenze stellte. Der Waldbereiter Jo- seph Gross flüchtete daraufhin mit seiner Familie nach Buchs und der Amtsschreiber Fridolin Müller nach Feldkirch.52 Gross und Müller kehrten zwar noch einmal kurz nach Vaduz zurück, als sich die Unruhen etwas gelegt hatten, verliessen aber im Sommer 1848 das Land endgültig. Die 1848er Bewegung führte zu einem eigentlichen Einbruch in der staatlichen Verwaltung. Die Stellen der drei vertriebenen Beamten wurden nicht mehr besetzt. Das Regierungsamt, wie das Oberamt nun genannt wurde, bestand wie zu Beginn des 39) HK an OA am 3. August 1816. LLA RB Fasz. B 3. 40) Schuppler an Fürst am 24. November 1824. LLA RB Fasz. R 1. 41) Schmieth erhielt jährlich 599 Gulden Bargeld und folgende Na- turalien: 24 Viertel Körner, 30 Viertel Türken, 60 Viertel Wein, 50 Viertel Schmalz, 16 Klafter Holz. Goldner erhielt noch 300 Gulden Bargeld, 12 Viertel Spelzkörner, 6 Viertel Gerstenkorn, 15 Viertel Türken, 20 Viertel Wein, 8 Klafter Holz. HK an OA am 3. August 1816. LLA RB Fasz. 3. 42) Zelinka erhielt 300 Gulden Bargeld, Kirchthaler 200 Gulden. Kirchthaler erhielt die gleichen Naturalien wie der Rentschreiber. Die fixe Geldentschädigung, die der Hauptzolleinnehmer bis dahin erhalten hatte, wurde eingespart. Div. Akten im LLA RB Fasz. B 3. 43) OA an HK. LLA RB Fasz. B 3. 44) OA an Fürst am 2. September 1825, LLA RB Fasz. R 1. 45) Korrespondenz über die Anstellung eines weiteren Beamten in LLA RC 5/29. 46) Pokorny an Fürst am 25. März 1832. LLA RC 24/4 47) Menzinger an Fürst am 1. Juli 1836. LLA RC 52/ 8. 48) Menzinger an Fürst am 21. Februar 1838, LLA RC 52/8. 49) Korrespondenz über die Anstellung des Waldamtsbeamten in LLA RC 58/2. 50) Geiger, S. 74. 51) Gustav Matt beschrieb die Vertreibung des Beamten Langer nach der mündlichen Überlieferung: «Vor einem Gasthaus in Schaan machten die Burschen halt, um einen Trunk zu nehmen. Hier war es, wo diese Jungburschen dem hochmütigen Beamten, dem Verach- ter des Volkes, eine empfindliche Demütigung bereiteten. Angesichts des zusammenströmenden Volkes stellten sie ihn vor eine Futter- krippe mit Heu und sagten:  Dann führten sie ihn vor den nächsten Dorfbrunnen und hier hiess es:  Hernach zog die Schar der Grenze zu.» Gustav Alfons Matt, Der Trümmelihans von Balzers. LLA Sammlung Matt. 52) Geiger, S. 77. 65
        

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