VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN FÜRSTLICHE VERWALTUNG / PAUL VOGT Dieser Übergang ging nur langsam vor sich. Oft waren Adelige über Einzelheiten ihres Einkom- mens nur sehr oberflächlich informiert.»16 Dieses vermehrte Eingreifen der Fürsten in die Verwaltung ihres Besitzes lässt sich auch durch ei- nen Vergleich der Ausbildung der regierenden Fürsten des Hauses Liechtenstein belegen. Im 18. Jahrhundert durchliefen alle Fürsten eine mili- tärische Ausbildung, mehrere von ihnen standen in höchsten politischen und militärischen Ämtern im Dienst des Kaisers. Nach Wurzbach rührte der «blendendste Glanz» des Hauses von seiner fast sprichwörtlich gewordenen Tapferkeit her.17 So wurde auch Fürst Johann I. (geb. 1760, gest. 1836, Regierungszeit 1805 bis 1836) ganz im Hinblick auf eine künftige militärische Laufbahn erzogen. Mit 22 Jahren trat er als Lieutnant in die kaiserliche Armee ein. Bis 1809 nahm er, wie seine Biogra- phen hervorheben, an 132 Schlachten in insgesamt 13 Feldzügen teil, wobei er sich stets ins wildeste Kampfgeschehen stürzte. 24 Pferde wurden dem Fürsten unter dem Leibe weggeschossen, er aber wurde kein einziges Mal ernsthaft verletzt oder ge- fangen genommen.18 Während der Kämpfe gegen Napoleon übernahm er wiederholt wichtige militä- rische und politische Funktionen: 1805 war er massgeblich an der Aushandlung des Pressburger Friedens beteiligt. Nach den für Österreich un- glücklich verlaufenen Kämpfen von 1809 erhielt er den Oberbefehl des Heeres und wurde in den Rang eines Feldmarschalls erhoben. Nachdem er den Verlustfrieden von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 unterzeichnet hatte, wurde er am kaiser- lichen Hof angefeindet und verliess darauf den ak- tiven Dienst.19 Die Regierung des Hauses Liechten- stein hatte er bereits 1805 angetreten. Nach sei- nem Rücktritt vom kaiserlichen Dienst widmete er sich entsprechend der Tradition des Hauses dem Aufbau einer umfangreichen Kunstsammlung und einer Bibliothek. Ausserdem kümmerte er sich um die Reorganisation seiner Güterverwaltung.20 Sein Nachfolger Fürst Alois (geb. 1796, gest. 1858, Regierungszeit 1836 bis 1858) genoss eine sorgfäl- tige Ausbildung. Neu daran war, dass ein Schwer-punkt 
auf die Vermittlung ökonomischer (d.h. land- und forstwirtschaftlicher) Kenntnisse gelegt wurde. 1818 unternahm er zur «praktischen Nutzanwen- dung des Gelernten»21 eine Reise nach Italien und in die Schweiz - dabei besuchte er auch als erstes Mitglied des Fürstenhauses das Fürstentum Liech- tenstein. Dieser Aufenthalt war im wesentlichen ei- nem Jagdausflug gewidmet. 1835 stand er das ein- zige Mal in staatlichen Diensten, als er in einer ge- sandtschaftlichen Mission nach London reiste. Für die Verwaltung des fürstlichen Besitzes wurde er schon früh von seinem Vater beigezogen. Nach sei- nem Regierungsantritt 1836 bemühte er sich um die Vereinfachung und Rationalisierung der Ver- waltung und der Bewirtschaftung seiner Güter. Die- se Bemühungen fanden ihren Ausdruck in neuen, umfangreichen Instruktionen. Die land- und forst- wirtschaftlichen Kenntnisse Alois II. wurden auch von Aussenstehenden anerkannt. Von 1849 bis zu seinem Tod war er Präsident der Landwirtschafts- Gesellschaft in Wien. Welche Geschäfte sich die Fürsten zur eigenen Ent- scheidung vorbehielten, lässt sich im einzelnen 6) Hauptinstruktion von 1838, § 55. 7) ebda. § 56. 8) Stekl, Adeliger Lebensstil. S. 120. 9) Stekl, Österreichische Aristokratie, S. 42. 10) Verordnung betr. Form der Eingaben vom 10. 6. 1815. In Vaduz ist nur noch das Begleitschreiben zu dieser Verordnung vorhanden. LLA RB Fasz. G 1 11) Hauptinstruktion von 1838, § 59. 12) Stekl, Österreichische Aristokratie, S. 41 ff. 13) Hauptinstruktion von 1838, § 62. 14) Stekl, Österreichische Aristokratie, S. 43 ff. 15) Hauptinstruktion von 1838, § 64. 16) Stekl, Österreichische Aristokratie, S. 51. 17) Wurzbach, Biographisches Lexikon, Bd. 15, S. 114. 18) ebda. S. 154. 19) In der Maur, Feldmarschall Johann, S. 167 20) Zur Biographie Fürst Johann I. Vgl. Falke; Wurzbach; In der Maur, Feldmarschall Johann und Stekl, Adeliger Lebensstil, S. 2. 21) Wurzbach, Biographisches Lexikon, Bd. 15, S. 140. 45
        

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