VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN VERFASSUNGSRECHTLICHE GRUNDLAGEN / PAUL VOGT der Untertanen erlassen und bezweckten die För- derung des «allgemeinen Wohlstandes».9 Die Un- tertanen sollten sich kein Urteil über diese Vor- schriften anmassen, sondern diesen in dankbarer Anerkennung und liebevoller Treue nachkommen. Zumindest unter Fürst Johann I. hielt man eine weitere Begründung nicht für nötig, die Untertanen hatten zu gehorchen und sollten notfalls auch zum eigenen Glück gezwungen werden.10 Unter Alois II. ergab sich insofern eine Veränderung im Herr- schaftstil, als nun die Untertanen auch «belehrt» werden sollten. So wurde 1841 das Oberamt ange- wiesen, die Untertanen (die eine Delegation nach Wien geschickt hatten, um dem Fürsten ihre Anlie- gen vorzutragen) «wohlmeinend über die väter- lichen Gesinnungen Seiner Durchlaucht zu beleh- ren und ihnen zu bedeuten, dass die Interessen des Landes und die auf selbe wahrhaft wohltätig wir- kenden Massregeln fortan die Gegenständ der reif- lichsten Prüfungen seien, daher in ihrer successi- ven Entwicklung mit Vertrauen und in Beruhigung zu erwarten.»11 Schliesslich muss noch auf den patrimonialen Cha- rakter der Herrschaft hingewiesen werden. Das Fürstentum wurde als ein Familienfideikommiss angesehen, über das der regierende Fürst als Majo- ratsherr verfügen konnte. Staat und Herrscher wa- ren identisch. Die Aufnahme in das Staatsbürger- recht erfolgte als eine Aufnahme in den Unterta- nenverband: Der Ausländer musste sich mit 25 Gulden in den Untertanenverband einkaufen und einen Untertaneneid leisten, in dem er dem Für- sten Treue schwor. DIE BESEITIGUNG DER GERICHTE UND DER LANDSTÄNDISCHE LANDTAG Noch im 16. Jahrhundert wurden wichtige landes- herrliche Rechte von den Vertretern der beiden Landschaften ausgeübt. Jede Landschaft stellte ei- nen Landammann, 12 Richtern, und einen Land- weibel. Diese Gerichte übten zusammen mit dem Landschreiber die hohe und niedere Gerichtsbar- keit aus, nahmen polizeiliche Aufgaben wahr und 
besorgten das Vormundschaftswesen. Der Land- ammann hob die Steuern ein, bot die Landwehr auf und hatte das Recht, öffentliche Urkunden zu siegeln. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die Kompeten- zen der Gerichte zunehmend eingeschränkt. Die Gerichtsbarkeit ging in die Kompetenz der landes- herrlichen Beamten über. Nach dem Übergang der beiden Landschaften an die Fürsten von Liechten- stein sollten die alten Institutionen durch eine Ver- waltungsreorganisation völlig beseitigt werden. Nach einem heftigen, jahrelangen Konflikt zwi- schen den Untertanen und den landesfürstlichen Beamten gestand der Landesfürst «ohne Zustehung der geringsten Rechte auch bloss allein aus einer Gnad»12 das Weiterbestehen der Gerichte zu. Die Gerichtsbarkeit ging jedoch endgültig in die Kom- petenz der landesfürstlichen Beamten über. Die Landammänner behielten lediglich das Recht zum Beisitz an den oberamtlichen Verhörtagen. Bei der Urteilsfassung konnten sie nicht mehr mitwirken. Wichtige Funktionen verblieben den Landam- männern jedoch beim Steuereinzug und beim Auf- gebot der Mannschaft. 5) Dienstinstruktion von 1748, Teil I «Administrirung Unserer Juris- dictionalien und Regalien», Art. 1. LLA NS 1748. 6) Zit. nach Huber, Dokumente, Bd. 1, S. 30. 7) Helbling, Österreichische Verfassungs- und Verwaltungsge- schichte, S. 262 und 302. - Lediglich für Tirol wurde 1816 eine neue Verfassung erlassen, nachdem das Land von 1806 bis 1814 unter bayerischer Herrschaft gestanden hatte: «Den wiederhergestellten Ständen) wurde nur das Recht der Evidenzhaltung, Repartierung und Einhebung der Grundsteuer nach kaiserlichen Vorschriften, nicht aber das Recht der Besteuerung eingeräumt und anstatt des vormaligen Einflusses auf die Gesetzgebung das Recht, im Namen des Landes Bitten und Vorstellungen zu erheben und Deputationen nach vorheriger Genehmigung an das Hoflager zu senden.» Bunds- mann, Politische Verwaltung, S. 160. 8) Schuppler an Fürst am 12. März 1818. LLA RB Fasz. L 6. 9) Diese Begründungen werden in den Präambeln vieler Gesetze und Verordnungen gegeben. 10) So die Artikel zwei bis fünf der Dienstinstruktion von 1808. LLA RB Fasz. G 1. 11) Fürst an 0A am 14. Dezember 1841, LLA RC 69/14. - Vgl. auch Quaderer, S. 111. 12) Erlass vom 25. September 1733. Zit. nach Feger, Fürst Wenzel, S. 96. 53
        

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