Behörden» geschaffen, die regelmässige «Lokali- sierungen» auf allen Herrschaftsämtern durchfüh- ren mussten. Sie hatten dabei ganz allgemein den Zustand der Herrschaft, die Zweckmässigkeit der Verwaltung und die Zuverlässigkeit der gemachten Angaben zu überprüfen.34 Das Fürstentum Liech- tenstein wurde von diesen Behörden nicht inspi- ziert, da die räumliche Entfernung zwischen dem Fürstentum und den übrigen Herrschaften zu gross war. Eine regelmässige Kontrolle des Fürstentums durch Inspizionsbeamte wäre wegen der damit verbundenen Reisekosten zu kostspielig gewesen und hätte den Aufwand nicht gelohnt. Eine einge- hendere Darstellung dieser Kontrollbehörden er- übrigt sich deshalb im Rahmen dieser Arbeit. DIE HERRSCHAFTSÄMTER Die Zahl der Beamten auf den verschiedenen Herr- schaften hing stark von deren Grösse ab. Im allge- meinen galt der Grundsatz, dass der Aufwand möglichst beschränkt werden sollte, trotzdem soll- ten nirgends weniger als zwei Beamte, wovon der eine für den «faktischen Dienst» und der andere für die Verrechnung zuständig war, eingesetzt wer- den.35 Der Amtsvorsteher war Leiter der Herrschaft und hatte die übrigen Beamten zu überwachen.36 Träger der Amtsgewalt war jedoch nicht der Amts- vorsteher, sondern das «Gremio des Amtes»,37 d.h. alle Beamten einer Herrschaft. Die liechtensteinischen Herrschaftsverwaltungen erfüllten im Vormärz eine doppelte Funktion: Ei- nerseits hatten sie die grundherrlichen Rechte und den Besitz möglichst gewinnbringend zu nutzen, andererseits nahmen sie auch staatliche Funktio- nen in der österreichischen Lokalverwaltung wahr. In der Hauptinstruktion von 1838 wurden folgende Ziele für die Herrschaftsverwaltungen formuliert: «1. Die Erhaltung und Verbesserung aller meiner Besitzungen und der damit verbundenen Gerecht- same in ihrer Integrität. 2. Die möglichst hohe Benützung derselben. 3. Die nothwendige Fürsorge für das Wohl meiner Unterthanen und die gesetzliche Besorgung des öf-fentlichen 
Dienstes, in so ferne dieser in meine Ad- ministration mit eingreifet.»38 Die Untertanen sollten «auf das gerechteste und mit der möglichsten Schonung behandelt» werden, andererseits wurde aber auch die Erwartung aus- gesprochen, dass die Untertanen «diese schonende und milde Behandlung dankbar anerkennen, und alles aufbieten werden, um zur gehörigen Zeit das- jenige zu leisten, was mir gesetzlich als Entschädi- gung für die kostspielige Ausübung der Patrimo- nial-Gerichtsbarkeit und der grundherrlichen Be- sorgung ihrer sonstigen Angelegenheiten ge- bührt.»39 Ein wichtiger Bestandteil des Schutzge- dankens war auch die Gnade des Grundherrn: Der Fürst sei gerne bereit, bei unverschuldeten Un- glücksfällen «Gnade dem strengen Rechte vorwal- ten (zu)lassen», allerdings könne er das nicht, «wo die Armuth auf bleibenden Verhältnissen be- ruht.»40 Die Grundherrschaften hatten im späteren Mittelal- ter die Funktion einer untersten Verwaltungsbe- hörde übernommen und erfüllten folgende öffent- liche Aufgaben: Sie übten die örtliche Polizeigewalt und die Patrimonialgerichtsbarkeit aus, sie führten die Grundbücher, nahmen Verlassenschaftsab- handlungen vor, besorgten die Waisen- und Depo- sitenämter und zogen die Steuern ein.41 Der öffent- liche Charakter und die Macht der Grundherrschaf- ten wurde noch dadurch gefestigt, dass der Grund- herr auch häufig die Patronatsrechte und -pflichten ausübte. Blieben die Grundherrschaften in ihrer Grund- struktur bis 1848 erhalten, so wurden sie doch, in- soweit sie öffentliche Aufgaben erfüllten, seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend einer staat- lichen Kontrolle unterstellt. 1749 wurden die Kreis- ämter geschaffen, und damit begann der Staat eine «politische» Verwaltung auf dem Lande aufzu- bauen. Die patrimoniale Gerichtsbarkeit wurde im- mer mehr der Kontrolle und Einwirkung der Kreis- ämter unterstellt. Die herrschaftlichen Beamten, die die Gerichtsbarkeit ausübten, mussten staat- liche Prüfungen ablegen und wurden vom Staat vereidigt, sie wurden aber weiterhin vom Grund- herrn angestellt und besoldet.42 48
        

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